Die Kos­ten für die Logo­pä­die­schu­le

Schul­geld­zah­lun­gen für den Besuch einer Logo­pä­die­schu­le sind nach einem aktu­el­len Urteil des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz im Rah­men der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung nicht als Son­der­aus­ga­ben abzugs­fä­hig. Ein sol­cher Son­der­aus­ga­ben­ab­zug sei nur für Ersatz­schu­len mög­lich. Eine Logo­pä­die­schu­le sei aber, selbst wenn sie im Sin­ne des Logo­pä­die­ge­set­zes staat­li­che aner­kannt sei, kei­ne Ersatz­schu­le, da es in Rhein­land-Pfalz kei­ne staat­li­che Logo­pä­die­schu­le gebe, so dass die pri­va­te Logo­pä­die­schu­le auch kei­ne staat­li­che Schu­le erset­zen kön­ne.

Die Kos­ten für die Logo­pä­die­schu­le

In dem jetzt von dem Finanz­ge­richt aus Neu­stadt an der Wein­stra­ße ent­schie­de­nen Rechts­streit besuch­te die Toch­ter der Klä­ger von 2005 bis 2008 eine staat­lich aner­kann­te Berufs­fach­schu­le für Logo­pä­die in Rhein­land-Pfalz. Im Jah­re 2006 ent­rich­te­ten die Klä­ger für den Besuch der Schu­le durch ihre Toch­ter Schul­geld­zah­lun­gen in Höhe von rund 8.600.- € und mach­ten die­sen Betrag in ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2006 als Son­der­aus­ga­ben gel­tend. Das Finanz­amt ließ jedoch die Schul­geld­zah­lun­gen nicht zum Son­der­aus­ga­be­ab­zug zu und begrün­de­te das damit, die Klä­ger hät­ten den Nach­weis, dass es sich bei der von der Toch­ter besuch­ten Schu­le um eine nach Lan­des­recht aner­kann­te Ersatz­schu­le han­de­le, nicht erbracht.

Nach­dem die Klä­ger bereits im Ein­spruchs­ver­fah­ren gel­tend gemacht hat­ten, dass die Logo­pä­die­schu­le eine Ersatz­schu­le sei, tru­gen sie mit der Kla­ge wei­ter vor, die Schu­le sei staat­lich aner­kannt im Sin­ne des Logo­pä­die­ge­set­zes, sie sei auch eine staat­lich geneh­mig­te Schu­le. Die Logo­pä­die­schu­le stel­le eine pri­va­te Schu­le als Ersatz für eine öffent­li­che Schu­le dar und sei somit eine zum Son­der­aus­ga­ben­ab­zug berech­ti­gen­de Ersatz­schu­le im Sin­ne des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes. Zwar fie­len die inner­halb von Rhein­land-Pfalz betrie­be­nen Aus­bil­dun­gen in Gesund­heits­be­ru­fen nicht unter das Pri­vat­schul­ge­setz, hier­aus sei aber nicht zu fol­gern, dass des­halb die staat­li­che Geneh­mi­gung oder Aner­ken­nung zu ver­sa­gen sei. Die Anwen­dung des Pri­vat­schul­ge­set­zes sei nicht Vor­aus­set­zung für den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz jedoch nicht: ein Son­der­aus­ga­ben­ab­zug sei nur beim Besuch einer staat­lich geneh­mig­ten oder nach Lan­des­recht erlaub­ten Ersatz­schu­le sowie einer nach Lan­des­recht aner­kann­ten all­ge­mein bil­den­den Ergän­zungs­schu­le mög­lich. Hin­sicht­lich der Son­der­aus­ga­ben knüp­fe der Gesetz­ge­ber erkenn­bar an (landes-)schulrechtliche Begrif­fe an.

Schul­geld für den Besuch von Ergän­zungs­schu­len sei daher nur dann begüns­tigt, wenn es sich um eine nach Lan­des­recht aner­kann­te all­ge­mein bil­den­de Ergän­zungs­schu­le han­de­le. Dar­an feh­le es aber bei der Logo­pä­die­schu­le. Die Logo­pä­die­schu­le sei auch kei­ne staat­lich geneh­mig­te oder nach Lan­des­recht erlaub­te Ersatz­schu­le. Die vor­lie­gen­de staat­li­che Aner­ken­nung bezie­he sich inso­weit ledig­lich auf Anfor­de­run­gen, die die Schu­le bei der Aus­bil­dung und Prü­fung der Schü­ler erfül­le. Die Schu­le die­ne nicht als Ersatz für eine in Rhein­land-Pfalz vor­han­de­ne öffent­li­che Schu­le. Eben­so wenig erset­ze sie eine regel­mä­ßig erfor­der­li­che öffent­li­che Schu­le, da für die Aus­bil­dung zum Logo­pä­den eine Schu­le in staat­li­cher Trä­ger­schaft grund­sätz­lich nicht vor­ge­se­hen sei.

Die Klä­ger wür­den durch die Ver­sa­gung des Son­der­aus­ga­ben­ab­zugs auch nicht gleich­heits­wid­rig benach­tei­ligt, so das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz wei­ter. Schul­geld sei nur als Son­der­aus­ga­ben abzieh­bar, wenn eine Schu­le tat­säch­lich als Ersatz­schu­le geneh­migt oder nach Lan­des­recht als all­ge­mein bil­den­de Ergän­zungs­schu­le förm­lich aner­kannt sei. Durch die Anknüp­fung des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes an eine lan­des­recht­li­che Aner­ken­nung wer­de zudem den Lan­des­ge­setz­ge­bern im Rah­men ihrer (Pri­vat-) Schul­ho­heit die Mög­lich­keit ein­ge­räumt, durch Gestal­tung eines Aner­ken­nungs­ver­fah­rens die För­de­rungs­be­dürf­tig­keit und – wür­dig­keit der Schu­len näher zu regeln. Die steu­er­recht­li­che Vor­aus­set­zung, dass die Schu­len als Bedin­gung für eine För­de­rung ein Genehmigungs‑, Erlaub­nis- oder Aner­ken­nungs­ver­fah­ren durch­lau­fen müss­ten, in dem gege­be­nen­falls nach Maß­ga­be der lan­des­recht­li­chen Rege­lung Min­dest­an­for­de­run­gen z.B. an Lehr­zie­le, Schul­ein­rich­tung und die Aus­bil­dung der Lehr­kräf­te über­prüft wür­den, sei jeden­falls nicht sach­fremd.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 3. März 2010 -1 K 2338/​08