Die mit­rei­sen­de Ehe­frau als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Auf­wen­dun­gen eines Schwer­be­hin­der­ten für eine Begleit­per­son bei Rei­sen sind nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung abzieh­bar, wenn die Begleit­per­son ein Ehe­gat­te ist, der aus eige­nem Inter­es­se an der Rei­se teil­ge­nom­men hat und für den kein durch die Behin­de­rung des ande­ren Ehe­gat­ten ver­an­lass­ter Mehr­auf­wand ange­fal­len ist.

Die mit­rei­sen­de Ehe­frau als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit ver­trag der zu 90% schwer­be­hin­der­te Klä­ger die Ansicht, die Rei­se­auf­wen­dun­gen für sei­ne Ehe­frau für zwei Rei­sen nach Spa­ni­en und Ita­li­en sei­en als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung zu berück­sich­ti­gen, weil sie ihn wegen sei­ner Schwer­be­hin­de­rung habe beglei­ten müs­sen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof sah dies anders: Die Rei­se­kos­ten für die mit­ge­reis­te Ehe­frau des Klä­gers sei­en nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung abzieh­bar, weil durch die Behin­de­rung des Klä­gers inso­weit kein Mehr­auf­wand ent­stan­den sei. Die Ehe­frau des Klä­gers wäre aus eige­nem Inter­es­se auch dann mit­ge­reist, wenn ihr Mann nicht schwer­be­hin­dert gewe­sen wäre.

Nach § 33 Abs. 1 EStG wird die Ein­kom­men­steu­er auf Antrag ermä­ßigt, wenn einem Steu­er­pflich­ti­gen zwangs­läu­fig grö­ße­re Auf­wen­dun­gen als der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Steu­er­pflich­ti­gen glei­cher Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se, glei­cher Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se und glei­chen Fami­li­en­stands (außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung) erwach­sen.

Zwangs­läu­fig erwach­sen dem Steu­er­pflich­ti­gen Auf­wen­dun­gen dann, wenn er sich ihnen aus recht­li­chen, tat­säch­li­chen oder sitt­li­chen Grün­den nicht ent­zie­hen kann und soweit die Auf­wen­dun­gen den Umstän­den nach not­wen­dig sind und einen ange­mes­se­nen Betrag nicht über­stei­gen (§ 33 Abs. 2 Satz 1 EStG). Ziel des § 33 EStG ist es, zwangs­läu­fi­ge Mehr­auf­wen­dun­gen für den exis­tenz­not­wen­di­gen Grund­be­darf zu berück­sich­ti­gen, die sich wegen ihrer Außer­ge­wöhn­lich­keit einer pau­scha­len Erfas­sung in all­ge­mei­nen Frei­be­trä­gen ent­zie­hen. Aus dem Anwen­dungs­be­reich des § 33 EStG aus­ge­schlos­sen sind dage­gen die übli­chen Auf­wen­dun­gen der Lebens­füh­rung, die in Höhe des Exis­tenz­mi­ni­mums durch den Grund­frei­be­trag abge­gol­ten sind 1.

In stän­di­ger Recht­spre­chung geht der Bun­des­fi­nanz­hof dabei davon aus, dass Krank­heits­kos­ten –ohne Rück­sicht auf die Art und die Ursa­che der Erkran­kung– dem Steu­er­pflich­ti­gen aus tat­säch­li­chen Grün­den zwangs­läu­fig erwach­sen. Sie sind auch dann zwangs­läu­fig, wenn sie im Zusam­men­hang mit der Hei­lung oder Lin­de­rung einer Krank­heit ent­ste­hen, unter der ein unter­halts­be­rech­tig­ter Ange­hö­ri­ger lei­det 2. Dies gilt im Grund­satz auch bei Auf­wen­dun­gen für Begleit­per­so­nen Schwer­be­hin­der­ter bei Urlaubs­fahr­ten 3, ins­be­son­de­re wenn die behin­der­ten Per­so­nen nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt –wie im Streit­fall– nach ihren Ein­tra­gun­gen im Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis auf dau­ern­de Beglei­tung ange­wie­sen sind.

Vor­aus­set­zung für den Abzug von Auf­wen­dun­gen als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung im Zusam­men­hang mit einer Behin­de­rung oder Erkran­kung ist aber, dass es sich um einen behin­de­rungs- oder erkran­kungs­be­ding­ten Mehr­be­darf han­delt 4.

Auf die­ser Grund­la­ge hat der Bun­des­fi­nanz­hof eine Abzieh­bar­keit von Auf­wen­dun­gen für die Beglei­tung des Klä­gers durch sei­ne Ehe­frau als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung wegen feh­len­der behin­de­rungs­be­ding­ter Mehr­be­las­tung abge­lehnt 5.

Denn in der Regel kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass mit­ein­an­der ver­rei­sen­de Ehe­gat­ten jeweils aus eige­nem Inter­es­se an der Rei­se teil­neh­men und damit die inso­weit rech­ne­risch auf sie ent­fal­len­den Kos­ten als Kos­ten der jeweils eige­nen Lebens­füh­rung anzu­se­hen sind. Sie kom­men damit regel­mä­ßig nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung im Sin­ne eines behin­de­rungs­be­ding­ten Mehr­auf­wands des jeweils ande­ren Ehe­gat­ten in Betracht, weil sie in die­sem Fall nicht durch die Behin­de­rung, son­dern das Reise­in­ter­es­se des Ehe­gat­ten ver­ur­sacht sind.

Inso­weit hat der BFH bereits frü­her 6 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass § 33 EStG nur der Min­de­rung der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit durch exis­ten­zi­ell not­wen­di­ge und unver­meid­ba­re pri­va­te –sonst steu­er­recht­lich nicht abzieh­ba­re– Auf­wen­dun­gen Rech­nung tra­gen soll und bei der Not­wen­dig­keit und Ange­mes­sen­heit sol­cher Auf­wen­dun­gen für mit­rei­sen­de Begleit­per­so­nen von Schwer­be­hin­der­ten ins­be­son­de­re im Ein­zel­fall zu prü­fen ist, aus wel­chem Grun­de die Auf­wen­dun­gen erwach­sen sind.

Die ent­spre­chen­de tat­säch­li­che Wür­di­gung des Finanz­ge­richt, es sei­en "kei­ne Anhalts­punk­te dafür ersicht­lich, dass der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau die in Rede ste­hen­den Rei­sen nicht auch dann in glei­cher Wei­se gemein­sam unter­nom­men hät­ten, wenn der Klä­ger nicht schwer­be­hin­dert wäre", ent­spricht ersicht­lich dem Akten­in­halt, wird vom Klä­ger selbst in der Revi­si­ons­be­grün­dung weder durch Ver­fah­rens­rügen noch in sons­ti­ger Wei­se in Abre­de gestellt und ist des­halb als denk­ge­setz­lich mög­li­che und all­ge­mei­nen Erfah­rungs­sät­zen ent­spre­chen­de Wür­di­gung für den Bun­des­fi­nanz­hof nach § 118 Abs. 2 FGO bin­dend.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 7. Mai 2013 – VIII R 51/​10

  1. u.a. BFH, Urteil vom 29.09.1989 – III R 129/​86, BFHE 158, 380, BSt­Bl II 1990, 418[]
  2. BFH, Urteil vom 15.03.2007 – III R 28/​06, BFH/​NV 2007, 1841[]
  3. vgl. dazu BFH, Urteil vom 04.07.2002 – III R 58/​98, BFHE 199, 400, BSt­Bl II 2002, 765; BFH, Beschluss vom 29.08.2003 – III B 156/​02, BFH/​NV 2004, 41[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le vom 10.10.1996 – III R 209/​94, BFHE 182, 333, BSt­Bl II 1997, 491; vom 24.08.2004 – VIII R 59/​01, BFHE 207, 237, BSt­Bl II 2010, 1048, m.w.N.; eben­so –trotz groß­zü­gi­ge­rer Aus­le­gung des § 33 EStG als in der Ent­schei­dung in BFHE 182, 333, BSt­Bl II 1997, 491– zur grund­sätz­li­chen Erfor­der­lich­keit eines Mehr­auf­wands für die Anwend­bar­keit des § 33 EStG BFH, Urteil vom 22.10.2009 – VI R 7/​09, BFHE 226, 536, BSt­Bl II 2010, 280; BFH, Beschluss vom 25.05.2011 – VI B 35/​11, BFH/​NV 2011, 1691[]
  5. vgl. BFH, Urteil in BFHE 207, 237, BSt­Bl II 2010, 1048, m.w.N.[]
  6. BFH, Urteil in BFHE 199, 400, BSt­Bl II 2002, 765[]