Die Pend­ler­pau­scha­le und die nur vor­läu­fi­ge Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung

Nach­dem das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die (ein­schrän­ken­de) Neu­re­ge­lung der Pend­ler­pau­scha­le für Ver­fas­sungs­wid­rig erklärt hat­te, sorg­te die auf einem Schrei­ben des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums 1 grün­den­de Pra­xis der Finanz­äm­ter für eini­ge Ver­wir­rung, die Pend­ler­pau­scha­le zwar wie­der in alter Höhe zu berück­sich­ti­gen, die ent­spre­chen­de Steu­er­fest­set­zung aller­dings nur "vor­läu­fig" vor­zu­neh­men. Die Begrün­dung des BMF zu die­ser Pra­xis war sei­ner­zeit, dass das BVerfG ja schließ­lich nur eine vor­läu­fi­ge Fort­gel­tung der alten (nicht ein­schrän­ken­den) Rege­lun­gen zur Pend­ler­pau­scha­le bis zu einer gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung ange­ord­net habe.

Die Pend­ler­pau­scha­le und die nur vor­läu­fi­ge Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung

Zwi­schen­zeit­lich ist das "Gesetz zur Fort­füh­rung der Geset­zes­la­ge 2006 bei der Ent­fer­nungs­pau­scha­le" vom 20. April 2009( (BGBl. I S. 774)) in Kraft getre­ten. Hier­nach sind rück­wir­kend ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2007 Auf­wen­dun­gen für die Wege zwi­schen Woh­nung und regel­mä­ßi­ger Arbeits- bzw. Betriebs­stät­te wie­der ab dem ers­ten Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter steu­er­lich abzieh­bar. Fer­ner kön­nen die Ent-fer­nungs­pau­scha­le über­stei­gen­de Auf­wen­dun­gen, die durch die Benut­zung öffent­li­cher Ver­kehrs­mit­tel ent­stan­den sind, sowie Unfall­kos­ten wie­der steu­er­lich berück­sich­tigt wer­den.

Damit ist die Begrün­dung für die vor­läu­fi­ge Fest­set­zung ent­fal­len, und die Finanz­äm­ter neh­men jetzt inso­weit ab sofort auch wie­der end­gül­ti­ge Ver­an­la­gun­gen vor, sei­ne Anwei­sung zur vor­läu­fi­gen Fest­set­zung hat das BMF heu­te mit einem Rund­schrei­ben wie­der auf­ge­ho­ben. Was aber geschieht mit den Ein­kom­men­steu­er­be­schei­den, die zwi­schen­zeit­lich "unter Vor­be­halt" ergan­gen sind?

Wer jetzt glaubt, die Finanz­ver­wal­tung wür­de die­se Vor­läu­fig­keits­ver­mer­ke eigen­stän­dig wie­der auf­he­ben, der irrt:

Die bis­her inso­weit vor­läu­fig durch­ge­führ­ten Steu­er­fest­set­zun­gen und Fest­stel­lun­gen von Ein­künf­ten müs­sen, so das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um in sei­nem heu­ti­gen Rund­schrei­ben, nur dann für end­gül­tig erklärt wer­den, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge dies bean­tragt oder wenn die Fest­set­zung oder Fest­stel­lung aus ande­ren Grün­den zu ändern ist (§ 165 Abs. 2 Satz 4 AO). Soweit Steu­er­fest­set­zun­gen oder Fest­stel­lun­gen von Ein­künf­ten nicht für end­gül­tig erklärt wer­den, bleibt der Vor­läu­fig­keits­ver­merk bestehen und bis zum Ablauf der Fest­set­zungs- bzw. Fest­stel­lungs­frist eine Bescheid­än­de­rung mög­lich.

Für die Ein­kom­men­steu­er des Ver­an­la­gungs­zeit­raums 2007 endet die Fest­set­zungs­frist übri­gens frü­hes­tens mit Ablauf des 31. Dezem­ber 2011 bzw. – falls eine Pflicht zur Abga­be einer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung besteht – frü­hes­tens mit Ablauf des 31. Dezem­ber 2012 (§ 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2, § 170 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO). Die zwei­jäh­ri­ge Frist gemäß § 171 Abs. 8 Satz 2 AO ist daher hier ohne Bedeu­tung.

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 23. April 2009 – IV A 3 – S 0338/​07/​10010 – 02 – [2009/​0235775]

  1. BMF, Schrei­ben vom 15. Dezem­ber 2008, BSt­Bl I S. 1010[]