Die regu­lä­re Anpas­sung der Ren­ten in den neu­en Bun­des­län­dern an das West­ni­veau – und die Ein­kom­men­steu­er

Die zusam­men mit der "nor­ma­len" Erhö­hung der Ren­ten erfol­gen­de Anglei­chung der Ren­ten im Bei­tritts­ge­biet an das West­ni­veau stellt eine regel­mä­ßi­ge Ren­ten­an­pas­sung im Sin­ne des § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 7 EStG dar. Sie kann daher nicht zu einer Neu­be­rech­nung des steu­er­frei­en Teils der Alters­ren­te (sog. Ren­ten­frei­be­trag) füh­ren.

Die regu­lä­re Anpas­sung der Ren­ten in den neu­en Bun­des­län­dern an das West­ni­veau – und die Ein­kom­men­steu­er

Dar­in liegt nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs kei­ne ver­fas­sungs­wid­ri­ge Ungleich­be­hand­lung zwi­schen den in den neu­en Bun­des­län­dern gezahl­ten Alters­ren­ten und den Alters­ren­ten aus dem übri­gen Bun­des­ge­biet.

In dem vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall bezo­gen der kla­gen­de Rent­ner und sei­ne ver­stor­be­ne Ehe­frau Alters­ren­ten aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, berech­net nach dem aktu­el­len Ren­ten­wert (Ost). Der Rent­ner war der Ansicht, dass die Anpas­sung des all­ge­mei­nen Ren­ten­wer­tes (Ost) an das West­ni­veau zu einer Erhö­hung des Ren­ten­frei­be­tra­ges füh­ren müs­se, da er ansons­ten zu nied­rig sei. Sowohl das Finanz­amt als erst­in­stanz­lich das Säch­si­sche Finanz­ge­richt 1 lehn­ten dies ab. Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te nund die­se Rechts­auf­fas­sung und wies auch die Revi­si­on des Rent­ners zurück:

Regu­lä­re Ren­ten­er­hö­hun­gen füh­ren nach dem aus­drück­li­chen Wil­len des Gesetz­ge­bers nicht zu einer Erhö­hung des Ren­ten­frei­be­trags füh­ren. Dies gilt nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht nur für die "nor­ma­len" jähr­li­chen Ren­ten­er­hö­hun­gen, son­dern auch für die Anpas­sung der in den neu­en Bun­des­län­dern gezahl­ten Ren­ten an das West­ni­veau. In bei­den Fäl­len kom­me den regu­lä­ren Ren­ten­er­hö­hun­gen die sozia­le Funk­ti­on zu, die Stel­lung des Rent­ners im jewei­li­gen Lohn­ge­fü­ge zu erhal­ten und fort­zu­schrei­ben. Sie dyna­mi­sier­ten ähn­lich einer Wert­si­che­rungs­klau­sel ledig­lich die Wert­hal­tig­keit die­ser Ren­ten, im Fall der Anpas­sung des aktu­el­len Ren­ten­wer­tes (Ost) bezo­gen auf das Lohn­ge­fü­ge des Bei­tritts­ge­bie­tes.

Das Säch­si­sche Finanz­ge­richt hat, so der Bun­des­fi­nanz­hof, zu Recht eine Neu­be­rech­nung des Ren­ten­frei­be­trags gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 6 EStG unter Berück­sich­ti­gung des gemäß § 255a Abs. 1 Satz 1 SGB VI erhöh­ten aktu­el­len Ren­ten­wer­tes (Ost) abge­lehnt. Die Erhö­hung des Jah­res­be­trags der Ren­te stellt viel­mehr eine regel­mä­ßi­ge Anpas­sung nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 7 EStG dar. Ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken sind für den Bun­des­fi­nanz­hof nicht gege­ben.

Der Rent­ner hat für die Streit­jah­re kei­nen Anspruch auf Anpas­sung der Ren­ten­frei­be­trä­ge gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 6 EStG.

Zu den sons­ti­gen Ein­künf­ten gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 1 EStG gehö­ren u.a. Leib­ren­ten aus den gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen, soweit sie der Besteue­rung unter­lie­gen. Bemes­sungs­grund­la­ge für den der Besteue­rung unter­lie­gen­den Anteil ist der Jah­res­be­trag der Ren­te (§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 2 EStG). Der der Besteue­rung unter­lie­gen­de Anteil ist der in Satz 3 die­ser Vor­schrift auf­ge­führ­ten Tabel­le ent­spre­chend dem Jahr des Ren­ten­be­ginns zu ent­neh­men. Der Unter­schieds­be­trag zwi­schen dem Jah­res­be­trag der Ren­te und dem der Besteue­rung unter­lie­gen­den Anteil der Ren­te ist nach Satz 4 der Vor­schrift der steu­er­freie Teil der Ren­te. Gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 5 EStG gilt der steu­er­freie Teil der Ren­te ab dem Jahr, das dem Jahr des Ren­ten­be­ginns folgt, für die gesam­te Lauf­zeit des Ren­ten­be­zugs.

Die­se Grund­sät­ze sind zwi­schen den Betei­lig­ten zu Recht nicht strei­tig, so dass der Bun­des­fi­nanz­hof von wei­te­ren Aus­füh­run­gen absieht.

Abwei­chend von § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 5 EStG ist nach Satz 6 der Vor­schrift der steu­er­freie Teil der Ren­te bei einer Ver­än­de­rung des Jah­res­be­trags der Ren­te in dem Ver­hält­nis anzu­pas­sen, in dem der ver­än­der­te Jah­res­be­trag der Ren­te zum Jah­res­be­trag der Ren­te steht, der der Ermitt­lung des steu­er­frei­en Teils der Ren­te zugrun­de liegt. Aller­dings füh­ren regel­mä­ßi­ge Anpas­sun­gen des Jah­res­be­trags der Ren­te nach Satz 7 der Vor­schrift nicht zu einer sol­chen Neu­be­rech­nung und blei­ben bei einer Neu­be­rech­nung außer Betracht 2. Regu­lä­re Ren­ten­er­hö­hun­gen wer­den des­halb unein­ge­schränkt der Besteue­rung unter­wor­fen 3.

Nach der älte­ren Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs, die jedoch noch zu Leib­ren­ten vor der durch das Alt­Ein­kG vor­ge­nom­me­nen Umstel­lung auf die nach­ge­la­ger­te Besteue­rung ergan­gen ist, ent­steht eine neue Leib­ren­te nicht, wenn die Erhö­hung in Fol­ge einer Wäh­rungs- oder Wert­si­che­rungs­klau­sel ein­tritt, da in die­sem Fall die Ren­te nicht ver­än­dert, son­dern ihr inne­rer Wert erhal­ten bleibt 4. Ent­spre­chend wur­de die gesetz­li­che Erhö­hung der Sozi­al­ver­si­che­rungs­ren­ten beur­teilt 5. Zur Begrün­dung führ­te der BFH aus, die Erhö­hung der Ren­ten­zah­lun­gen durch Ren­ten­an­pas­sungs­ge­set­ze sei von vorn­her­ein im Stamm­recht der Ren­te als einer Arbeits­wert­ren­te vor­ge­se­hen; das mit dem Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les begrün­de­te Ren­ten­recht habe die sozia­le Funk­ti­on, die Stel­lung des Rent­ners im Lohn­ge­fü­ge für die Zeit des Ren­ten­be­zugs zu erhal­ten. Die der Anpas­sung die­nen­den Erhö­hungs­be­trä­ge sei­en Erträ­ge die­ses Ren­ten­stamm­rechts. Da eine Anpas­sung der Ren­ten nur vor­ge­nom­men wer­de, wenn sich die all­ge­mei­ne Bemes­sungs­grund­la­ge nach dem Ren­ten­recht ver­än­de­re, ent­spre­che die Anpas­sung der Sozi­al­ver­si­che­rungs­ren­ten der Anwen­dung einer Wert­si­che­rungs­klau­sel bei pri­va­ten Ren­ten. Ggf. nöti­ge wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen für eine Ren­ten­er­hö­hung sei­en unschäd­lich, sofern die­se Vor­aus­set­zun­gen auch der Siche­rung der in der Ren­te bereits ange­leg­ten Funk­ti­on dien­ten bzw. damit im Zusam­men­hang stün­den. Dabei sei es ins­be­son­de­re auch mög­lich, die abs­trak­te Berech­nungs­for­mel des § 68 SGB VI zu ändern und den tat­säch­li­chen gesell­schaft­li­chen und arbeits­markt­po­li­ti­schen Gege­ben­hei­ten anzu­pas­sen 6 Auch den Alters­ren­ten aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ist somit eine Dyna­mik eigen.

Zwar hat sich der Gesetz­ge­ber mit dem Alt­Ein­kG von der bis­lang gel­ten­den steu­er­sys­te­ma­ti­schen Ansicht gelöst, dass für Alters­vor­sor­ge­leis­tun­gen der Basis­ver­sor­gung eine Ertrags­an­teils­be­steue­rung vor­zu­neh­men ist. Das neue Kon­zept der nach­ge­la­ger­ten Besteue­rung beruht dar­auf, dass nicht die Erträ­ge eines Ren­ten­stamm­rechts, son­dern die tat­säch­li­chen Ren­ten­zu­flüs­se als Ein­kom­men besteu­ert wer­den, auch soweit sie aus eige­nen Bei­trags­leis­tun­gen der Steu­er­pflich­ti­gen resul­tie­ren 7. Den­noch ist die sozia­le Funk­ti­on der Alters­ren­te ‑die Erhal­tung der Stel­lung des Rent­ners im Lohn­ge­fü­ge- unver­än­dert geblie­ben. Den regu­lä­ren Ren­ten­er­hö­hun­gen kommt des­halb auch wei­ter­hin eine wert­si­chern­de Funk­ti­on zu. Der Ren­ten­frei­be­trag soll typi­sie­rend der Ver­mei­dung einer ‑ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­si­gen- dop­pel­ten Besteue­rung von Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen und Alters­be­zü­gen die­nen. Sei­ne Fest­schrei­bung auch bei Vor­nah­me regel­mä­ßi­ger Ren­ten­an­pas­sun­gen soll wie­der­um einer ansons­ten in der Pha­se des Über­gangs von der vor­ge­la­ger­ten zur nach­ge­la­ger­ten Besteue­rung ein­tre­ten­den erneu­ten Ver­grö­ße­rung der Besteue­rungs­un­ter­schie­de zwi­schen Sozi­al­ver­si­che­rungs­ren­ten und Beam­ten­pen­sio­nen ent­ge­gen­wir­ken 8.

Auch soweit die Ren­ten anhand des aktu­el­len Ren­ten­wer­tes (Ost) berech­net und regel­mä­ßig ange­passt wer­den, kann nichts ande­res gel­ten. Denn in den Streit­jah­ren ist Maß­stab für die Anpas­sung die­ser Ren­ten der jeweils aktu­el­le Ren­ten­wert (Ost), der für alle gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­cher­ten gleich ist, bei denen in der Ren­te per­sön­li­che Ent­gelt­punk­te (Ost) zugrun­de zu legen sind. Gemäß § 255a Abs. 1 Satz 1 SGB VI betrug er am 30.06.2005 22, 97 EUR und ver­än­der­te sich zum 01.07.jeden Jah­res nach dem für die Ver­än­de­rung des aktu­el­len Ren­ten­wer­tes (§ 68 SGB VI) gel­ten­den Ver­fah­ren (§ 255a Abs. 1 Satz 2 SGB VI). Hier­bei waren jeweils die für das Bei­tritts­ge­biet ermit­tel­ten Brut­to­löh­ne und ‑gehäl­ter je Arbeit­neh­mer i.S. des § 68 Abs. 2 Satz 1 SGB VI maß­ge­bend. Der aktu­el­le Ren­ten­wert (Ost) ist nach § 255a Abs. 2 SGB VI min­des­tens um den Vom­hun­dert­satz anzu­pas­sen, um den der aktu­el­le Ren­ten­wert ange­passt wird. Abwei­chend von § 68 Abs. 4 SGB VI wer­den nach § 255a Abs. 3 Satz 1 SGB VI bis zur Her­stel­lung ein­heit­li­cher Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se im Gebiet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die Anzahl der "Äqui­va­lenz­rent­ner" und die Anzahl der "Äqui­va­lenz­bei­trags­zah­ler" für das Bun­des­ge­biet ohne das Bei­tritts­ge­biet und das Bei­tritts­ge­biet getrennt berech­net. Durch die sepa­ra­te Berech­nung der auf die Lohn­ent­wick­lung im Bei­tritts­ge­biet abge­stell­ten Ren­ten und die hier­mit ein­her­ge­hen­den erhöh­ten jähr­li­chen Anpas­sun­gen soll für eine Über­gangs­zeit bis zur Her­stel­lung ein­heit­li­cher Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se der Lohn­ent­wick­lung im Bei­tritts­ge­biet Rech­nung getra­gen wer­den 9.

Die Anpas­sung des aktu­el­len Ren­ten­wer­tes (Ost) in den Streit­jah­ren stellt eine regu­lä­re Anpas­sung i.S. des § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 7 EStG dar, die eine Anpas­sung des Ren­ten­frei­be­trags nach Satz 6 der Vor­schrift aus­schließt.

Unter Beach­tung der dar­ge­leg­ten Grund­sät­ze dient die Berech­nung des aktu­el­len Ren­ten­wer­tes (Ost) in § 255a SGB VI der sozia­len Funk­ti­on, die Stel­lung des Rent­ners im Lohn­ge­fü­ge des Bei­tritts­ge­bie­tes für die Zeit des Ren­ten­be­zugs zu erhal­ten und fort­zu­ent­wi­ckeln. Eben­so wie die Ren­ten­an­pas­sung auf­grund des aktu­el­len Ren­ten­wer­tes nach § 68 SGB VI dyna­mi­siert sie ähn­lich einer Wert­si­che­rungs­klau­sel die Wert­hal­tig­keit der anhand des aktu­el­len Ren­ten­wer­tes (Ost) berech­ne­ten Ren­ten­zah­lun­gen.

Da § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG seit dem Jahr 2005 alle Leis­tun­gen aus den gesetz­li­chen Alters­si­che­rungs­sys­te­men unab­hän­gig davon erfasst, ob sie als Ren­te oder Teil­ren­te, Alters­ren­te, Erwerbs­min­de­rungs­ren­te, Wit­wen-/Wit­wer­ren­te, Wai­sen­ren­te, Erzie­hungs­ren­te oder als ein­ma­li­ge Leis­tung aus­ge­zahlt wer­den 10, ist steu­er­recht­lich ohne Belang, ob der Ren­te der aktu­el­le Ren­ten­wert (Ost) oder der (all­ge­mei­ne) aktu­el­le Ren­ten­wert zugrun­de liegt. Glei­ches muss für die Anpas­sun­gen der ent­spre­chen­den Ren­ten gel­ten. Auch die Anpas­sung des Ren­ten­wer­tes (Ost) ist somit als regu­lä­re Ren­ten­an­pas­sung, wie sie § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 7 EStG ver­steht, anzu­se­hen.

Für die­se Auf­fas­sung spricht nicht nur der Wort­laut des Sat­zes 7 die­ser Vor­schrift, son­dern auch des­sen his­to­ri­sche und teleo­lo­gi­sche Aus­le­gung. So meint Regel­mä­ßig­keit schon von sei­nem Wort­sinn her das "nicht nur ein­mal oder rein zufäl­lig mehr­mals" vor­kom­men­de Ereig­nis, wie es auch im Zusam­men­hang mit § 11 Abs. 1 Satz 2 EStG von der BFH-Recht­spre­chung ver­stan­den wird 11. Der Gesetz­ge­ber ver­weist dar­über hin­aus auch in sei­ner Begrün­dung zur Ein­füh­rung des Sat­zes 6 in § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG ledig­lich auf Ände­run­gen durch Ein­kom­mens­an­rech­nung, den Wech­sel von Teil- zu Voll­ren­ten oder den Weg­fall der Ren­te 12. Der deut­lich häu­fi­ger vor­kom­men­de und sich plan­mä­ßig wie­der­ho­len­de Fall der (erhöh­ten) Anpas­sung des Ren­ten­wer­tes (Ost) wird indes nicht erwähnt. Dies spricht bereits dafür, dass der Gesetz­ge­ber die­se Anpas­sun­gen als regu­lä­re Anpas­sun­gen i.S. des Sat­zes 7 der Vor­schrift ver­ste­hen woll­te. Auch der vom Gesetz­ge­ber aus­drück­lich genann­te Zweck der Fest­schrei­bung des Ren­ten­frei­be­trags (die Ver­mei­dung einer erneu­ten Ver­grö­ße­rung der Besteue­rungs­un­ter­schie­de im Ver­gleich zu Pen­sio­nä­ren) 13 bestä­tigt den Befund, die Fest­schrei­bung auch in Fäl­len der regel­mä­ßi­gen ‑aber im Ver­gleich zu den alten Bun­des­län­dern höher aus­fal­len­den- Ren­ten­stei­ge­run­gen im Bei­tritts­ge­biet anzu­wen­den. Hin­zu tritt der Ver­ein­fa­chungs­ge­dan­ke, da andern­falls die Finanz­ver­wal­tung ange­sichts von Mil­lio­nen Fäl­len, die auch zum Teil tat­säch­li­che Steu­er­zah­lungs­pflich­ten aus­lö­sen, ein im Rah­men des Mas­sen­ver­fah­rens der Ein­kom­mens­be­steue­rung recht kom­pli­zier­tes Ver­fah­ren der Neu­be­rech­nung nach Satz 6 anwen­den müss­te.

Der Fall der ‑regel­mä­ßi­gen- Anpas­sung des aktu­el­len Ren­ten­wer­tes (Ost) unter­schei­det sich maß­geb­lich von der Erhö­hung der all­ge­mei­nen Ren­ten­wer­te auf­grund der sog. Müt­ter­ren­te. Die­se ‑mit dem Gesetz über Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung vom 23.06.2014 14 zum 01.07.2014 vor­ge­nom­me­ne- Gewäh­rung von Ent­gelt­punk­ten wegen der Kin­der­er­zie­hung, die ‑im Unter­schied zur Anpas­sung des aktu­el­len Ren­ten­wer­tes- zur Erhö­hung der Gesamt­ent­gelt­punk­te führt, stellt eine außer­or­dent­li­che und grund­sätz­lich nicht vor­her­seh­ba­re Ren­ten­an­pas­sung dar. Inso­weit fehlt es schon an der in § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 7 EStG ver­lang­ten Regel­mä­ßig­keit der Anpas­sung.

Ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken gegen die Rege­lung des § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Sät­ze 6 und 7 EStG in Bezug auf die Behand­lung der Anglei­chung des Ren­ten­wer­tes (Ost) als regel­mä­ßi­ge Anpas­sung bestehen nicht. Ins­be­son­de­re liegt kei­ne ver­fas­sungs­wid­ri­ge Ungleich­be­hand­lung zwi­schen den Alters­ren­ten, die nach Maß­ga­be des § 255a SGB VI berech­net wer­den, und Alters­ren­ten aus dem übri­gen Bun­des­ge­biet vor.

Im Bereich des Steu­er­rechts, ins­be­son­de­re des Ein­kom­men­steu­er­rechts, wird die Frei­heit des Gesetz­ge­bers, die­je­ni­gen Sach­ver­hal­te zu bestim­men, an die das Gesetz die­sel­ben Rechts­fol­gen knüpft und die es als recht­lich gleich qua­li­fi­ziert, durch das Gebot der Aus­rich­tung der Steu­er­last am Prin­zip der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit und das Gebot der Fol­ge­rich­tig­keit begrenzt. Letz­te­res besagt, aus­ge­hend vom Gleich­heits­grund­satz des Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes (GG), dass bei der Aus­ge­stal­tung des steu­er­recht­li­chen Aus­gangs­tat­be­stands die ein­mal getrof­fe­ne Belas­tungs­ent­schei­dung fol­ge­rich­tig i.S. der Belas­tungs­gleich­heit umge­setzt wer­den muss 15.

Vor­lie­gend ist § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Sät­ze 6 und 7 EStG nicht wegen man­geln­der Fol­ge­rich­tig­keit gemäß Art. 3 Abs. 1 GG ver­fas­sungs­wid­rig. Viel­mehr hat der Gesetz­ge­ber fol­ge­rich­tig die regel­mä­ßi­gen Anpas­sun­gen als voll­stän­dig steu­er­pflich­tig ange­se­hen und von einer Neu­be­rech­nung des Ren­ten­frei­be­trags abge­se­hen.

Der Ren­ten­frei­be­trag nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 4 EStG dient der Ver­mei­dung einer noch­ma­li­gen Besteue­rung sol­cher Ren­ten­tei­le, die auf Bei­trä­gen beru­hen, die ihrer­seits aus bereits ver­steu­er­tem Ein­kom­men geleis­tet wor­den sind, also wirt­schaft­lich als Rück­zah­lung ein­ge­zahl­ten und bereits ver­steu­er­ten Kapi­tals ange­se­hen wer­den kön­nen. Sowohl vor 2005 als auch in der Über­gangs­pha­se von 2005 bis 2039 wur­den bzw. wer­den die in der Anspar­pha­se geleis­te­ten Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen ein­kom­men­steu­er­recht­lich nicht in vol­lem Umfang berück­sich­tigt. Zusätz­li­che Ren­ten­be­trä­ge, die auf­grund spä­te­rer regel­mä­ßi­ger Erhö­hun­gen gezahlt wer­den, kön­nen wirt­schaft­lich hin­ge­gen nicht als Kapi­tal­rück­zah­lung ange­se­hen wer­den, son­dern die­nen der Erhal­tung der Stel­lung des Rent­ners im Lohn­ge­fü­ge und sind wirt­schaft­lich inso­weit mit ‑bis­her noch nicht ver­steu­er­ten- Erträ­gen eines Kapi­tal­be­trags zu ver­glei­chen. Dane­ben ist zu beach­ten, dass durch die sta­ti­sche Frei­be­trags­re­ge­lung in § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 7 EStG der Sor­ge des Gesetz­ge­bers Rech­nung getra­gen wird, die sich ansons­ten in der Über­gangs­pha­se bis ins Jahr 2040 erge­ben­den Besteue­rungs­un­ter­schie­de zwi­schen Sozi­al­ver­si­che­rungs­ren­ten und Beam­ten­pen­sio­nen zu erhö­hen 13.

Unter Beach­tung die­ser Grund­sät­ze fehlt es bereits an einem Gleich­heits­ver­stoß in Bezug auf die regel­mä­ßi­ge Anpas­sung von Ren­ten, denen der aktu­el­le Ren­ten­wert (Ost) zugrun­de liegt, im Ver­gleich zu den Ren­ten, die sich auf­grund des aktu­el­len Ren­ten­wer­tes gemäß § 68 SGB VI errech­nen. In bei­den Fäl­len bemisst sich der Ren­ten­frei­be­trag nach den Ren­ten­be­trä­gen, die sich im Zweit­jahr nach Ren­ten­be­ginn nach Maß­ga­be des jeweils gel­ten­den aktu­el­len Ren­ten­wer­tes erge­ben. Im Hin­blick auf das sei­ner­zei­tig noch gerin­ge­re Lohn­ni­veau im Bei­tritts­ge­biet ergibt sich zwar mög­li­cher­wei­se im Ver­gleich zu den Ren­ten im übri­gen Bun­des­ge­biet ein gerin­ge­rer steu­er­li­cher Jah­res­frei­be­trag. Die­ser ist jedoch zwin­gen­de Fol­ge der wäh­rend der Anspar­pha­se gerin­ge­ren Bei­trags­leis­tung des Steu­er­pflich­ti­gen. Sind die Ren­ten trotz der unter­schied­li­chen aktu­el­len Ren­ten­wer­te dage­gen gleich hoch, fehlt es an einem Belas­tungs­un­ter­schied. Das Glei­che gilt in Bezug auf die spä­te­ren Ren­ten­er­hö­hun­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 3. Dezem­ber 2018 – X R 12/​18

  1. Sächs. FG, Urteil vom Urteil vom 03.12.2018 – X R 12/​18[]
  2. vgl. dazu auch BFH, Urteil vom 26.11.2008 – X R 15/​07, BFHE 223, 445, BStBl II 2009, 710, unter II. 3.b aa[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 06.03.2013 – X B 113/​11, BFH/​NV 2013, 929, Rz 9[]
  4. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. nur BFH, Urteil vom 22.08.2012 – X R 47/​09, BFHE 239, 213, BStBl II 2013, 158, Rz 20, m.w.N.[]
  5. so schon BFH, Urteil vom 10.10.1969 – VI R 267/​66, BFHE 97, 31, BStBl II 1970, 9, unter II.[]
  6. BFH, Urteil in BFHE 239, 213, BStBl II 2013, 158, Rz 22, m.w.N.[]
  7. vgl. etwa BVerfg, Beschluss vom 30.09.2015 – 2 BvR 1066/​10, HFR 2016, 72, Rz 56[]
  8. vgl. zu bei­den Aspek­ten BT-Drs. 15/​2150, 41[]
  9. vgl. nur Kreike­bohm, Sozi­al­ge­setz­buch Gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung ‑SGB VI‑, 5. Aufl.2017, § 255a Rz 3[]
  10. vgl. nur Myßen/​Emser, NWB 2015, 2383, 2384[]
  11. so etwa zu § 11 EStG BFH, Urteil vom 10.12.1985 – VIII R 15/​83, BFHE 145, 538, BStBl II 1986, 342, unter 2.a[]
  12. BT-Drs. 15/​3004, 19 f.[]
  13. vgl. BT-Drs. 15/​2150, 41[][]
  14. BGBl I 2014, 787[]
  15. BVerfG, Beschluss vom 06.07.2010 – 2 BvL 13/​09, BVerfGE 126, 268, unter C.I. 2.a[]