Die Ren­ten­be­steue­rung vor dem Finanz­ge­richt

Das Finanz­ge­richt Müns­ter hat aktu­ell zwei Kla­gen gegen die seit 2005 gel­ten­de Ren­ten­be­steue­rung abge­wie­sen, hat aber in bei­den Fäl­len die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.

Die Ren­ten­be­steue­rung vor dem Finanz­ge­richt

In den vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Fäl­len bezo­gen die Klä­ger, die wäh­rend ihrer akti­ven Tätig­keit zum Teil in erheb­li­chem Umfang frei­wil­li­ge Bei­trags­leis­tun­gen zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ent­rich­tet hat­ten, schon seit län­ge­rem Ren­ten aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Das Finanz­amt hat­te die von den Klä­gern im Jah­re 2005 ver­ein­nahm­ten Ren­ten­zah­lun­gen nicht mehr – wie in den Vor­jah­ren – mit einem Anteil von 27 bis 29 % der Besteue­rung unter­wor­fen, son­dern – ent­spre­chend den seit 2005 gel­ten­den Rege­lun­gen – mit einem Anteil von 50 %. Mit ihren hier­ge­gen gerich­te­ten Kla­gen mach­ten die Klä­ger gel­tend, es lie­ge eine ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­si­ge Dop­pel­be­steue­rung vor, da sie die Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung über­wie­gend aus bereits ver­steu­er­tem Ein­kom­men geleis­tet hät­ten. Zudem müs­se jeden­falls zuguns­ten von Rent­nern, bei denen der Ren­ten­be­zug vor dem Jah­re 2005 begon­nen habe, der Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes ein­grei­fen, denn auf der Grund­la­ge der bis 2004 gel­ten­den Geset­zes­fas­sung hät­ten sie davon aus­ge­hen kön­nen, dass die Ren­ten­be­steue­rung für die gesam­te Dau­er des Ren­ten­be­zu­ges mit dem bis 2004 gel­ten­den Pro­zent­satz vor­ge­nom­men wer­de.

Das Müns­te­ra­ner FG folg­te dem nicht und ver­trat die Auf­fas­sung, es sei nicht zu bean­stan­den, dass das Finanz­amt die Ren­ten­ein­nah­men der Klä­ger im Jah­re 2005 mit 50 % der Besteue­rung unter­wor­fen habe. Die Vor­aus­set­zun­gen für eine Besteue­rung der Ren­ten mit einem gerin­ge­ren Anteil als 50 % (sog. Öff­nungs­klau­sel) sei­en nicht erfüllt, denn die Klä­ger hät­ten nicht nach­ge­wie­sen, dass sie in min­des­tens zehn Jah­ren Bei­trä­ge an die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung ent­rich­tet hät­ten, die die Höchst­bei­trä­ge über­stie­gen. Es lie­ge auch kei­ne ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­si­ge Dop­pel­be­steue­rung vor, da die Ren­ten­zah­lun­gen, die die Klä­ger jeweils in der Zeit vom Beginn des Ren­ten­be­zu­ges bis zum Ende des Jah­res 2005 ver­ein­nahmt hät­ten, in so gerin­gem Umfang der Besteue­rung unter­le­gen hät­ten, dass die steu­er­frei belas­se­nen Ren­ten­zah­lun­gen die von den Klä­gern aus ver­steu­er­tem Ein­kom­men geleis­te­ten Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung jeweils deut­lich über­stie­gen. Auch der Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes grei­fe nicht zuguns­ten der Klä­ger ein, denn das Ver­trau­en der Klä­ger auf eine Wei­ter­gel­tung der bis­he­ri­gen Ren­ten­be­steue­rung müs­se hin­ter dem Inter­es­se der All­ge­mein­heit an der Schaf­fung einer den Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ent­spre­chen­den Neu­re­ge­lung der Besteue­rung von Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen für die Alters­si­che­rung und der Bezü­ge dar­aus zurück­tre­ten.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urtei­le vom 14. Okto­ber 2008 – 14 K 2406/​06 E und 14 K 3990/​06 E

  1. vgl. BVerfGE 107, 395, 414[]