Die Über­nach­tungs­kos­ten des Fern­fah­rers

Bei einem im inter­na­tio­na­lem Fern­ver­kehr täti­gen Fern­fah­rer, der im Regel­fall in der Schlaf­ka­bi­ne des LKW über­nach­tet, ist nach Ansicht des Finanz­ge­richts Mün­chen davon aus­zu­ge­hen, dass typi­scher­wei­se Kos­ten für die Über­nach­tung ent­ste­hen, die als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit abzugs­fä­hig sind. Soweit hier­zu kei­ne Ein­zel­nach­wei­se vor­lie­gen, schätzt das Finanz­ge­richt Mün­chen die­se nach § 162 AO auf 5, – € je Über­nach­tung.

Die Über­nach­tungs­kos­ten des Fern­fah­rers

Bei der Ermitt­lung der Ein­künf­te aus nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit sind als Wer­bungs­kos­ten i. S. des § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG auch beruf­lich ver­an­lass­te Rei­se­kos­ten abzu­zie­hen. Hier­zu zäh­len auch Auf­wen­dun­gen für Über­nach­tun­gen 1.

Zwar kommt ein Ansatz der frü­her in den Lohn­steu­er­richt­li­ni­en fest­ge­leg­ten Pausch­be­trä­ge für Über­nach­tun­gen im Aus­land nicht in Betracht 2. Es kön­nen jedoch die tat­säch­lich ange­fal­le­nen Auf­wen­dun­gen für Über­nach­tun­gen berück­sich­tigt wer­den. Wie der Bun­des­fi­nanz­hof fest­ge­stellt hat, sind die Auf­wen­dun­gen für Über­nach­tun­gen, wenn Ein­zel­nach­wei­se nicht vor­lie­gen, nach § 162 AO zu schät­zen 3. Hier­bei ist davon aus­zu­ge­hen, dass bei einem im inter­na­tio­na­len Fern­ver­kehr täti­gen Fern­fah­rer, der im Regel­fall in der Schlaf­ka­bi­ne des Lkw's über­nach­tet, typi­scher­wei­se bestimm­te Kos­ten – z. B. für Dusche, Toi­let­te, Rei­ni­gung der Schlaf­ge­le­gen­heit – ent­ste­hen. Eine Schät­zung die­ser Kos­ten in Höhe von 5 € je Über­nach­tung erscheint hier­bei, wie auch der Bun­des­fi­nanz­hof fest­ge­stellt hat, kei­nes­falls über­höht.

Im hier ent­schie­de­nen Fall war aus den vom Fern­fah­rer vor­ge­leg­ten Spe­sen­ab­rech­nun­gen sei­nes Arbeit­ge­bers die Anzahl sei­ner Aus­wärts­ein­sät­ze ersicht­lich (hier: ins­ge­samt Ein­sät­ze an 243 Tagen im ln- und Aus­land im Streit­jahr). Die von ihm gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen für 194 Über­nach­tun­gen im Lkw sind damit glaub­haft. Das Finanz­ge­richt Mün­chen schätzt die bei die­sen Über­nach­tun­gen täg­lich anfal­len­den Über­nach­tungs­ne­ben­kos­ten auf 5 € pro Tag 4.

Finanz­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 2. Sep­tem­ber 2015 – – 7 K 2393/​13

  1. BFH, Urteil vom 11.05.1990 – VI R 140/​86, BSt­Bl II 1990, 777[]
  2. BFH, Urteil vom 28.03.2012 – VI R 48/​11, 8StBIII 2012, 926[]
  3. BFH, aaO[]
  4. vgl. auch FG Schles­wig-Hol­stein, Urteil vom 27.09.2012 – 5 K 99/​12, EFG 2013, 24[]