Dop­pel­te Haus­halts­füh­rung – im elter­li­chen Haus­halt

Nach den in der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 1 ist geklärt, dass bei älte­ren, wirt­schaft­lich selb­stän­di­gen, berufs­tä­ti­gen Kin­dern, die mit ihren Eltern oder einem Eltern­teil in einem gemein­sa­men Haus­halt leben, davon aus­zu­ge­hen ist, dass sie die Füh­rung des Haus­halts maß­geb­lich mit­be­stim­men, so dass ihnen die­ser Haus­stand als "eige­ner" zuge­rech­net wer­den kann.

Dop­pel­te Haus­halts­füh­rung – im elter­li­chen Haus­halt

Die­se Regel­ver­mu­tung gilt ins­be­son­de­re, wenn die Woh­nung am Beschäf­ti­gungs­ort dem Arbeit­neh­mer im Wesent­li­chen nur als Schlaf­stät­te dient, weil dann dort regel­mä­ßig weder der Haupt­haus­stand noch der Mit­tel­punkt der Lebens­in­ter­es­sen des Steu­er­pflich­ti­gen zu ver­or­ten ist 2.

Dage­gen wird nach der Bun­des­fi­nanz­hofs­recht­spre­chung ein eige­ner Haus­stand nicht unter­hal­ten, wenn der nicht ver­hei­ra­te­te Arbeit­neh­mer als nicht die Haus­halts­füh­rung wesent­lich bestim­men­der bzw. mit­be­stim­men­der Teil in einen Haus­stand ein­ge­glie­dert ist, wie es regel­mä­ßig bei jun­gen Arbeit­neh­mern der Fall ist, die nach Been­di­gung der Aus­bil­dung wei­ter­hin ‑wenn auch gegen Kos­ten­be­tei­li­gung- im elter­li­chen Haus­halt ihr Zim­mer bewoh­nen. Die elter­li­che Woh­nung kann in einem die­ser häu­fi­gen Fäl­le zwar, auch wenn das Kind am Beschäf­ti­gungs­ort eine Unter­kunft bezo­gen hat, wie bis­her der Mit­tel­punkt sei­ner Lebens­in­ter­es­sen sein, sie ist aber nicht ein von dem Kind unter­hal­te­ner eige­ner Haus­stand.

Hier­aus ergibt sich, dass für die Fra­ge, ob ein Kind, das zusam­men mit sei­nen Eltern oder einem Eltern­teil in einem gemein­sa­men Haus­halt wohnt, die Füh­rung des Haus­halts maß­geb­lich mit­be­stimmt, zwi­schen jun­gen Arbeit­neh­mern in und nach der Aus­bil­dung einer­seits und älte­ren, wirt­schaft­lich selb­stän­di­gen, berufs­tä­ti­gen Kin­dern ande­rer­seits zu unter­schei­den ist. Weder kann allein das Ein­tre­ten der Voll­jäh­rig­keit die Regel­ver­mu­tung aus­lö­sen, noch ist die­se von einer bestimm­ten Alters­gren­ze (wie hier 27/​28 Jah­re) abhän­gig.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 1. März 2017 – VI B 74/​16

  1. BFH, Urtei­le vom 16.01.2013 – VI R 46/​12, BFHE 240, 241, BSt­Bl II 2013, 627; vom 14.11.2013 – VI R 10/​13, BFH/​NV 2014, 507; und vom 05.06.2014 – VI R 76/​13, BFH/​NV 2014, 1884[]
  2. BFH, Urtei­le in BFHE 240, 241, BSt­Bl II 2013, 627; in BFH/​NV 2014, 507, und in BFH/​NV 2014, 1884[]