Eigen­heim­zu­la­ge für 2005

Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz hat in einem jetzt bekannt gewor­de­nen Urteil trotz ent­ge­gen­ste­hen­dem Rund­schrei­bens des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums im Wege der ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung auch für das Jahr 2005 die Eigen­heim­zu­la­ge gewährt, obwohl in die­sem Jahr die maß­geb­li­che Ein­kunfts­gren­ze über­schrit­ten wur­de.

Eigen­heim­zu­la­ge für 2005

Die seit 2004 ver­hei­ra­te­ten Klä­ger wur­den im Jahr 2004 zusam­men zur Ein­kom­men­steu­er ver­an­lagt, die posi­ti­ve Sum­me der Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit lag bei ins­ge­samt 79.000.- ? (Klä­ger 50.000.- ?, Klä­ge­rin 29.000.- ?). Seit Novem­ber 2005 nutz­ten die Klä­ger das von ihnen her­ge­stell­te Ein­fa­mi­li­en­haus zu eige­nen Wohn­zwe­cken. Im Jah­re 2005 erziel­ten der Klä­ger und die Klä­ge­rin Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit in Höhe von 56.000.- ? und 30.000.- ?, wobei sie die getrenn­te Ver­an­la­gung wähl­ten. Die für den Eigen­heim­zu­la­gen­an­trag im Erst­jahr (2005) und im vor­an­ge­gan­ge­nen Jahr (2004) maß­geb­li­chen Ein­künf­te der Klä­ger belie­fen sich auf rd. 165.000.- ?.

Mit Bescheid vom Juli 2006 ver­sag­te das Finanz­amt die von der Klä­ge­rin bean­trag­te Eigen­heim­zu­la­ge ab 2005 und begrün­de­te das damit, dass ein Anspruch auf Eigen­heim­zu­la­ge nach dem Geset­zes­wort­laut (§ 5 Eig­ZulG) nicht bestehe, weil die Sum­me der posi­ti­ven Ein­künf­te des Erst­jah­res (2005) zuzüg­lich der Sum­me des vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­res (2004) den Betrag von 140.000.- ? über­stie­gen habe. Dabei bezog es sich auf das Schrei­ben des BMF (Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen) vom 21. Dezem­ber 2004.

Mit der Kla­ge hat­ten die Klä­ger u. a. vor­ge­tra­gen, nach der am 1. Janu­ar 2004 in Kraft getre­te­nen Rege­lung der Ein­kunfts­gren­ze (§ 5 Eig­ZulG) sei­en die Ein­künf­te von Ehe­leu­ten stets gesamt zu betrach­ten. Im Gegen­satz zu dem bis zum 31. Dezem­ber 2003 gel­ten­den Rechts­zu­stand könn­ten im Fal­le der getrenn­ten Ver­an­la­gung die Ein­künf­te nur eines Ehe­part­ners nicht mehr berück­sich­tigt wer­den. Dies ver­let­ze den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz des Grund­ge­set­zes. Wären sie nicht ver­hei­ra­tet, wäre ihr ? der Klä­ge­rin ? für ihren Hälf­te­an­teil die Eigen­heim­zu­la­ge gewährt wor­den.

Die Kla­ge war inso­weit erfolg­reich. Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u. a. aus, eine am Wort­laut und sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang des § 5 Eig­ZulG ori­en­tier­te Aus­le­gung füh­re nicht zu der vom Finanz­amt – unter Bezug­nah­me auf das ent­spre­chen­de BMF-Schrei­ben vom 21. Dezem­ber 2004 – ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, dass nicht mehr auf die von eigen­heim­zu­la­gen­be­rech­tig­ten Ehe­leu­ten gewähl­te Ver­an­la­gungs­art abzu­stel­len sei. Wenn in der Vor­schrift aus­drück­lich die posi­ti­ve Sum­me der Ein­künf­te der Ehe­leu­te her­vor­ge­ho­ben wer­de, mache das deut­lich, dass die Vor­schrift eben nur den Fall rege­le, in dem die Sum­me der posi­ti­ven Ein­künf­te der Ehe­leu­te im Erst­jahr (hier 2005) über­haupt gebil­det wer­den kön­ne. Dies kom­me nach dem Geset­zes­text nur bei einer Zusam­men­ver­an­la­gung von Ehe­leu­ten in Betracht. Für den Fall der hier im Jah­re 2005 durch­ge­führ­ten getrenn­ten Ver­an­la­gung müs­se es dabei ver­blei­ben, dass zumin­dest der gerin­ger ver­die­nen­de Ehe­gat­te für sei­nen Mit­ei­gen­tums­an­teil die Eigen­heim­zu­la­ge bean­spru­chen kön­ne. Zu dem­sel­ben Ergeb­nis füh­re die im Streit­fall gebo­te­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung der Vor­schrift. Wenn es Ehe­paa­ren ver­wehrt wer­de, über die Wahl der getrenn­ten Ver­an­la­gung zumin­dest für den gerin­ger ver­die­nen­den Ehe­part­ner den För­der­grund­be­trag in Höhe sei­nes Mit­ei­gen­tums­an­teils in Anspruch zu neh­men, wäh­rend das bei u. a. nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaf­ten bei sonst glei­chen Ein­kom­mens­ver­hält­nis­sen anders sei, stel­le das die Ehe­part­ner schlech­ter, ohne dass das durch sach­li­che Grün­de gerecht­fer­tigt sei. Daher füh­re eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung dazu, dass die Klä­ge­rin mit ihrem Mit­ei­gen­tums­an­teil anspruchs­be­rech­tigt sei.

Die Revi­si­on wur­de zuge­las­sen.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, URteil vom 11. Juni 2007 – 5 K 2146/​06