Eigen­heim­zu­la­ge für ein nach dem 31.12.2005 ange­schaff­tes Fol­ge­ob­jekt

Gemäß § 19 Abs. 9 Eig­ZulG ist das Eigen­heim­zu­la­ge­ge­setz nicht mehr anzu­wen­den, wenn der Anspruchs­be­rech­tig­te die Woh­nung auf Grund eines nach dem 31.12.2005 rechts­wirk­sam abge­schlos­se­nen obli­ga­to­ri­schen Ver­tra­ges oder gleich­ste­hen­den Rechts­akts ange­schafft hat. Etwas ande­res ergibt sich, wie jetzt das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schied, auch nicht dar­aus, dass es sich bei der nach dem 31.12.2005 ange­schaff­ten selbst­ge­nutz­ten Woh­nung um ein Objekt han­delt, wel­ches nach dem zula­ge­be­güns­tig­ten Objekt ange­schafft wur­de, für das die Eigen­tü­mer nicht bis zum Ablauf des För­der­zeit­raums die Eigen­heim­zu­la­ge in Anspruch neh­men konn­ten.

Eigen­heim­zu­la­ge für ein nach dem 31.12.2005 ange­schaff­tes Fol­ge­ob­jekt

Fol­ge­ob­jek­te müs­sen vor 2006 ange­schafft wor­den sein

Als zula­ge­be­güns­tig­te Fol­ge­ob­jek­te käme das neue Objekt nur in Betracht, wenn es im zeit­li­chen Anwen­dungs­be­reich des Eigen­heim­zu­la­ge­ge­set­zes (vgl. § 19 Abs. 9 Eig­ZulG) ange­schafft wor­den wäre, so das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf aus­drück­lich.

Gemäß § 7 S. 2 Eig­ZulG ist näm­lich das Fol­ge­ob­jekt ein eigen­stän­di­ges Objekt im Sin­ne des § 2 Eig­ZulG. Demen­spre­chend sind für die­ses Objekt sämt­li­che all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen des Eigen­heim­zu­la­ge­ge­set­zes zu prü­fen. Nach § 2 S. 1 Eig­ZulG i. V. m. § 19 Abs. 9 Eig­ZulG sind aber nur noch Woh­nun­gen begüns­tigt, die vor dem 01.01.2006 ange­schafft wur­den 1.

Die­ses Ergeb­nis ent­spricht, so das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf in sei­ner Urteils­be­grün­dung wei­ter, auch dem Zweck des Geset­zes. Mit dem Gesetz zur Abschaf­fung der Eigen­heim­zu­la­ge vom 22.12.2005 2 wur­de die För­de­rung ein­ge­stellt, weil aus der Sicht des Gesetz­ge­bers das För­der­ziel, einen wir­kungs­vol­len Bei­trag zur Wohn­ei­gen­tums­bil­dung zu leis­ten, erreicht war 3.

Hät­te der Gesetz­ge­ber für Fol­ge­ob­jek­te ein Aus­nah­me machen wol­len, hät­te er dies in § 19 Abs. 9 Eig­ZulG hin­zu­fü­gen müs­sen. Eine ent­spre­chen­de Ände­rung des Geset­zes­vor­la­ge ist aber vom Finanz­aus­schuss, der sich mit der Fra­ge beschäf­tigt hat, inwie­weit so genann­te Fol­ge­ob­jek­te nach Inkraft­tre­ten des Geset­zes noch geför­dert wer­den, nach einer Abstim­mung abge­lehnt wor­den 4.

Kein Ver­trau­ens­schutz für spä­ter ange­schaff­te Fol­ge­ob­jek­te

Ein Anspruch auf Eigen­heim­zu­la­ge für das nach Ende 2005 ange­schaff­te Fol­ge­ob­jekt besteht auch nicht aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes.

Das Gesetz zur Abschaf­fung Geset­zes zur Abschaf­fung der Eigen­heim­zu­la­ge vom 22. Dezem­ber 2005 5 war auf­grund der Ver­öf­fent­li­chung in den Medi­en auch all­ge­mein bekannt.

Die begehr­te Eigen­heim­zu­la­ge stellt eine staat­li­che Sub­ven­ti­on dar. Es han­delt sich um eine frei­wil­li­ge finan­zi­el­le Zuwen­dung des Staa­tes, mit deren Hil­fe er ein bestimm­tes Ver­hal­ten för­dert, das ihm aus wirtschafts‑, sozi­al- oder gesell­schafts­po­li­ti­schen Grün­den erwünscht ist. Im Rah­men die­ser För­de­rung kommt dem Staat eine gro­ße Gestal­tungs­frei­heit zu. Ins­be­son­de­re kann er bestim­men, wel­che Beträ­ge er zur Durch­füh­rung der Maß­nah­me ins­ge­samt bereit­stel­len will 6.

Es ist ihm grund­sätz­lich erlaubt, zuvor gewähr­te Sub­ven­tio­nen für die Zukunft zu kür­zen oder ganz zu ent­zie­hen. Gren­zen die­ser Gestal­tungs­frei­heit erge­ben sich ledig­lich aus dem Gleich­heits­satz nach Art. 3 Abs. 1 GG sowie den in Art. 20 GG ver­an­ker­ten rechts­staat­li­chen Grund­sät­zen der Rechts­si­cher­heit und der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit 7. Die­se Gren­zen wer­den durch den Weg­fall der Eigen­heim­zu­la­ge und die Anknüp­fung an die Fall­grup­pen der Anschaf­fung und Her­stel­lung nicht über­schrit­ten 8.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 9. Sep­tem­ber 2009 – 7 K 1120/​08 EZ

  1. vgl. auch Stuhr­mann in Bordewin/​Brandt § 19 Eig­ZulG Rz. 16; Erhard in Blü­mich § 19 Eig­ZulG Rz. 57; Stuhr­mann "Die Steu­er­ge­setz­ge­bung Ende 2005" NJW 2006, 465, 469[]
  2. BGBl I 2005, 3680[]
  3. vgl. BT/​Drs 16/​108 S. 3[]
  4. vgl. BT-Drs. 16/​250, Sei­te 4[]
  5. BGBl I, S. 3680[]
  6. vgl. BVerfG, Urteil vom 12.02.1964 – 1 BvL 12/​62 -, BVerfGE 17, 210, 216[]
  7. vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.05.1986 – 1 BvR 99/​85 und 1 BvR 461/​85 -, BVerfGE 72, 175, m.w.N.[]
  8. vgl. Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 31.03.2009 – 13 K 58/​08, EFG 2009, 1284[]