Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung – und die erfolg­te Loh­ner­steu­er­pau­scha­lie­rung

Die pau­scha­le Lohn­steu­er bleibt bei einer Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung nur dann außer Ansatz, wenn der Lohn dem Gesetz ent­spre­chend tat­säch­lich pau­schal besteu­ert wor­den ist.

Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung – und die erfolg­te Loh­ner­steu­er­pau­scha­lie­rung

Die pau­scha­le Lohn­steu­er­erhe­bung ist Teil des Lohn­steu­er­ab­zugs­ver­fah­rens und damit des Vor­aus­zah­lungs­ver­fah­rens. Sol­che Ent­schei­dun­gen kön­nen bei der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung des Arbeit­neh­mers unbe­schränkt über­prüft wer­den. Sie ent­fal­ten im Ver­an­la­gungs­ver­fah­ren regel­mä­ßig kei­ne (ver­fah­rens­recht­li­che) Bin­dungs­wir­kung.

Zwar blei­ben gemäß § 40 Abs. 3 Satz 3 EStG der pau­schal besteu­er­te Arbeits­lohn und die pau­scha­le Lohn­steu­er bei einer Ver­an­la­gung zur Ein­kom­men­steu­er außer Ansatz. Die­se Rechts­fol­gen des § 40 Abs. 3 EStG tre­ten indes nur ein, wenn die Pau­scha­lie­rung tat­säch­lich vor­ge­nom­men wur­de und dem Gesetz ent­spro­chen hat. Nur wenn der Lohn dem Gesetz ent­spre­chend pau­schal besteu­ert wor­den ist, blei­ben daher Arbeits­lohn und pau­scha­le Lohn­steu­er bei einer Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung außer Ansatz 1. Selbst im Fall einer sog. fehl­ge­schla­ge­nen Pau­scha­lie­rung hat die pau­scha­le Lohn­steu­er kei­ne Abgel­tungs­wir­kung, so dass der dem Arbeit­neh­mer aus­ge­zahl­te Arbeits­lohn in des­sen Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung ein­zu­be­zie­hen ist 2.

Zudem betref­fen Ent­schei­dun­gen im Rah­men des Lohn­steu­er­ab­zugs­ver­fah­rens das Vor­aus­zah­lungs­ver­fah­ren des zur Ein­kom­men­steu­er zu ver­an­la­gen­den Arbeit­neh­mers. Sol­che Ent­schei­dun­gen kön­nen bei der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung unbe­schränkt über­prüft wer­den. Sie ent­fal­ten im Ver­an­la­gungs­ver­fah­ren regel­mä­ßig auch kei­ne (ver­fah­rens­recht­li­che) Bin­dungs­wir­kung. Die pau­scha­le Lohn­steu­er­erhe­bung ist eben­falls Teil des Lohn­steu­er­ab­zugs­ver­fah­rens und damit Teil des Vor­aus­zah­lungs­ver­fah­rens des Arbeit­neh­mers. Ob eine ent­spre­chen­de Pau­scha­lie­rung Bin­dungs­wir­kung auch für die Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung des Arbeit­neh­mers ent­fal­tet, kann das Wohn­sitz-Finanz­amt bei der Jah­res­be­steue­rung des Arbeit­neh­mers wie jede ande­re Maß­nah­me des Vor­aus­zah­lungs­ver­fah­rens in vol­lem Umfang über­prü­fen 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 2. Okto­ber 2017 – VI B 9/​17

  1. BFH, Beschluss vom 07.10.2015 – VI B 49/​15, BFH/​NV 2016, 38[]
  2. BFH, Urteil vom 13.01.1989 – VI R 66/​87, BFHE 156, 412, BSt­Bl II 1989, 1030; BFH, Beschluss vom 18.01.1991 – VI B 140/​89, BFHE 163, 204, BSt­Bl II 1991, 309[]
  3. BFH, Urtei­le in BFHE 156, 412, BSt­Bl II 1989, 1030; und vom 10.06.1988 – III R 232/​84, BFHE 154, 68, BSt­Bl II 1988, 981[]