Erst­stu­di­um nach abge­schlos­se­ner Berufs­aus­bil­dung

Auf­wen­dun­gen für ein Erst­stu­di­um nach abge­schlos­se­ner Berufs­aus­bil­dung kön­nen auch wei­ter­hin als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den, wie jetzt der Bun­des­fi­nanz­hof in fünf bei ihm anhän­gi­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren ent­schied.

Erst­stu­di­um nach abge­schlos­se­ner Berufs­aus­bil­dung

Das seit 2004 gel­ten­de Abzugs­ver­bot für Kos­ten von Erst­stu­di­en und Erst­aus­bil­dun­gen nach § 12 Nr. 5 EStG steht nach die­sen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs der Abzieh­bar­keit von beruf­lich ver­an­lass­ten Kos­ten für ein Erst­stu­di­um jeden­falls dann nicht ent­ge­gen, wenn die­sem eine abge­schlos­se­ne Berufs­aus­bil­dung vor­aus­ge­gan­gen ist.

Nach der Recht­spre­chung des BFH sind Auf­wen­dun­gen für Bil­dungs­maß­nah­men Wer­bungs­kos­ten i.S. von § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG, wenn ein Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang mit einer, gege­be­nen­falls auch spä­te­ren beruf­li­chen Tätig­keit besteht. Die ab 2004 gel­ten­de Rege­lung des § 12 Nr. 5 EStG bestimmt nun, dass Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen für sei­ne erst­ma­li­ge Berufs­aus­bil­dung und für ein Erst­stu­di­um im Rah­men der Ein­künf­teer­mitt­lung nicht abzieh­bar sind, wenn die Auf­wen­dun­gen nicht im Rah­men eines Dienst­ver­hält­nis­ses statt­fin­den; sie kön­nen aller­dings jähr­lich bis zu 4 000 € als Son­der­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG). Die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Neu­re­ge­lung ist umstrit­ten.

In ins­ge­samt fünf Urtei­len hat der BFH nun ent­schie­den, dass § 12 Nr. 5 EStG kein Abzugs­ver­bot für Wer­bungs­kos­ten ent­hält. Die Vor­schrift bestim­me ledig­lich in typi­sie­ren­der Wei­se, dass bei einer erst­ma­li­gen Berufs­aus­bil­dung ein hin­rei­chend ver­an­lass­ter Zusam­men­hang mit einer bestimm­ten Erwerbs­tä­tig­keit feh­le. Die Typi­sie­rung erstre­cke sich nicht auf Steu­er­pflich­ti­ge, die erst­ma­lig ein Stu­di­um berufs­be­glei­tend oder in sons­ti­ger Wei­se als Zweit­aus­bil­dung absol­vier­ten.

Im Fall der Leit­ent­schei­dung VI R 14/​07 war die 1967 gebo­re­ne, ver­hei­ra­te­te Klä­ge­rin gelern­te Buch­händ­le­rin. Nach Abschluss der Aus­bil­dung hat­te sie zunächst ein Stu­di­um der Son­der­päd­ago­gik begon­nen, aller­dings wegen einer Schwan­ger­schaft nicht been­det. Im Jahr 2002 nahm sie das Stu­di­um zur Grund‑, Haupt- und Real­schul­leh­re­rin auf. Das Finanz­amt lehn­te den Abzug der durch das Stu­di­um ver­an­lass­ten Kos­ten als vor­ab ent­stan­de­ne Wer­bungs­kos­ten für das Streit­jahr 2005 ab. Das Finanz­ge­richt Nie­der­sach­sen folg­te dem 1.

Der BFH hob die Vor­ent­schei­dung auf und gab der Klä­ge­rin dem Grun­de nach Recht. Die Auf­wen­dun­gen der Klä­ge­rin für das Lehr­amts­stu­di­um sei­en beruf­lich ver­an­lasst. Es bestehe ein hin­rei­chend kla­rer Zusam­men­hang die­ser Aus­ga­ben mit spä­te­ren Ein­nah­men aus der ange­streb­ten Tätig­keit als Leh­re­rin. § 12 Nr. 5 EStG kom­me nicht zur Anwen­dung, weil es sich bei dem Stu­di­um nicht um eine Erst­aus­bil­dung gehan­delt habe.

Bei die­sem Befund bestand für den Bun­des­fi­nanz­hof kei­ne Ver­an­las­sung, auf die gegen die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 12 Nr. 5 EStG geäu­ßer­ten Beden­ken ein­zu­ge­hen.

§ 12 Nr. 5 EStG bestimmt in typi­sie­ren­der Wei­se, dass bei einer erst­ma­li­gen Berufs­aus­bil­dung ein hin­rei­chend ver­an­lass­ter Zusam­men­hang mit einer bestimm­ten Erwerbs­tä­tig­keit fehlt. Die Vor­schrift ent­hält jedoch kein Abzugs­ver­bot für erwerbs­be­ding­te Auf­wen­dun­gen.

In ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung steht § 12 Nr. 5 EStG einem Abzug von Auf­wen­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten für ein Erst­stu­di­um nach abge­schlos­se­ner Berufs­aus­bil­dung nicht ent­ge­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urtei­le vom 18.06.09 – VI R 14/​07, VI R 31/​07, VI R 79/​06, VI R 6/​07 und VI R 49/​07

  1. FG Nie­der­sach­sen, Urteil vom 07.11.2006 8 K 353/​06[]