Euro-Zer­ti­fi­ka­te mit garan­tier­ter Min­dest­rück­zah­lung

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat mit einer Ent­schei­dung zur steu­er­li­chen Behand­lung von Euro-Zer­ti­fi­ka­ten mit garan­tier­ter Min­dest­rück­zah­lung sei­ne Recht­spre­chung zu den soge­nann­ten Finanz­in­no­va­tio­nen wei­ter­ent­wi­ckelt.

Euro-Zer­ti­fi­ka­te mit garan­tier­ter Min­dest­rück­zah­lung

Das aktu­el­le Urteil betrifft den Ver­kauf von Index­zer­ti­fi­ka­ten (Euro-Zer­ti­fi­ka­ten) mit einer garan­tier­ten Min­dest­rück­zah­lung vor End­fäl­lig­keit (im Streit­fall: Nomi­nal­wert 1000 US-$ je Stück; Erwerb von 100 Zer­ti­fi­ka­ten im Mai 1998 für 975 US-$ je Stück; Rück­zah­lung bei End­fäl­lig­keit im Juni 2002 ent­spre­chend dem Euro-Kurs zu die­sem Zeit­punkt, min­des­tens aber 100 US-$ je Zer­ti­fi­kat; Ver­kauf im Novem­ber 2000 mit einem Über­schuss von 1014 DM pro Zer­ti­fi­kat).

Der BFH kam zu dem Ergeb­nis, dass der beim Ver­kauf der Euro-Zer­ti­fi­ka­te erziel­te Über­schuss nur hin­sicht­lich des Teils steu­er­bar ist, der der garan­tier­ten Min­dest­rück­zah­lung ent­spricht. Anders als bei Index­zer­ti­fi­ka­ten mit vol­ler Rück­zah­lungs­ga­ran­tie, bei denen – wie der BFH in einem frü­he­ren Urteil zu DAX-Zer­ti­fi­ka­ten ent­schie­den hat – Kurs­ge­win­ne, die der Inha­ber beim Ver­kauf oder bei der Ein­lö­sung der Zer­ti­fi­ka­te erzielt, in vol­lem Umfang steu­er­bar sind, trägt der Inha­ber eines Index­zer­ti­fi­kats mit garan­tier­ter Min­dest­rück­zah­lung das Risi­ko, bei ungüns­ti­ger Kurs­ent­wick­lung einen Teil sei­nes ein­ge­setz­ten Kapi­tals zu ver­lie­ren. Der BFH hat es des­halb als sach­ge­recht ange­se­hen, den bei der Ver­äu­ße­rung der Zer­ti­fi­ka­te erziel­ten Über­schuss inso­weit dem nicht steu­er­ba­ren Bereich zuzu­ord­nen, als der Steu­er­pflich­ti­ge das ein­deu­tig bestimm­ba­re Risi­ko eines Kapi­tal­aus­falls (im ent­schie­de­nen Fall 90%) ein­ge­gan­gen ist.

Die Abgren­zung des steu­er­pflich­ti­gen vom nicht­steu­er­ba­ren Teil des beim Ver­kauf erziel­ten Über­schus­ses ist dabei nach dem Ver­hält­nis zwi­schen der Min­dest­rück­zah­lung (hier: 10 000 US-$) und der Dif­fe­renz zwi­schen dem Nomi­nal­be­trag der Anla­ge (hier: 100 000 US-$) und Min­dest­rück­zah­lung (Risi­ko­be­reich) vor­zu­neh­men.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 4. Dezem­ber 2007 – VIII R 53/​05