Fortbildung zur Handelsfachwirtin als Berufsausbildung

Für ein über 18 Jahre altes Kind, das das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, besteht nach § 62 Abs. 1, § 63 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a, § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG Anspruch auf Kindergeld, wenn das Kind für einen Beruf ausgebildet wird und seine zur Bestreitung des Unterhalts oder der Berufsausbildung bestimmten oder geeigneten Einkünfte und Bezüge 7.680 € im Kalenderjahr nicht übersteigen.

Fortbildung zur Handelsfachwirtin als Berufsausbildung

In Berufsausbildung befindet sich, wer sein Berufsziel noch nicht erreicht hat, sich aber ernsthaft und nachhaltig darauf vorbereitet. Dieser Vorbereitung dienen alle Maßnahmen, bei denen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen erworben werden, die als Grundlagen für die Ausübung des angestrebten Berufs geeignet sind1.

Im Rahmen der Altersgrenzen des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 i.V.m. Abs. 5 EStG kommt es nicht darauf an, ob es sich um die erste oder eine weitere Ausbildung handelt bzw. ob eine zusätzliche Ausbildungsmaßnahme einer beruflichen Qualifizierung oder einem anderen Beruf dient2. Der Tatbestand der Berufsausbildung im Sinne des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG setzt auch nicht voraus, dass die Vorbereitung auf den künftigen Beruf die Arbeitskraft des Kindes überwiegend beansprucht. Eine Berufsausbildung kann daher auch im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfinden, sofern dieses der Erlangung der angestrebten beruflichen Qualifikation dient und somit der Ausbildungscharakter im Vordergrund steht3; ob das Dienstverhältnis als Ausübung eines Berufs angesehen werden kann, der von vielen als Dauerberuf ausgeübt wird, ist nicht entscheidend4. Eine Berufsausbildung kann auch neben einer Erwerbstätigkeit erfolgen, sofern das Kind die Ausbildung ernsthaft und nachhaltig betreibt5.

Danach ist es für den Bundesfinanzhof nicht zu beanstanden, die Fortbildung zur Handelsfachwirtin als eine Berufsausbildung im Sinne des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG anzusehen, solange der Ausbildungscharakter im Vordergrund steht.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 24. Februar 2010 – III R 3/08

  1. ständige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs, z.B. BFH, Urteil vom 02.04.2009 – III R 85/08, BFHE 224, 546, BFH/NV 2009, 1502, m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Urteile vom 20.07.2000 – VI R 121/98, BFHE 192, 480, BStBl II 2001, 107; und vom 16.03.2004 – VIII R 65/03, BFH/NV 2004, 1522; BFH, Beschluss vom 19.08.2008 – III B 102/07, BFH/NV 2009, 16[]
  3. vgl. BFH, Urteile vom 09.06.1999 – VI R 50/98, BFHE 189, 98, BStBl II 1999, 706, zum Volontariat; vom 16.04.2002 – VIII R 58/01, BFHE 199, 111, BStBl II 2002, 523, zur Ausbildung eines Soldaten auf Zeit; und vom 13.07.2004 – VIII R 20/02, BFH/NV 2005, 36 zum juristischen Vorbereitungsdienst[]
  4. z.B. BFH, Urteile in BFH/NV 2004, 1522; und in BFHE 199, 111, BStBl II 2002, 523[]
  5. z.B. BFH, Urteile vom 26.11.2003 – VIII R 30/03, BFH/NV 2004, 1223; vom 30.11.2004 – VIII R 9/04, BFH/NV 2005, 860; und vom 14.12.2004 – VIII R 44/04, BFH/NV 2005, 1039; BFH, Beschlüsse vom 31.07.2008 – III B 64/07, BFHE 222, 471, BFH/NV 2008, 1932; und in BFH/NV 2009, 16[]