Foto­vol­ta­ik statt Asbest­dach

Der Aus­tausch eines alten Asbest­da­ches im Zuge der Mon­ta­ge einer sog. Auf-Dach-Foto­vol­ta­ik­an­la­ge bringt nach Ansicht des Hes­si­schen Finanz­ge­richts zumin­dest kei­ne Steu­er­erspar­nis. Kos­ten für die Erneue­rung der Dach­ein­de­ckung kön­nen nach Ansicht des Hes­si­schen Finanz­ge­richts auch dann nicht steu­er­min­dernd als Betriebs­aus­ga­ben bei dem Betrieb einer Foto­vol­ta­ik­an­la­ge abge­zo­gen wer­den, wenn der alte Dach­be­lag asbest­hal­tig war und im Zuge der Instal­la­ti­on einer sog. Auf-Dach-Foto­vol­ta­ik­an­la­ge gegen eine asbest­freie Zie­gelein­de­ckung aus­ge­tauscht wur­de.

Foto­vol­ta­ik statt Asbest­dach

Im ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te der Klä­ger mit den Stadt­wer­ken einen Strom­ein­spei­se­ver­trag abge­schlos­sen und im Streit­jahr 2006 auf einer Dach­hälf­te des selbst­ge­nutz­ten Zwei­fa­mi­li­en­hau­ses eine sog. Auf-Dach-Foto­vol­ta­ik­an­la­ge sowie Spe­zi­al­dach­trä­ger­zie­gel für die Befes­ti­gung der Anla­ge instal­liert. Kurz zuvor hat­te er die kom­plet­te, asbest­hal­ti­ge Well­plat­ten-Dach­ein­de­ckung aus dem Jah­re 1961 gegen einen nicht asbest­hal­ti­gen Zie­gel­be­lag aus­ge­tauscht, wofür er in der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung bei dem gewerb­li­chen Betrieb der Foto­vol­ta­ik­an­la­ge 50% der Auf­wen­dun­gen als Betriebs­aus­ga­ben gel­tend mach­te. Dies führ­te im Streit­jahr zu einem steu­er­min­dern­den Ver­lust von 15.000 €. Das Finanz­amt lehn­te den Ansatz der Auf­wen­dun­gen für die Dach­er­neue­rung ab, weil das Dach nicht zum Betriebs­ver­mö­gen der Foto­vol­ta­ik­an­la­ge gehö­re. Damit kom­me es ledig­lich zu einem Ver­lust von 8.000 €.

Mit der Kla­ge wand­te der Klä­ger ein, dass das alte Asbest­dach noch voll funk­ti­ons­fä­hig gewe­sen sei. Ohne Ent­fer­nung des Asbest­da­ches habe die Foto­vol­ta­ik­an­la­ge aber aus recht­li­chen Grün­den nicht mon­tiert wer­den dür­fen. Außer­dem stüt­ze das Dach die Foto­vol­ta­ik­an­la­ge und sei für deren Betrieb unab­ding­bar. Die hälf­ti­gen Dach­er­neue­rungs­kos­ten sei­en folg­lich als Betriebs­aus­ga­ben absetz­bar.

Das Hes­si­sche Finanz­ge­richt folg­te dem nicht und wies die Kla­ge ab. Ent­schei­dend sei die kon­kre­te Funk­ti­on des Daches, so das Finanz­ge­richt. Das Dach die­ne der auf­ge­setz­ten Foto­vol­ta­ik­an­la­ge, die grund­sätz­lich auch an Fas­sa­den oder auf dem Boden ange­bracht wer­den kön­ne, aber ledig­lich als blo­ße Hal­te­rung und damit in voll­kom­men unter­ge­ord­ne­ter Funk­ti­on. Die Dach­kon­struk­ti­on gehö­re zum pri­va­ten Gebäu­de und nicht zur betrieb­li­chen Foto­vol­ta­ik­an­la­ge. Die auf­ge­setz­te Foto­vol­ta­ik­an­la­ge sei durch die Instal­la­ti­on auch kein wesent­li­cher Bestand­teil des Gebäu­des gewor­den und bil­de mit die­sem auch kei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit. Als sog. Betriebs­vor­rich­tung sei die Foto­vol­ta­ik­an­la­ge als ein eigen­stän­di­ges beweg­li­ches Wirt­schafts­gut ertrag­steu­er­lich getrennt vom Gebäu­de zu behan­deln. Zudem sei durch die Dach­er­neue­rung das Pri­vat­haus im Wert gestei­gert und die Nut­zungs­dau­er des Daches um wei­te­re 50 Jah­re ver­län­gert wor­den, was auf eine ganz erheb­li­che pri­va­te Mit­ver­an­las­sung hin­deu­te. Auch wenn die Foto­vol­ta­ik­an­la­ge aus recht­li­chen Grün­den nicht auf eine asbest­hal­ti­ge Dach­ein­de­ckung auf­ge­setzt wer­den dür­fe, die­ne auch das neue Dach so gut wie aus­schließ­lich dem pri­va­ten Zweck des Wit­te­rungs­schut­zes und der sog. Nutz­bar­ma­chung des gesam­ten Pri­vat­ge­bäu­des. Die blo­ße räum­li­che Nähe des Daches zur Foto­vol­ta­ik­an­la­ge sei für die Zurech­nung zu dem betrieb­li­chen Bereich nicht aus­rei­chend, zumal bei der Instal­la­ti­on der Foto­vol­ta­ik­an­la­ge Spe­zi­al­dach­trä­ger­zie­gel für die Befes­ti­gung der Foto­vol­ta­ik­an­la­ge im Wert von 1.500 EUR € wor­den sei­en, was das Finanz­amt bereits steu­er­lich zu Guns­ten des Klä­gers berück­sich­tigt habe.

Hes­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 20. Janu­ar 2010 – 11 K 2735/​08