Frei­wil­lier Wehr­dienst – Grund­aus­bil­dung und Kin­der­geld

Die drei­mo­na­ti­ge Grund­aus­bil­dung im Rah­men eines frei­wil­li­gen Wehr­diens­tes stellt kin­der­geld­recht­lich eine Berufs­aus­bil­dung dar.

Frei­wil­lier Wehr­dienst – Grund­aus­bil­dung und Kin­der­geld

Die Ableis­tung des frei­wil­li­gen Wehr­diens­tes führt zwar nicht zur kin­der­geld­recht­li­chen Berück­sich­ti­gung des Kin­des nach § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG, da der frei­wil­li­gen Wehr­dienst nicht unter die dort abschlie­ßend auf­ge­zähl­ten Diens­te fällt 1. Aller­dings war die Kin­der­geld­kas­se ver­pflich­tet, Kin­der­geld auf­grund des Vor­lie­gens der Vor­aus­set­zun­gen des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG zu gewäh­ren, da sich der Sohn für den Zeit­raum der drei­mo­na­ti­gen Grund­aus­bil­dung in einer Berufs­aus­bil­dung befun­den hat.

Die Berück­sich­ti­gung eines Kin­des nach § 32 Abs. 6 EStG, das, wie der Sohn des Klä­gers im Streit­jahr 2012, das 18., aber noch nicht das 25. Lebens­jahr voll­endet hat, kommt nach § 32 Abs. 4 Satz 1 EStG neben wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen u.a. in Betracht, wenn es für einen Beruf aus­ge­bil­det wird (§ 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG).

In Berufs­aus­bil­dung i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG befin­det sich, wer sein Berufs­ziel noch nicht erreicht hat, sich aber ernst­haft und nach­hal­tig dar­auf vor­be­rei­tet. Die­ser Vor­be­rei­tung die­nen alle Maß­nah­men, bei denen Kennt­nis­se, Fähig­kei­ten und Erfah­run­gen erwor­ben wer­den, die als Grund­la­ge für die Aus­übung des ange­streb­ten Berufs geeig­net sind 2, und zwar unab­hän­gig davon, ob die Aus­bil­dungs­maß­nah­men in einer Aus­bil­dungs­ord­nung oder Stu­di­en­ord­nung vor­ge­schrie­ben sind 3. Bei dem Begriff der Berufs­aus­bil­dung han­delt es sich um einen eigen­stän­di­gen Begriff, der grund­sätz­lich weit aus­zu­le­gen ist 4. Dem­entspre­chend hat der BFH sowohl die Aus­bil­dung eines Sol­da­ten auf Zeit zum Offi­zier im Trup­pen­dienst als auch die Aus­bil­dung eines Sol­da­ten auf Zeit zum Fach­un­ter­of­fi­zier dann als Aus­bil­dung i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG ange­se­hen, wenn der Sol­dat tat­säch­lich eine Aus­bil­dung erhält und nicht ledig­lich im Mann­schafts­dienst­grad Dienst leis­tet 5. Mit­hin ist auch bei einem Sol­da­ten auf Zeit nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen ent­schei­dend dar­auf abzu­stel­len, ob der Aus­bil­dungs­cha­rak­ter im Vor­der­grund der Tätig­keit steht 6. Dabei steht die Ver­pflich­tung als Sol­dat auf Zeit der Annah­me eines Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­ses jeden­falls zu Beginn der Ver­pflich­tungs­zeit nicht ent­ge­gen 7.

Nach den vor­ge­nann­ten Grund­sät­zen geht das Finanz­ge­richt Müns­ter davon aus, dass sich der Sohn des Klä­gers in der Zeit von Janu­ar 2012 bis März 2012 in einer Berufs­aus­bil­dung im Sin­ne des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG befun­den hat. Mit der drei­mo­na­ti­gen Grund­aus­bil­dung durch­lief der Sohn des Klä­gers sol­che Aus­bil­dungs­ab­schnit­te, die für sei­ne spä­te­re Ver­wen­dung bei der Hee­res­flie­ger­waf­fen­schu­le auch bei sei­ner Tätig­keit im Mann­schafts­dienst­grad erfor­der­lich waren. Denn die all­ge­mei­ne Grund­aus­bil­dung war Vor­aus­set­zung für sei­ne spä­te­re dienst­li­che Ver­wen­dung als Sol­dat auf Zeit im Mann­schafts­dienst­grad und wur­de auf sei­ne vier­jäh­ri­ge Dienst­zeit ange­rech­net. Der Abschnitt der Grund­aus­bil­dung war auch von Beginn an für den Sohn des Klä­gers zwin­gend fest­ge­legt. Bestand­tei­le die­ser Grund­aus­bil­dung waren die Ver­mitt­lung von Kennt­nis­sen in den Berei­chen Rech­te und Pflich­ten eines Sol­da­ten, poli­ti­sche Bil­dung, Gefechts­dienst, Waf­fen- und Schieß­aus­bil­dung sowie Sani­täts- und Wach­aus­bil­dung 8. Auch die Ver­mitt­lung die­ser Grund­la­gen gehört zu den Maß­nah­men, bei denen Kennt­nis­se, Fähig­kei­ten und Erfah­run­gen erwor­ben wer­den, die als Grund­la­ge für die Aus­übung eines bei der Bun­des­wehr ange­streb­ten Berufs, und sei es der Beruf des Sol­da­ten auf Zeit, geeig­net sind.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 13. Novem­ber 2014 – 11 K 2284/​13 Kg

  1. vgl. zuletzt BFH, Urteil vom 03.07.2014 – III R 53/​13, mit wei­te­ren Aus­füh­run­gen zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lung[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urteil vom 17.06.2010 – III R 49/​09, BFH/​NV 2010, 2244[]
  3. BFH, Urtei­le vom 18.03.2009 – III R 26/​06, BFHE 225, 331, BSt­Bl II 2010, 296; vom 09.06.1999 – VI R 33/​98, BFHE 189, 88, BSt­Bl II 1999, 701[]
  4. BFH, Urteil vom 02.04.2009 – III R 85/​08, BFHE 224, 546, BSt­Bl II 2010, 298[]
  5. BFH, Urtei­le in BFHE 199, 111, BSt­Bl II 2002, 523, und in BFHE 203, 417, BSt­Bl II 2007, 247[]
  6. BFH, Urteil in BFH/​NV 2010, 28[]
  7. BFH, Urteil in BFHE 203, 417, BSt­Bl II 2007, 247[]
  8. vgl. Brock­haus, Die Enzy­klo­pä­die in 30 Bän­den, 21. Aufl., Stich­wort "Grund­aus­bil­dung"[]