Frei­wil­li­gen­dienst – und das Kin­der­geld

Ein Anspruch auf (Wei­ter­ge­wäh­rung von) Kin­der­geld bei der Ableis­tung eines Frei­wil­li­gen­dienst besteht nur bei aner­kann­ten Diens­ten. Im Übri­gen muss das Kin­der­geld wäh­rend der Ableis­tung eines Frei­wil­li­gen­diens­tes auch nicht des­we­gen gewährt wer­den, weil sich das Kind in Berufs­aus­bil­dung befin­det; ein Frei­wil­li­gen­dienst ist kei­ne Berufs­aus­bil­dung.

Frei­wil­li­gen­dienst – und das Kin­der­geld

Im vor­lie­gen­den Fall leis­te­te das voll­jäh­ri­ge Kind nach dem Abitur einen Frei­wil­li­gen­dienst in einem Kin­der­heim "X" in Süd­afri­ka ab, der durch einen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ansäs­si­gen gemein­nüt­zi­gen Ver­ein X‑Deutschland e.V. ver­mit­telt wor­den war. Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te die Ver­sa­gung des Kin­der­gel­des:

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) kön­nen Kin­der nach § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG wegen der Teil­nah­me an einem Frei­wil­li­gen­dienst nur berück­sich­tigt wer­den, wenn es sich hier­bei um die kon­kret im Gesetz direkt umschrie­be­nen Diens­te han­delt 1. Die­se Vor­aus­set­zung liegt hier nicht vor. Es ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­ten, das Exis­tenz­mi­ni­mum eines Kin­des, dass einen Frei­wil­li­gen­dienst leis­tet, bei den Eltern von der Ein­kom­men­steu­er frei­zu­stel­len. Dabei liegt es im Rah­men des Gestal­tungs­spiel­raums des Gesetz­ge­bers, nur aner­kann­te, bestimm­ten gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen genü­gen­de Diens­te zu för­dern, bei denen durch die päd­ago­gi­sche Beglei­tung die mit der För­de­rung ver­folg­ten Zie­le gewähr­leis­tet wer­den 2.

Soweit die Klä­ge­rin vor­trägt, dass in ähn­lich gela­ger­ten Fäl­len, in denen Per­so­nen einen frei­wil­li­gen Dienst bei X‑Deutschland e.V. geleis­tet hät­ten, Kin­der­geld gezahlt wor­den sei, liegt hier­in kein Ver­stoß gegen den Gleich­heits­satz aus Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes (GG). Denn die Ver­wal­tung und Gerich­te sind selbst dann nicht befugt, ein Gesetz all­ge­mein oder im Ein­zel­fall zu sus­pen­die­ren, wenn eine Norm in zahl­rei­chen Fäl­len nicht befolgt wird. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH kann aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG kein Anspruch auf Aus­deh­nung einer gesetz­wid­ri­gen Ver­wal­tungs­pra­xis ent­nom­men wer­den (kei­ne Gleich­heit im Geset­zes­bruch 3).

Frei­wil­li­gen­diens­te sind grund­sätz­lich auch kei­ne Berufs­aus­bil­dung. Sie die­nen in der Regel nicht der Vor­be­rei­tung auf einen kon­kret ange­streb­ten Beruf, son­dern der Erlan­gung sozia­ler Erfah­run­gen und der Stär­kung des Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­seins für das Gemein­wohl 4. Auch wenn eine abwei­chen­de Beur­tei­lung nicht aus­ge­schlos­sen ist 5, ist die Fra­ge, ob ein Zusam­men­hang zwi­schen dem Frei­wil­li­gen­dienst und dem ange­streb­ten Beruf besteht, eine Fra­ge der tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung des Finanz­ge­richt, die revi­si­ons­recht­lich bin­dend ist, soweit sie ver­fah­rens­recht­lich ein­wand­frei zustan­de gekom­men ist und nicht durch Denk­feh­ler oder durch die Ver­let­zung von Erfah­rungs­sät­zen beein­flusst ist 6. Anhalts­punk­te, war­um das Urteil des Finanz­ge­richt inso­weit bean­stan­det wer­den könn­te, sind weder dar­ge­legt noch ersicht­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. Juni 2014 – III B 19/​14

  1. BFH, Urtei­le vom 18.03.2009 – III R 33/​07, BFHE 224, 508, BSt­Bl II 2009, 1010; vom 24.05.2012 – III R 68/​11, BFHE 238, 394, BSt­Bl II 2013, 864[]
  2. BFH, Urtei­le vom 07.04.2011 – III R 11/​09, BFH/​NV 2011, 1325; in BFHE 224, 508, BSt­Bl II 2009, 1010[]
  3. BFH, Urteil vom 20.06.1989 – VIII R 82/​86, BFHE 156, 543, BSt­Bl II 1989, 836, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 13.02.2007 – II B 32/​06, BFH/​NV 2007, 966[]
  4. BFH, Urteil in BFH/​NV 2011, 1325[]
  5. vgl. BFH, Urteil vom 09.02.2012 – III R 78/​09, BFH/​NV 2012, 940[]
  6. BFH, Urteil vom 26.01.2005 – VI R 71/​03, BFHE 208, 572, BSt­Bl II 2005, 349[]