Geschäfts­an­teils­ver­äu­ße­rung zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen

Nach § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG gehört zu den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb auch der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung von Antei­len an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft.

Geschäfts­an­teils­ver­äu­ße­rung zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen

Ver­äu­ße­rung ist die Über­tra­gung von Antei­len gegen Ent­gelt [1]. Der Erwer­ber muss grund­sätz­lich eine Gegen­leis­tung erbrin­gen. Eine Ver­äu­ße­rung kann aller­dings auch vor­lie­gen, wenn ein Ent­gelt nicht oder ledig­lich in sym­bo­li­scher Höhe von z.B. 1 EUR ver­ein­bart und geleis­tet wird. Das ist der Fall, wenn der über­tra­ge­ne Anteil sowohl in den Augen der Ver­trags­par­tei­en als auch objek­tiv wert­los ist [2].

Ob in einem sol­chen Fall eine Ver­äu­ße­rung (ohne Ent­gelt) oder eine Schen­kung (ohne Berei­che­rung) vor­liegt, rich­tet sich nach dem Gesamt­bild der objek­ti­ven Umstän­de sowie dem Wil­len und den Vor­stel­lun­gen der Par­tei­en [3]. Bei der Über­tra­gung eines wert­lo­sen GmbH-Anteils ohne Ent­gelt zwi­schen frem­den Drit­ten ist in der Regel eine Ver­äu­ße­rung anzu­neh­men [4]. Die­se Ver­mu­tung hat jedoch kei­ne Grund­la­ge für Ver­trä­ge zwi­schen ein­an­der nahe­ste­hen­den Per­so­nen, denn bei ihnen kann nicht unter­stellt wer­den, dass sie Leis­tung und Gegen­leis­tung im Regel­fall nach kauf­män­ni­schen Gesichts­punk­ten aus­ge­han­delt haben.

Haben ein­an­der nahe­ste­hen­de Per­so­nen für die Über­tra­gung eines Anteils kei­nen oder ledig­lich einen sym­bo­li­schen Kauf­preis ver­ein­bart, kann eine Ver­äu­ße­rung (ohne Gegen­leis­tung) nur ange­nom­men wer­den, wenn fest­steht, dass der über­tra­ge­ne Anteil sowohl in den Augen der Ver­trags­par­tei­en als auch objek­tiv wert­los ist. Dies erfor­dert im Regel­fall eine Bewer­tung des Anteils.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist die Fest­stel­lung der Wert­lo­sig­keit eines Anteils eine Schluss­fol­ge­rung aus Tat­sa­chen, die allein dem Finanz­ge­richt als Tat­sa­chen­in­stanz obliegt [5]. In die­sem Zusam­men­hang hat der Bun­des­fi­nanz­hof bis­lang kei­ne recht­li­chen Vor­ga­ben dazu gemacht, wel­che Tat­sa­chen das Finanz­ge­richt gege­be­nen­falls fest­stel­len muss, wel­che Schlüs­se es dar­aus zie­hen darf [6] und nach wel­cher Metho­de der Wert eines Anteils zu bestim­men ist. Ent­schei­dend kommt es viel­mehr auf die Umstän­de des Ein­zel­falls an [5].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. April 2014 – IX R 4/​13

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung vgl. nur BFH, Urteil vom 01.08.1996 – VIII R 4/​92, BFH/​NV 1997, 215, und BFH, Urteil vom 07.07.2011 – IX R 2/​10, BFHE 234, 199, BStBl II 2012, 20[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung BFH, Urtei­le vom 05.03.1991 – VIII R 163/​86, BFHE 164, 50, BStBl II 1991, 630; vom 18.08.1992 – VIII R 13/​90, BFHE 169, 90, BStBl II 1993, 34; vom 18.08.1992 – VIII R 90/​89, BFH/​NV 1993, 158; vom 06.04.2011 – IX R 61/​10, BFHE 233, 446, BStBl II 2012, 8[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 164, 50, BStBl II 1991, 630; BFH, Beschluss vom 04.08.2008 – IX B 85/​08[]
  4. BFH, Urtei­le in BFHE 169, 90, BStBl II 1993, 34; in BFH/​NV 1997, 215[]
  5. BFH, Urteil in BFH/​NV 1997, 215[][]
  6. BFH, Beschluss vom 30.11.1994 – VIII B 28/​94, BFH/​NV 1995, 386[]