Gewinn­fest­stel­lung für ein Ver­lust­jahr – und der Streit­wert

Nach § 52 Abs. 1 GKG ist in Ver­fah­ren vor den Finanz­ge­rich­ten der Streit­wert nach der sich aus dem Antrag des Klä­gers für ihn erge­ben­den Bedeu­tung der Sache nach Ermes­sen zu bestim­men. Betrifft der Antrag des Klä­gers eine bezif­fer­te Geld­leis­tung oder einen hier­auf gerich­te­ten Ver­wal­tungs­akt, ist deren Höhe maß­ge­bend (§ 52 Abs. 3 GKG).

Gewinn­fest­stel­lung für ein Ver­lust­jahr – und der Streit­wert

Bei Ver­fah­ren wegen einer geson­der­ten und ein­heit­li­chen Gewinn­fest­stel­lung bemisst der BFH in stän­di­ger Recht­spre­chung den Streit­wert nach der typi­sier­ten ein­kom­men­steu­er­li­chen Bedeu­tung für die Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten. Die­se ist grund­sätz­lich ‑im Sin­ne einer Ver­ein­fa­chungs­re­ge­lung- mit 25 % des strei­ti­gen Gewinns oder Ver­lusts zu bemes­sen. Aus­nahms­wei­se kommt der Ansatz eines höhe­ren Pro­zent­sat­zes in Betracht, wenn ohne beson­de­re Ermitt­lun­gen im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren erkenn­bar ist, dass der Pau­schal­satz der tat­säch­li­chen ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kung nicht gerecht wird. Daher ist der Satz von 25 % bei höhe­ren Gewinn- bzw. Ver­lust­an­tei­len wegen der infol­ge des pro­gres­si­ven Ein­kom­men­steu­er­ta­rifs zu erwar­ten­den höhe­ren ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kung ange­mes­sen zu erhö­hen 1.

Von der typi­sier­ten Berech­nung ist auch dann aus­zu­ge­hen, wenn die kon­kre­ten ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen vor­ge­tra­gen sind 2. Selbst wenn ein Ver­lust fest­ge­stellt wor­den ist und die­ser sich nach­weis­lich auf die Steu­er­fest­set­zung des Streit­jahrs nicht aus­wirkt, ver­bleibt es bei der typi­sier­ten Streit­wert­be­rech­nung 3. Denn steu­er­li­che Aus­wir­kun­gen von Ver­lus­ten kön­nen unter unter­schied­li­chen Aspek­ten und im Hin­blick auf die Mög­lich­keit des Ver­lus­t­rück­trags bzw. ‑vor­trags auch in ver­schie­de­nen Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men ein­tre­ten. Von den dazu erfor­der­li­chen Ermitt­lun­gen soll das Fest­stel­lungs­ver­fah­ren aber frei­ge­hal­ten wer­den, so dass sie bei der Bemes­sung des Streit­werts erst recht nicht in Betracht kom­men kön­nen 4.

Betrifft die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung gewerb­li­che Ein­künf­te, ist wegen der Mög­lich­keit der Anrech­nung von Gewer­be­steu­er nach § 35 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes bei der Bemes­sung des typi­sier­ten Sat­zes ein ange­mes­se­ner Abschlag zu machen 5. Bei Fest­stel­lung eines Ver­lusts ist eine sol­che Kor­rek­tur des Pau­schal­sat­zes aller­dings im Regel­fall nicht vor­zu­neh­men, weil Bemes­sungs­grund­la­ge für die Anrech­nung der Gewer­be­steu­er­mess­be­trag ist, der im Fall eines Ver­lusts jedoch grund­sätz­lich Null beträgt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. Novem­ber 2015 – IV E 8/​15

  1. vgl. aus jün­ge­rer Zeit etwa BFH, Beschluss vom 31.07.2014 – IV E 2/​14, BFH/​NV 2014, 1766, m.w.N.[]
  2. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 16.12 1998 – IV E 1/​98, BFH/​NV 1999, 807; vom 28.02.2001 – VIII E 5/​00, BFH/​NV 2001, 1035; und vom 29.11.2012 – IV E 7/​12, BFH/​NV 2013, 403[]
  3. BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 1999, 807, und in BFH/​NV 2013, 403[]
  4. BFH, Beschluss in BFH/​NV 1999, 807[]
  5. BFH, Beschluss vom 10.10.2006 – VIII B 177/​05, BFHE 214, 208, BSt­Bl II 2007, 54[]