Gold­ge­schäf­te

Gold­ge­schäf­te stel­len ein steu­er­pflich­ti­ges, pri­va­tes Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft i.S. von § 22 Nr. 2, § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG dar, wenn Ankauf und Ver­kauf inner­halb eines Jah­res erfolgt.

Gold­ge­schäf­te

§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG (a.F.) erfasst Gewin­ne und Ver­lus­te aus der Ver­äu­ße­rung von ande­ren als den in Nr. 1 genann­ten Wirt­schafts­gü­tern, ins­be­son­de­re For­de­run­gen im Pri­vat­ver­mö­gen, wenn der Zeit­raum zwi­schen Anschaf­fung und Ver­äu­ße­rung nicht mehr als ein Jahr beträgt 1.

Das ver­äu­ßer­te Wirt­schafts­gut muss mit dem erwor­be­nen zumin­dest wirt­schaft­lich iden­tisch sein. Zweck des § 23 EStG ist es, inner­halb der genann­ten Frist rea­li­sier­te Wert­erhö­hun­gen eines bestimm­ten Wirt­schafts­gu­tes im Pri­vat­ver­mö­gen der Ein­kom­men­steu­er zu unter­wer­fen 2.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat die Klä­ge­rin im Febru­ar 2002 einen Anspruch auf Lie­fe­rung von 16 000 Gold­un­zen für 4.724.560,48 US-$/5.417.457,65 € erwor­ben und im Mai 2002 16 000 Gold­un­zen an die BANK AG für 5.024.000 US-$/ 5.509.980,26 € ver­kauft (Gut­schrift auf dem Kon­to der Klä­ge­rin 5.024.000 US-$) sowie 16 000 kana­di­sche Gold­mün­zen Map­le Leaf gegen Belas­tung des Kon­tos mit 5,2 Mio. US-$ erhal­ten.

Die Aus­le­gung die­ser Geschäf­te sei­tens des FG dahin, dass die Klä­ge­rin die Gold­mün­zen nicht ledig­lich als Erfül­lung des zunächst erwor­be­nen Anspruchs auf Lie­fe­rung von Gold­un­zen ange­nom­men hat, ist ange­sichts der von der Klä­ge­rin hier­bei zu leis­ten­den Auf­zah­lung mög­lich. Das Finanz­ge­richt konn­te –unter Berück­sich­ti­gung des MKR– ohne Denk­feh­ler oder Wider­sprü­che davon aus­ge­hen, dass Gold­mün­zen ange­schafft wur­den. Gegen­leis­tung der Klä­ge­rin hier­für konn­te –jen­seits der Auf­zah­lung– die Gut­schrift von 5.024.000 US-$ auf dem Kon­to der Klä­ge­rin sein, dies basie­rend auf dem Ver­kauf der Gold­un­zen für den genann­ten Preis in der Wei­se, dass die ver­kauf­ten Unzen zu dem gut­ge­schrie­be­nen Preis von 5.024.000 US-$ ein­ge­tauscht bzw. die Gut­schrift als Ent­gelt­zah­lung der BANK AG in US-$ für die Anschaf­fung der Mün­zen ver­wen­det wur­den. Jeden­falls hat die Klä­ge­rin den im Febru­ar für 4.724.560,48 US-$ erwor­be­nen Lie­fer­an­spruch –wirt­schaft­lich betrach­tet– in Höhe von 5.024.000 US-$ ver­wer­tet.

Dar­aus ergab sich ein pri­va­tes Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft hin­sicht­lich des Lie­fer­an­spruchs der Klä­ge­rin, aus dem die Klä­ge­rin einen Gewinn in Höhe der Dif­fe­renz der Anschaf­fungs­kos­ten für den eige­nen Sach­lie­fe­rungs­an­spruch und des von der BANK AG zu leis­ten­den Prei­ses erziel­te.

Ein pri­va­tes Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft liegt auch vor, wenn man –dem Klä­ger­vor­trag fol­gend– annimmt, die BANK AG habe auf den ursprüng­li­chen Sach­leis­tungs­an­spruch der Klä­ge­rin auf Lie­fe­rung von 16 000 Gold­un­zen gegen Zuzah­lung von 176.000 US-$ nicht 16 000 Unzen Gold, son­dern 16 000 kana­di­sche Gold­mün­zen Map­le Leaf an sie aus­ge­lie­fert. Damit hät­te die Klä­ge­rin mit der BANK AG als Schuld­ner ver­ein­bart, dass der Anspruch auf Gold durch Lie­fe­rung ent­spre­chend ange­setz­ter Mün­zen erfüllt wird. Das FG konn­te vor dem Hin­ter­grund der getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen anneh­men, dass die Mün­zen ange­sichts ihrer Prä­gung gegen­über blo­ßem Gold ein ali­ud dar­stel­len.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. Janu­ar 2012 – IX R 62/​10

  1. dazu nur BFH, Urtei­le in BFHE 232, 337, BSt­Bl II 2011, 491, unter II. 2.; sowie vom 22.04.2008 – IX R 29/​06, BFHE 221, 97, BSt­Bl II 2009, 296; Kube in Kirch­hof, a.a.O., § 23 Rz 7 []
  2. vgl. BFH, Urteil vom 02.05.2000 – IX R 73/​98, BFHE 192, 435, BSt­Bl II 2000, 614[]