Häus­li­ches Arbeits­zim­mer – oder doch nur eine Arbeits­ecke?

Ein steu­er­lich berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ges Arbeits­zim­mer unter­schei­det sich von einer nicht berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Arbeits­ecke durch eine fes­te bau­li­che Abgren­zung gegen die pri­vat genutz­ten Tei­le der Woh­nung.

Häus­li­ches Arbeits­zim­mer – oder doch nur eine Arbeits­ecke?

Nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG sind die Kos­ten für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nur unter ein­schrän­ken­den, wenn auch im Lau­fe der Zeit unter­schied­li­chen, Vor­aus­set­zun­gen als Betriebs­aus­ga­ben abzieh­bar. Stets aller­dings hat der BFH die Aner­ken­nung sol­cher Auf­wen­dun­gen dar­an geknüpft, dass das Arbeits­zim­mer von dem pri­va­ten Wohn­be­reich klar abge­grenzt ist [1]. Mit sei­nem Beschluss in BFHE 251, 408, BStBl II 2016, 265 [2] hat auch der Gro­ße Bun­des­fi­nanz­hof des BFH ver­deut­licht, dass die­se Abgren­zung nicht ledig­lich ange­deu­te­ter oder sym­bo­li­scher Natur sein darf, son­dern sich in fes­ten bau­li­chen Ele­men­ten mani­fes­tie­ren muss, um hin­rei­chend Gewähr für die feh­len­de pri­va­te Mit­nut­zung zu bie­ten.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall waren die­se Anfor­de­run­gen nicht erfüllt: Der Bun­des­fi­nanz­hof kann noch dahin­ste­hen las­sen, ob nicht bereits ein offe­ner Durch­gang in der Brei­te einer dop­pel­flü­ge­li­gen Tür zu dem unzwei­fel­haft auch pri­vat genutz­ten Flur schäd­lich ist, da eine der­ar­ti­ge Raum­öff­nung auch bei ent­spre­chen­dem Bedarf nie­mals abge­schlos­sen wer­den kann und sich inso­fern maß­ge­bend von einer tat­säch­lich vor­han­de­nen Tür unter­schei­det, die offen­ste­hen, aber auch geschlos­sen wer­den kann. Jeden­falls aber bricht die­ser Durch­gang in Ver­bin­dung mit der Glas­ver­klei­dung den Raum in einem sol­chen Maße auf, dass die Tren­nung der pri­va­ten und der gewerb­li­chen Nut­zung nicht mehr zuver­läs­sig gewähr­leis­tet ist. Die Funk­ti­on der Glas­ver­klei­dung beschränkt sich in der Sache ganz nach Art eines Gelän­ders auf einen Schutz gegen Fehl­trit­te zum Trep­pen­auf­gang hin und ist mit ihrer Län­ge mehr dem offe­nen denn dem geschlos­se­nen Teil der betref­fen­den Zim­mer­sei­te zuzu­rech­nen. Nach den Umstän­den hat das Finanz­ge­richt den Flur­be­reich und den Arbeits­be­reich in revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se als einen ein­heit­li­chen Raum gewür­digt [3].

Sind dem­nach der strei­ti­ge Raum und der Flur für Zwe­cke des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG als Ein­heit zu betrach­ten, so kommt die Berück­sich­ti­gung der Kos­ten nicht in Betracht. Ein antei­li­ger Abzug der Kos­ten für der­ar­ti­ge Teil­flä­chen, die kei­ne selb­stän­di­gen Arbeits­zim­mer sind (sog. „Arbeits­ecke“) fin­det nicht statt [4].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. Dezem­ber 2016 – X R 18/​12

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 06.12 1991 – VI R 101/​87, BFHE 166, 285, BStBl II 1992, 304, unter 2.a der Ent­schei­dungs­grün­de; vom 19.05.1995 – VI R 3/​95, BFH/​NV 1995, 880; vom 29.11.2006 – VI R 3/​04, BFHE 216, 163, BStBl II 2007, 308, unter II. 2.a[]
  2. BFH in BFHE 251, 408, BStBl II 2016, 265, Rz 69 zur „Arbeits­ecke“[]
  3. vgl. etwa auch BFH, Urteil in BFHE 166, 285, BStBl II 1992, 304, unter 2.a der Ent­schei­dungs­grün­de, zu einem offe­nen Durch­gang ohne Tür­ab­schluss[]
  4. vgl. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 251, 408, BStBl II 2016, 265, Rz 69[]