Häus­li­ches Arbeits­zim­mer eines Uni­ver­si­täts­pro­fes­sors

Das häus­li­che Arbeits­zim­mer eines Uni­ver­si­täts­pro­fes­sors ist nicht Mit­tel­punkt der beruf­li­chen Tätig­keit.

Häus­li­ches Arbeits­zim­mer eines Uni­ver­si­täts­pro­fes­sors

Aus­zu­ge­hen ist hier­bei von der jüngs­ten Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zum Mit­tel­punkt der beruf­li­chen Tätig­keit bei einem Hoch­schul­leh­rer und die dort ent­wi­ckel­ten Rechts­grund­sät­ze anzu­wen­den 1. Danach rich­tet sich der Mit­tel­punkt der beruf­li­chen Tätig­keit grund­sätz­lich nach dem inhalt­lich qua­li­ta­ti­ven Schwer­punkt. Maß­ge­bend ist danach, ob –unter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­an­schau­ung– das qua­li­ta­tiv für eine bestimm­te steu­er­ba­re Tätig­keit Typi­sche im häus­li­chen Arbeits­zim­mer aus­ge­übt wird. In Anwen­dung die­ser Rechts­grund­sät­ze hat der erken­nen­de Senat ent­schie­den, dass bei einem Hoch­schul­leh­rer das häus­li­che Arbeits­zim­mer nicht der Mit­tel­punkt der beruf­li­chen Tätig­keit ist, weil das Wesens­mä­ßi­ge der Hoch­schul­leh­rer­tä­tig­keit, näm­lich die Leh­re, in der Uni­ver­si­tät statt­fin­den muss. In den Fäl­len, in denen die das Berufs­bild prä­gen­de Tätig­keit außer­halb des häus­li­chen Arbeits­zim­mers statt­fin­det –wie dies etwa auch bei einem Leh­rer oder Rich­ter der Fall ist 2–, bewirkt selbst eine zeit­lich weit über­wie­gen­de Nut­zung des häus­li­chen Arbeits­zim­mers kei­ne Ver­la­ge­rung des Mit­tel­punkts.

Wenn der Klä­ger vor­bringt, dass er sich nicht in sei­nem Arbeits­zim­mer in der Uni­ver­si­tät, son­dern in sei­nem häus­li­chen Arbeits­zim­mer die ent­spre­chen­de Biblio­thek ein­ge­rich­tet habe und dort die Lite­ra­tur vor­hal­te, die er für sei­ne For­schungs­ar­bei­ten und zur Vor­be­rei­tung sei­ner Lehr­tä­tig­keit benö­ti­ge, lässt dies die vor­ge­nann­ten Grund­sät­ze unbe­rührt. Denn auch dann gilt, dass unter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­auf­fas­sung der Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor den qua­li­ta­ti­ven Schwer­punkt sei­ner Tätig­keit an der Uni­ver­si­tät hat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 14. Dezem­ber 2012 – VI B 134/​12

  1. BFH, Urteil vom 27.10.2011 – VI R 71/​10, BFHE 235, 448, BSt­Bl II 2012, 234[]
  2. BFH, Beschluss vom 17.12.2008 – VI B 43/​08, BFH/​NV 2009, 585; BFH, Urteil vom 08.12.2011 – VI R 13/​11, BFHE 236, 92, BSt­Bl II 2012, 236[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 06.07.2010 – 2 BvL 13/​09[]
  4. FG Müns­ter, Be­schluss vom 08.05.2009 – 1 K 2872/​08 E[]