Häus­li­ches Arbeits­zim­mer für Leh­rer

Seit 2007 sind Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nur noch aus­nahms­wei­se abzugs­fä­hig, wenn ein Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieblichen/​beruflichen Betä­ti­gung bil­det. Auf­wen­dun­gen kön­nen des­halb i.d.R. nur noch gel­tend gemacht wer­den, wenn das häus­li­che Arbeits­zim­mer der ein­zi­ge Betä­ti­gungs­ort ist. Ins­be­son­de­re bei Arbeit­neh­mern, die auch am Sitz des Arbeit­ge­bers über einen Arbeits­platz ver­fü­gen, sind die Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer damit seit Anfang 2007 nicht mehr abzugs­fä­hig. Die­se gesetz­li­che Neu­re­ge­lung ist jedoch – wie so eini­ge steu­er­li­che Neu­re­ge­lun­gen – nicht unum­strit­ten. In einem aktu­el­len Ver­fah­ren hat jetzt das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt das zustän­di­ge Finanz­amt ver­pflich­tet, die von einem Leh­rer­ehe­paar bean­trag­ten Frei­be­trä­ge für Auf­wen­dun­gen für ihre häus­li­chen Arbeits­zim­mer im Wege des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes auf den Lohn­steu­er­kar­ten 2009 ein­zu­tra­gen.

Häus­li­ches Arbeits­zim­mer für Leh­rer

In der Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung mel­det das Finanz­ge­richt erheb­li­che Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der ab 2007 gel­ten­den Neu­re­ge­lung an:

Die Kos­ten der häus­li­chen Arbeits­zim­mer sei­en für das Leh­rer­ehe­paar beruf­lich ver­an­lasst. Sie sei­en zur Erwerbs­si­che­rung unver­meid­lich, denn wer als Leh­rer sei­ner Dienst­ver­pflich­tung nicht fol­ge und sei­nen Unter­richt – man­gels ange­mes­se­nen Arbeits­plat­zes in der Schu­le – zu Hau­se nicht vor- und nach­be­rei­te, kön­ne sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit nicht nach­kom­men und dem­ge­mäß auch kei­ne Ein­künf­te erzie­len. Vor allem nach dem aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) ent­wi­ckel­ten Gebot der Aus­rich­tung der Steu­er­last am Prin­zip der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit und dem Gebot der Fol­ge­rich­tig­keit han­de­le es sich um Erwerbs­auf­wen­dun­gen.

Die ab 2007 gel­ten­de Rege­lung begeg­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­feln; dies wer­de auch durch einen erst kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten Vor­la­ge­be­schluss des Finanz­ge­richts Müns­ter an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bestä­tigt [1].

Auch vor dem Hin­ter­grund der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, nach der gesetz­li­che Rege­lun­gen oft­mals zwar für mit dem Grund­ge­setz unver­ein­bar erklärt wer­den, dem Gesetz­ge­ber jedoch Über­gangs­fris­ten zur Geset­zes­än­de­rung ein­ge­räumt wer­den, hält das Finanz­ge­richt die Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes für gebo­ten.

Das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt hat in sei­ner Ent­schei­dung die Beschwer­de zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen, so dass in abseh­ba­rer Zeit hier­zu mit einer Ent­schei­dung des BFH zu rech­nen ist. (Wobei die Frei­be­trä­ge in dem jetzt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren trotz­dem zunächst vom Finanz­amt ein­ge­tra­gen wer­den müs­sen, da die Beschwer­de kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung hat.)

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Beschluss vom 2. Juni 2009 – 7 V 76/​09

  1. FG Müns­ter, Beschl. v. 8.5.2009 – 1 K 2872/​08, Az des BVerfG 2 BvL 13/​09[]