Häus­li­ches Arbeits­zim­mer – und das unge­nutz­te Amts­zim­mer

Ein ande­rer Arbeits­platz steht erst dann zur Ver­fü­gung, wenn der Arbeit­ge­ber dem Arbeit­neh­mer den Arbeits­platz tat­säch­lich zuge­wie­sen hat. Ein Raum ist nicht zur Erle­di­gung büro­mä­ßi­ger Arbei­ten geeig­net, wenn wegen Sanie­rungs­be­darfs Gesund­heits­ge­fahr besteht.

Häus­li­ches Arbeits­zim­mer – und das unge­nutz­te Amts­zim­mer

Gemäß § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG 2010 kann ein Steu­er­pflich­ti­ger Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nicht als Wer­bungs­kos­ten abzie­hen. Dies gilt gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG nicht, wenn für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht. In die­sem Fall ist die Höhe der abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen auf 1.250 EUR begrenzt; aller­dings gilt gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG die Beschrän­kung der Höhe nach nicht, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­det. Gemäß § 52 Abs. 12 Satz 9 EStG gilt die mit dem JStG 2010 geschaf­fe­ne Neu­re­ge­lung für alle offe­nen Fäl­le ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2007.

Ein „ande­rer Arbeits­platz“ im Sin­ne der Abzugs­be­schrän­kung ist grund­sätz­lich jeder Arbeits­platz, der zur Erle­di­gung büro­mä­ßi­ger Arbei­ten geeig­net ist. Wei­te­re Anfor­de­run­gen an sei­ne Beschaf­fen­heit sind grund­sätz­lich nicht zu stel­len. Er steht aber nur dann „für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit … zur Ver­fü­gung“, wenn ihn der Steu­er­pflich­ti­ge in dem kon­kret erfor­der­li­chen Umfang und in der kon­kret erfor­der­li­chen Art und Wei­se tat­säch­lich nut­zen kann [1].

Die Fra­ge, ob ein Steu­er­pflich­ti­ger sei­nen ande­ren Arbeits­platz in dem kon­kret erfor­der­li­chen Umfang und in der kon­kret erfor­der­li­chen Art und Wei­se nut­zen kann, betrifft die Tat­sa­chen­fest­stel­lung. Sie muss von den Finanz­ge­rich­ten anhand der objek­ti­ven Umstän­de des kon­kre­ten Ein­zel­falls beant­wor­tet wer­den.

Mit­hin muss der Arbeit­ge­ber dem Arbeit­neh­mer das Amts­zim­mer tat­säch­lich zur Ver­fü­gung gestellt haben. Zum ande­ren hat der Arbeit­neh­mer bei der Inan­spruch­nah­me und Aus­ge­stal­tung eines „ande­ren Arbeits­plat­zes“ das Direk­ti­ons­recht des Arbeit­ge­bers zu beach­ten. Ein „ande­rer Arbeits­platz“ steht daher i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG erst dann zur Ver­fü­gung, wenn der Arbeit­ge­ber ent­spre­chend ver­fügt hat [2].

Es sind daher Fest­stel­lun­gen zur Beschaf­fen­heit des Amts­zim­mers tref­fen und inso­weit zu klä­ren, ob die­ser Raum tat­säch­lich zur Erle­di­gung büro­mä­ßi­ger Arbei­ten geeig­net ist. Das ist u.a. dann nicht der Fall, wenn, wie der Arbeit­neh­mer gel­tend macht, wegen Gesund­heits­ge­fähr­dung Sanie­rungs­be­darf besteht. Soll­te fest­ge­stellt wer­den, dass dem Arbeit­neh­mer nicht nur das sog. Amts­zim­mer, son­dern ein Zim­mer sei­ner Wahl als „ande­rer Arbeits­platz“ zur Ver­fü­gung stand, wird es auch auf die Beschaf­fen­heit die­ser Räu­me ankom­men.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Febru­ar 2014 – VI R 11/​12

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung des BFH; grund­le­gend BFH, Urteil vom 07.08.2003 – VI R 17/​01, BFHE 203, 130, BStBl II 2004, 78; s. auch BFH, Urteil vom 05.10.2011 – VI R 91/​10, BFHE 235, 372, BStBl II 2012, 127, m.w.N.[]
  2. zur Rechts­la­ge bei selb­stän­dig täti­gen Steu­er­pflich­ti­gen s. BFH, Urteil vom 20.11.2003 – IV R 30/​03, BFHE 204, 176, BStBl II 2004, 775[]