Halb­ab­zugs­ver­bot bei Kapi­tal­ein­künf­ten ver­fas­sungs­ge­mäß?

Das so genann­te Halb­ab­zugs­ver­bot, nach dem Auf­wen­dun­gen, die mit bestimm­ten Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen zusam­men­hän­gen, nur zur Hälf­te als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den kön­nen, ist nach Ansicht des Bun­des­fi­nanzh­fos ver­fas­sungs­ge­mäß.

Halb­ab­zugs­ver­bot bei Kapi­tal­ein­künf­ten ver­fas­sungs­ge­mäß?

Das Urteil betrifft einen Fall, in dem der Klä­ger eine GmbH-Betei­li­gung mit Kre­di­ten finan­ziert hat­te und die dafür ange­fal­le­nen Zin­sen in vol­lem Umfang als Wer­bungs­kos­ten bei der Ermitt­lung sei­ner Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen abzie­hen woll­te. Das Finanz­amt berück­sich­tig­te die Zin­sen nach § 3c Abs. 2 EStG dage­gen nur zur Hälf­te. Der Klä­ger mach­te – gestützt auf gewich­ti­ge Stim­men in der Fach­li­te­ra­tur – gel­tend, das Halb­ab­zugs­ver­bot sei ver­fas­sungs­wid­rig.

Der BFH ist die­sen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken im Ergeb­nis nicht gefolgt.

Aller­dings durch­bre­che das Halb­ab­zugs­ver­bot für lau­fen­de Gewinn­aus­schüt­tun­gen das objek­ti­ve Net­to­prin­zip, nach dem im Inter­es­se der ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Las­ten­gleich­heit (Art. 3 Abs. 1 GG) die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit nach dem Sal­do der Erwerbs­ein­nah­men und Erwerbs­aus­ga­ben zu bemes­sen sei. Gewinn­aus­schüt­tun­gen der GmbH (und ande­rer Kör­per­schaf­ten) sei­en zwar nach § 3 Nr. 40 EStG zur Hälf­te steu­er­frei (so genann­tes Halb­ein­künf­te­ver­fah­ren). Damit wer­de aber ledig­lich die Vor­be­las­tung des Gewinns mit Kör­per­schaft­steu­er auf der Ebe­ne der GmbH berück­sich­tigt, so dass die hälf­ti­ge Steu­er­be­frei­ung beim Gesell­schaf­ter kei­ne Steu­er­vergüns­ti­gung bedeu­te, son­dern nur dazu die­ne, dass die Gesamt­be­las­tung der Aus­schüt­tung in etwa der tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er ent­spre­che. Der nur hälf­ti­ge Abzug der damit zusam­men­hän­gen­den Auf­wen­dun­gen sei nicht fol­ge­rich­tig.

Die­se Durch­bre­chung des Net­to­prin­zips sei jedoch sach­lich gerecht­fer­tigt, weil sich der Gesetz­ge­ber dafür ent­schie­den habe, die Gewin­ne aus dem Ver­kauf von Gesell­schafts­an­tei­len eben­so zur Hälf­te steu­er­frei zu las­sen wie die lau­fen­den Gewinn­aus­schüt­tun­gen. Für Ver­äu­ße­rungs­vor­gän­ge sei es sach­ge­recht, dem nach § 3 Nr. 40 EStG nur zur Hälf­te anzu­set­zen­den Ver­äu­ße­rungs­preis auch nur die Hälf­te der Anschaf­fungs­kos­ten gegen­über­zu­stel­len, weil sonst die mit dem Ver­kauf erziel­ten Wert­stei­ge­run­gen nicht erfasst wer­den könn­ten. Hät­te der Gesetz­ge­ber, um die Durch­bre­chung des Net­to­prin­zips für lau­fen­de Gewinn­aus­schüt­tun­gen zu ver­mei­den, für die damit zusam­men­hän­gen­den Auf­wen­dun­gen den vol­len Abzug zuge­las­sen, so hät­te er den sys­te­ma­ti­schen Gleich­lauf von Gewinn­aus­schüt­tun­gen und Ver­äu­ße­rungs­ge­win­nen im Halb­ein­künf­te­ver­fah­ren auf der Aus­ga­ben­sei­te durch­bro­chen und damit inso­weit gegen das ver­fas­sungs­recht­li­che Gebot der Fol­ge­rich­tig­keit ver­sto­ßen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Juni 2007 – VIII R 69/​05