Hand­wer­k­erleis­tun­gen

Die Auf­wen­dun­gen für Hand­wer­ker­ar­bei­ten kön­nen unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nach § 35a EStG bei der Ein­kom­men­steu­er berück­sich­tigt wer­den. Hier­bei ist Fol­gen­des zu beach­ten:

Hand­wer­k­erleis­tun­gen

Hand­wer­k­erleis­tun­gen

Die Auf­wen­dun­gen für Hand­wer­k­erleis­tun­gen kön­nen unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nach § 35a EStG bei der Ein­kom­men­steu­er berück­sich­tigt wer­den. Die hier­für ein­schlä­gi­ge Bestim­mung des § 35 a Abs. 2 Satz 2 EStG gilt für alle hand­werk­li­chen Tätig­kei­ten für Reno­vie­rungs, Erhal­tungs und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men, die in einem Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen erbracht wer­den, der ent­we­der im Inland oder in einem ande­ren Staat der Euro­päi­schen Uni­on oder des Euro­päi­schen Wirt­schafts­raums gele­gen ist, unab­hän­gig davon, ob es sich um regel­mä­ßig vor­zu­neh­men­de Reno­vie­rungs­ar­bei­ten oder klei­ne Aus­bes­se­rungs­ar­bei­ten han­delt, die gewöhn­lich durch Mit­glie­der des pri­va­ten Haus­halts erle­digt wer­den, oder um Erhal­tungs und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men, die im Regel­fall nur von Fach­kräf­ten durch­ge­führt wer­den. Zu den hand­werk­li­chen Tätig­kei­ten zäh­len u.a.:

  • Arbei­ten an Innen und Außen­wän­den,
  • Arbei­ten am Dach, an der Fas­sa­de, an Gara­gen, o.ä.,
  • Repa­ra­tur oder Aus­tausch von Fens­tern und Türen,
  • Streichen/​Lackieren von Türen, Fens­tern (innen und außen), Wand­schrän­ken, Heiz­kör­pern und ‑roh­ren,
  • Repa­ra­tur oder Aus­tausch von Boden­be­lä­gen (z. B. Tep­pich­bo­den, Par­kett, Flie­sen),
  • Repa­ra­tur, War­tung oder Aus­tausch von Hei­zungs­an­la­gen, Elek­tro, Gas und Was­ser­in­stal­la­tio­nen,
  • Moder­ni­sie­rung oder Aus­tausch der Ein­bau­kü­che,
  • Moder­ni­sie­rung des Bade­zim­mers,
  • Repa­ra­tur und War­tung von Gegen­stän­den im Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen (z.B. Wasch­ma­schi­ne, Geschirr­spü­ler, Herd, Fern­se­her, Per­so­nal­com­pu­ter),
  • Maß­nah­men der Gar­ten­ge­stal­tung,
  • Pflas­ter­ar­bei­ten auf dem Wohn­grund­stück,

und zwar unab­hän­gig davon, ob die Auf­wen­dun­gen für die ein­zel­ne Maß­nah­me Erhal­tungs oder Her­stel­lungs­auf­wand dar­stel­len. Hand­werk­li­che Tätig­kei­ten im Rah­men einer Neu­bau­maß­nah­me sind nicht begüns­tigt.

Auch Kon­troll­auf­wen­dun­gen (z.B. Gebühr für den Schorn­stein­fe­ger oder für die Kon­trol­le von Blitz­schutz­an­la­gen) sind begüns­tigt. Das Glei­che gilt für hand­werk­li­che Leis­tun­gen für Haus­an­schlüs­se (z.B. Kabel für Strom oder Fern­se­hen), soweit die Auf­wen­dun­gen die Zulei­tun­gen zum Haus oder zur Woh­nung betref­fen und nicht im Rah­men einer Neu­bau­maß­nah­me anfal­len; Auf­wen­dun­gen im Zusam­men­hang mit Zulei­tun­gen, die sich auf öffent­li­chen Grund­stü­cken befin­den, sind nicht begüns­tigt.

Das beauf­trag­te Unter­neh­men muss nicht in die Hand­werks­rol­le ein­ge­tra­gen sein; es kön­nen auch Klein­un­ter­neh­mer im Sin­ne des § 19 Abs. 1 Umsatz­steu­er­ge­setz mit der Leis­tung beauf­tragt wer­den.

Anspruchs­be­rech­tig­te

Der Steu­er­pflich­ti­ge kann die Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a EStG grund­sätz­lich nur in Anspruch neh­men, wenn er selbst der Auf­trag­ge­ber ist. Dies gilt auch für einen Heim­be­woh­ner, der im Heim einen eigen­stän­di­gen abge­schlos­se­nen Haus­halt führt (vgl. dazu auch Rdnr. 10).

Für Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaf­ten gilt: Besteht ein Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis zu einer Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft (z.B. bei Rei­ni­gung und Pfle­ge von Gemein­schafts­räu­men) oder ist eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft Auf­trag­ge­ber der haus­halts­na­hen Dienst­leis­tung bzw. der hand­werk­li­chen Leis­tung, kommt für den ein­zel­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer eine Steu­er­ermä­ßi­gung in Betracht, wenn

Dies gilt auch, wenn die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft zur Wahr­neh­mung ihrer Auf­ga­ben und Inter­es­sen einen Ver­wal­ter bestellt hat. In die­sen Fäl­len ist der Nach­weis durch eine Beschei­ni­gung des Ver­wal­ters über den Anteil des jewei­li­gen Woh­nungs­ei­gen­tü­mers zu füh­ren.

Auch der Mie­ter einer Woh­nung kann die Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a EStG bean­spru­chen, wenn die von ihm zu zah­len­den Neben­kos­ten Beträ­ge umfas­sen, die für ein haus­halts­na­hes Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis, für haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen oder für hand­werk­li­che Tätig­kei­ten geschul­det wer­den und sein Anteil an den vom Ver­mie­ter unbar gezahl­ten Auf­wen­dun­gen ent­we­der aus der Jah­res­ab­rech­nung her­vor­geht oder durch eine Beschei­ni­gung des Ver­mie­ters oder sei­nes Ver­wal­ters nach­ge­wie­sen wird.

Begüns­tig­te Auf­wen­dun­gen

1. Kei­ne Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten

Die Steu­er­ermä­ßi­gung für Auf­wen­dun­gen ist aus­ge­schlos­sen, wenn die­se zu den Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten gehö­ren. Gemisch­te Auf­wen­dun­gen (z.B. für eine Rei­ni­gungs­kraft, die auch das beruf­lich genutz­te Arbeits­zim­mer rei­nigt) sind unter Berück­sich­ti­gung des zeit­li­chen Anteils der zu Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten füh­ren­den Tätig­kei­ten an der Gesamt­ar­beits­zeit auf­zu­tei­len.

2. Kei­ne Son­der­aus­ga­ben oder außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen

Eine Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a EStG kommt nur in Betracht, soweit die Auf­wen­dun­gen nicht vor­ran­gig als Son­der­aus­ga­ben (z.B. Erhal­tungs­maß­nah­me nach § 10f EStG) oder als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen (z.B. nach § 33 oder § 33a EStG) berück­sich­tigt wer­den. Für den Teil der Auf­wen­dun­gen, der durch den Ansatz der zumut­ba­ren Belas­tung nach § 33 Abs. 3 EStG nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung berück­sich­tigt wird, kann der Steu­er­pflich­ti­ge die Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a EStG in Anspruch neh­men.

Fal­len Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten unter die Rege­lun­gen der §§ 4f oder 9 Abs. 5 Satz 1 EStG bzw. § 10 Abs. 1 Nr. 5 oder 8 EStG, kommt ein Abzug nach § 35a EStG nicht in Betracht (§ 35a Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 3 EStG). Dies gilt sowohl für den Betrag, der zwei Drit­tel der Auf­wen­dun­gen für Dienst­leis­tun­gen über­steigt, als auch für alle Auf­wen­dun­gen, die den Höchst­be­trag von 4.000 Euro je Kind über­stei­gen.

3. Umfang der begüns­tig­ten Auf­wen­dun­gen

Zu den begüns­tig­ten Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen nach § 35a Abs. 1 EStG gehört der Brut­to­ar­beits­lohn oder das Arbeits­ent­gelt (bei Anwen­dung des Haus­halts­scheck­ver­fah­rens und gering­fü­gi­ger Beschäf­ti­gung im Sin­ne des § 8a SGB IV) sowie die vom Steu­er­pflich­ti­gen getra­ge­nen Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, die Lohn­steu­er ggf. zuzüg­lich Soli­da­ri­täts­zu­schlag und Kir­chen­steu­er, die Umla­gen nach dem Auf­wen­dungs­aus­gleichs­ge­setz (U 1 und U 2) und die Unfall­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, die an den Gemein­de­un­fall­ver­si­che­rungs­ver­band abzu­füh­ren sind. Als Nach­weis dient bei gering­fü­gi­gen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen nach § 35a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG (vgl. dazu auch Rdnr. 2), für die das Haus­halts­scheck­ver­fah­ren Anwen­dung fin­det, die dem Arbeit­ge­ber von der Ein­zug­stel­le (Mini­job­Zen­tra­le) zum Jah­res­en­de erteil­te Beschei­ni­gung nach § 28h Abs. 4 SGB IV. Die­se ent­hält den Zeit­raum, für den Bei­trä­ge zur Ren­ten­ver­si­che­rung gezahlt wur­den, die Höhe des Arbeits­ent­gelts sowie die vom Arbeit­ge­ber getra­ge­nen Gesamt­so­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge und Umla­gen. Zusätz­lich wird in der Beschei­ni­gung die Höhe der ein­be­hal­te­nen Pausch­steu­er bezif­fert. Bei sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen haus­halts­na­hen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen nach § 35a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG, für die das all­ge­mei­ne Bei­trags und Mel­de­ver­fah­ren zur Sozi­al­ver­si­che­rung gilt und bei denen die Lohn­steu­er pau­schal oder nach Maß­ga­be der vor­ge­leg­ten Lohn­steu­er­kar­te erho­ben wird, gel­ten die all­ge­mei­nen Nach­weis­re­geln für die Steu­er­ermä­ßi­gung.

Die Höchst­be­trä­ge nach § 35a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 EStG min­dern sich für jeden vol­len Kalen­der­mo­nat, in dem die Vor­aus­set­zun­gen nach § 35a Abs. 1 Satz 1 EStG nicht vor­ge­le­gen haben, um ein Zwölf­tel.

Nach § 35a Abs. 2 EStG sind nur die Auf­wen­dun­gen für Hand­wer­k­erleis­tun­gen ein­schließ­lich der in Rech­nung gestell­ten Maschi­nen- und Fahrt­kos­ten begüns­tigt. Mate­ri­al­kos­ten oder sons­ti­ge im Zusam­men­hang mit den Hand­wer­k­erleis­tun­gen gelie­fer­te Waren (z.B. Stütz­strümp­fe, Pfle­ge­bett, Flie­sen, Tape­ten, Far­be oder Pflas­ter­stei­ne) blei­ben außer Ansatz. Der Anteil der Arbeits­kos­ten muss grund­sätz­lich in der Rech­nung geson­dert aus­ge­wie­sen sein. Bei War­tungs­ver­trä­gen ist es nicht zu bean­stan­den, wenn der Anteil der Arbeits­kos­ten, der sich auch pau­schal aus einer Misch­kal­ku­la­ti­on erge­ben kann, aus einer Anla­ge zur Rech­nung her­vor­geht. Ein geson­der­ter Aus­weis der auf die Arbeits­kos­ten ent­fal­len­den Mehr­wert­steu­er ist nicht erfor­der­lich.

Bei Woh­nungs­ei­gen­tü­mern und Mie­tern ist erfor­der­lich, dass die auf den ein­zel­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer und Mie­ter ent­fal­len­den Auf­wen­dun­gen für haus­halts­na­he Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se und Dienst­leis­tun­gen sowie für Hand­wer­k­erleis­tun­gen in der Jah­res­ab­rech­nung geson­dert auf­ge­führt oder durch eine Beschei­ni­gung des Ver­wal­ters oder Ver­mie­ters nach­ge­wie­sen sind. Bei wie­der­keh­ren­den Dienst­leis­tun­gen (wie z.B. Rei­ni­gung des Trep­pen­hau­ses, Gar­ten­pfle­ge) sind die in der Jah­res­ab­rech­nung aus­ge­wie­se­nen, für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum geleis­te­ten Vor­aus­zah­lun­gen maß­ge­bend.

Die Höchst­be­trä­ge nach § 35a EStG kön­nen nur haus­halts­be­zo­gen in Anspruch genom­men wer­den (§ 35a Abs. 3 EStG). Sind z.B. zwei in einem Haus­halt leben­de Allein­ste­hen­de Arbeit­ge­ber haus­halts­na­her Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se bzw. Auf­trag­ge­ber haus­halts­na­her Dienst­leis­tun­gen, von Pfle­ge und Betreu­ungs­leis­tun­gen oder von Hand­wer­k­erleis­tun­gen, erfolgt die Auf­tei­lung der Höchst­be­trä­ge grund­sätz­lich nach Maß­ga­be der jewei­li­gen Auf­wen­dun­gen, es sei denn, es wird ein­ver­nehm­lich eine ande­re Auf­tei­lung gewählt.

4. Nach­weis

Der Steu­er­pflich­ti­ge muss die Auf­wen­dun­gen auf Ver­lan­gen des Finanz­am­tes durch Vor­la­ge einer Rech­nung und die Zah­lung auf ein Kon­to des Erbrin­gers der Leis­tung durch einen Beleg des Kre­dit­in­sti­tuts nach­wei­sen (§ 35a Abs. 2 Satz 5 EStG).

Die Zah­lung auf das Kon­to des Erbrin­gers der Leis­tung erfolgt in der Regel durch Über­wei­sung. Beträ­ge, für deren Beglei­chung ein Dau­er­auf­trag ein­ge­rich­tet wor­den ist oder die durch eine Ein­zugs­er­mäch­ti­gung abge­bucht oder im Wege des Online­Ban­kings über­wie­sen wur­den, kön­nen in Ver­bin­dung mit dem Kon­to­aus­zug, der die Abbu­chung aus­weist, aner­kannt wer­den. Dies gilt auch bei Über­ga­be eines Ver­rech­nungs­schecks oder der Teil­nah­me am Elec­tro­nicCash­Ver­fah­ren oder am elek­tro­ni­schen Last­schrift­ver­fah­ren. Bar­zah­lun­gen kön­nen dage­gen nicht aner­kannt wer­den.

Für die Inan­spruch­nah­me der Steu­er­ermä­ßi­gung ist auf den Ver­an­la­gungs­zeit­raum der Zah­lung abzu­stel­len (§ 11 Abs. 2 EStG). Bei regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Aus­ga­ben, die inner­halb eines Zeit­raums von bis zu zehn Tagen nach Been­di­gung bzw. vor Beginn eines Kalen­der­jah­res fäl­lig und geleis­tet wor­den sind, wer­den die Aus­ga­ben dem Kalen­der­jahr zuge­rech­net, zu dem sie wirt­schaft­lich gehö­ren.