Höchst­be­trag für die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung von Hand­wer­k­erleis­tun­gen

Die durch das Wachs­tums­StG gere­gel­te Ver­dop­pe­lung des Höchst­be­trags für Hand­wer­k­erleis­tun­gen ist erst­mals bei Auf­wen­dun­gen anzu­wen­den, die im Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2009 geleis­tet und deren zugrun­de lie­gen­de Leis­tun­gen nach dem 31. Dezem­ber 2008 erbracht wor­den sind.

Höchst­be­trag für die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung von Hand­wer­k­erleis­tun­gen

Nach § 35a Abs. 2 Satz 2 EStG i.d.F. des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2008 [1] ermä­ßigt sich für die Inan­spruch­nah­me von Hand­wer­k­erleis­tun­gen für Renovierungs‑, Erhal­tungs- und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men, die in einem in der Euro­päi­schen Uni­on oder dem Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum lie­gen­den Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen erbracht wer­den, mit Aus­nah­me der nach dem CO²-Gebäu­de­sa­nie­rungs­pro­gramm der KfW För­der­bank geför­der­ten Maß­nah­men, die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er, ver­min­dert um die sons­ti­gen Steu­er­ermä­ßi­gun­gen, auf Antrag um 20 %, höchs­tens 600 €, der Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen. Die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Rege­lung sind, wie das Finanz­ge­richt aus­ge­führt hat, im Streit­fall erfüllt. Die von den Klä­gern begehr­te Steu­er­ermä­ßi­gung beträgt danach 600 €.

Zwar ist der Höchst­be­trag für Hand­wer­k­erleis­tun­gen im Streit­jahr fast zeit­gleich durch zwei Ände­rungs­ge­set­ze ver­dop­pelt wor­den. Die Neu­re­ge­lung kommt jedoch im Streit­fall (noch) nicht zur Anwen­dung. Ins­be­son­de­re recht­fer­tigt Art. 4 Abs. 3 Wachs­tums­StG die Ver­dop­pe­lung nicht.

Gemäß § 35a Abs. 2 Satz 2 EStG i.d.F. des Wachs­tums­StG beträgt der erwähn­te Höchst­be­trag 1.200 € (Art. 1 Nr. 3 des Geset­zes). Eine ent­spre­chen­de Rege­lung fin­det sich in § 35a Abs. 3 EStG i.d.F. des Fami­li­en­leis­tungs­ge­set­zes (Fam­LeistG [2], Art. 1 Nr. 13 des Geset­zes). Der Höchst­be­trag von 1.200 € ist jedoch erst­mals bei Auf­wen­dun­gen anzu­wen­den, die im Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2009 geleis­tet und deren zugrun­de lie­gen­de Leis­tun­gen nach dem 31.12.2008 erbracht wor­den sind. Das bestim­men über­ein­stim­mend sowohl § 52 Abs. 50b Satz 4 EStG i.d.F. des Wachs­tums­StG (Art. 1 Nr. 4 Buchst. b des Geset­zes) als auch § 52 Abs. 50b Satz 5 i.d.F. des Fam­LeistG (Art. 1 Nr. 18 Buchst. f des Geset­zes).

Zwar tritt nach Art. 4 Abs. 3 Wachs­tums­StG die Ver­dop­pe­lung des Höchst­be­trags bereits am Tage nach der Ver­kün­dung in Kraft, also am 30.12.2008. Dar­aus folgt jedoch nicht, dass der erhöh­te Höchst­be­trag auch schon auf vor dem 30.12.2008 erbrach­te Leis­tun­gen anzu­wen­den wäre. Dem steht viel­mehr die erwähn­te Anwen­dungs­re­ge­lung des § 52 Abs. 50b Satz 4 EStG i.d.F. des Wachs­tums­StG ent­ge­gen. Die­se zum 1.01.2009 in Kraft getre­te­ne Rege­lung (Art. 4 Abs. 1 Wachs­tums­StG) stellt inso­weit zwar eine rück­wir­ken­de Rechts­än­de­rung dar, weil hier­durch die –zunächst ein­schrän­kungs­lo­se– Anwen­dung des erhöh­ten För­der­be­trags am Tag nach der Ver­kün­dung des Geset­zes (30.12.2008) zwei Tage spä­ter zusätz­lich davon abhän­gig gemacht wird, dass die Leis­tun­gen im Jahr 2009 erbracht und bezahlt wur­den. Die­se Rück­wir­kung ist indes­sen von Ver­fas­sungs wegen unbe­denk­lich, weil die Klä­ger in der Zeit vom 30.12.2008 bis 31.12.2008 erkenn­bar kei­ne schüt­zens­wer­ten Dis­po­si­tio­nen im Hin­blick auf die durch die frag­li­che Norm erhöh­te Sub­ven­tio­nie­rung getrof­fen haben und sich auch kein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en auf den Bestand der Geset­zes­än­de­rung hat­te bil­den kön­nen.

Auf die Fra­ge, ob es sich, wie die Vor­in­stanz meint, um ein Redak­ti­ons­ver­se­hen des Gesetz­ge­bers bei der Neu­re­ge­lung der Vor­schrift han­delt [3], kommt es danach nicht mehr an.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. Okto­ber 2012 – VI R 65/​10

  1. vom 20.12.2007, BGBl I 2007, 3150, BStBl I 2008, 218[]
  2. vom 22.12.2008, BGBl I 2008, 2955, BStBl I 2009, 136[]
  3. s. auch FG Müns­ter, Beschluss vom 14.12.2009 – 10 V 4132/​09 E, EFG 2010, 485; FG Köln, Urteil vom 11.12.2009 – 5 K 2763/​09, EFG 2010, 800; FG Müns­ter, Urteil vom 15.07.2011 – 14 K 1226/​10 E, EFG 2012, 126; Apitz in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 35a EStG Rz J 08–2; Czisz/​Krane, DStR 2009, 1518; kri­tisch dazu Bar­ein in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 35a Rz 2[]