Kapi­tal­ab­fin­dung aus berufstän­di­scher Ver­sor­gungs­ein­rich­tung als „ande­re Ein­künf­te“

Eine Teil­ka­pi­tal­leis­tung (Kapi­tal­ab­fin­dung) ist als ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­ge „ande­re Leis­tung“ der berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen i.S. von § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG anzu­se­hen.

Kapi­tal­ab­fin­dung aus berufstän­di­scher Ver­sor­gungs­ein­rich­tung als „ande­re Ein­künf­te“

Gemäß § 22 Nr. 1 Satz 1 EStG sind „sons­ti­ge Ein­künf­te“ „Ein­künf­te aus wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen“. Nach § 22 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG gehö­ren zu den in Satz 1 bezeich­ne­ten Ein­künf­ten auch Leib­ren­ten und „ande­re Leis­tun­gen“, die u.a. aus den gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen und den berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen erbracht wer­den, soweit sie der Besteue­rung unter­lie­gen. Bemes­sungs­grund­la­ge für den der Besteue­rung unter­lie­gen­den Anteil ist der Jah­res­be­trag der Ren­te. Die­ser bestimmt sich nach dem Jahr des Ren­ten­be­ginns und dem in die­sem Jahr maß­ge­ben­den Vom­hun­dert­satz (ent­spre­chend der sich aus § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG erge­ben­den Tabel­le).

Der Begriff der ande­ren Leis­tun­gen ist durch das Alters­ein­künf­te­ge­setz vom 5. Juli 2004 [1] in Nr. 1 Satz 3 ein­ge­fügt wor­den. Nach dem ein­deu­ti­gen Wil­len des Gesetz­ge­bers soll­ten von die­sem Tat­be­stands­merk­mal auch Teil­ka­pi­ta­li­sie­run­gen erfasst sein, da die­se ande­ren­falls nicht steu­er­bar wären. Der Begriff der „Leib­ren­ten“ wird um den Begriff „ande­re Leis­tun­gen“ erwei­tert, weil z. B. bei den berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen und Pen­si­ons­kas­sen Teil­ka­pi­ta­li­sie­run­gen zuläs­sig sind, die andern­falls nicht steu­er­bar wären [2]. Die­ser Wil­le des Gesetz­ge­bers hat im Wort­laut des Geset­zes sei­nen Nie­der­schlag gefun­den. Das Gesetz „fin­giert“ die „ande­ren Leis­tun­gen“ als Ein­künf­te im Sin­ne des § 22 EStG, somit als nach § 22 EStG der Steu­er­pflicht unter­lie­gen­de Ein­künf­te. Soweit in der Lite­ra­tur die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird [3], dass vom Geset­zes­wort­laut nur wie­der­keh­ren­de Bezü­ge umfasst sei­en, zu denen Ein­mal­zah­lun­gen nicht bzw. jeden­falls nicht durch die hie­si­ge Geset­zes­de­fi­ni­ti­on dekla­riert wer­den könn­ten (wie auch die Beschrän­kung auf den Begriff eines Jah­res­be­tra­ges der Ren­te in Satz 2 der Rege­lung bestä­ti­ge [4]), folgt das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf dem nicht. Es ist viel­mehr davon aus­zu­ge­hen, dass „ande­re Leis­tun­gen“ i. S. der 2. Alt. der Vor­schrift im Gegen­satz zu Leib­ren­ten lt. der 1. Alt. der Bestim­mung nicht wie­der­keh­rend sein müs­sen, weil es nach der gesetz­ge­be­ri­schen Kon­zep­ti­on auf die äuße­re Form der Zah­lung nicht ankommt [5]. Das gilt auch vor dem Hin­ter­grund der Aus­füh­run­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs mit Urteil vom 28. Juli 2011 [6], nach dem im Zwei­fel man­gels ein­deu­ti­ger gesetz­li­cher Rege­lun­gen bei der Aus­le­gung der Norm dem Wort­laut und dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­wir­ken der Vor­schrif­ten der Vor­zug zu geben ist; der­ar­ti­ge „Zwei­fel“ ver­mag das Fin­nazge­richt Düs­sel­dorf hier ange­sichts des sei­ner Ansicht nach hin­rei­chend ein­deu­ti­gen Wort­lauts der Norm nicht zu beja­hen.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 18. Janu­ar 2012 – 15 K 1556/​11 E

  1. BStBl I 2004, 554[]
  2. vgl. BT-Drucks. 15/​3004 vom 29. April 2004, 19[]
  3. etwa Rist­haus in Herrmann/​Heuer/​Raupach –HHR‑, EStG, § 22 Rdn. 284[]
  4. vgl. . Rist­haus a.a.O.[]
  5. eben­so: Weber-Grel­let in Schmidt, EStG, 30. Aufl., § 22 Rdn. 101; Bau­schatz in Korn, EStG, § 22 Rdn. 94; Fischer in Kirch­hof, EStG, 9. Aufl., § 22 Rdn. 27a[]
  6. BFH, Urteil vom 28.07.2011 – VI R 38/​10, BFH/​NV 2011, 1782[]