Kapi­tal­erträ­ge, Güns­ti­ger­prü­fung – und der kon­klu­dent gestell­te Antrag

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an sei­ner im Urteil vom 28.07.2015 1 geäu­ßer­ten Auf­fas­sung fest, dass eine kon­klu­den­te Antrag­stel­lung gemäß § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG bei nicht fach­kun­dig bera­te­nen Steu­er­pflich­ti­gen, die ‑wie die Anle­ger- die Steu­er­erklä­rung selbst erstel­len, in Betracht kommt.

Kapi­tal­erträ­ge, Güns­ti­ger­prü­fung – und der kon­klu­dent gestell­te Antrag

Aller­dings war im hier ent­schie­de­nen Streit­fall nicht von einem kon­klu­dent gestell­ten Antrag des Anle­gers gemäß § 32d Abs. 2 Nr. 3 Satz 4 EStG aus­zu­ge­hen. Ein sol­cher Antrag ergibt sich nicht allein aus der in der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung bean­trag­ten Güns­ti­ger­prü­fung und der Bei­fü­gung der Steu­er­be­schei­ni­gung der GmbH. Es fehlt vor allem dar­an, dass das Finanz­amt aus den Anga­ben des Anle­gers nicht alle Vor­aus­set­zun­gen zur Betei­li­gungs­hö­he erken­nen konn­te, die für einen Antrag gemäß § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG not­wen­dig wären. Weder war dem Finanz­amt ersicht­lich, ob der Anle­ger an der GmbH zu min­des­tens 25 % betei­ligt war noch ob er zu min­des­tens 1 % betei­ligt und für die GmbH beruf­lich tätig war.

Für eine kon­klu­den­te Antrag­stel­lung müs­sen in der Erklä­rung des Steu­er­pflich­ti­gen jedoch alle tat­säch­li­chen Anga­ben ent­hal­ten sein, die für die mate­ri­ell-recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen eines Antrags oder Abzug­s­tat­be­stands erfor­der­lich sind 2.

Ob für eine kon­klu­den­te Antrag­stel­lung gemäß § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG ‑wie das Finanz­amt meint- neben den Anga­ben zur Betei­li­gungs­hö­he oder beruf­li­chen Tätig­keit für die Gesell­schaft auch ersicht­lich sein muss, dass der Steu­er­pflich­ti­ge sich der fünf­jäh­ri­gen Bin­dung eines sol­chen Antrags unter­wer­fen will, ist im Streit­fall nicht erheb­lich und daher nicht zu ent­schei­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 29. August 2017 – VIII R 33/​15

  1. BFH, Urteil vom 28.07.2015 – VIII R 50/​14, BFHE 250, 413, BSt­Bl II 2015, 894
  2. BFH, Urtei­le vom 30.10.2003 – III R 24/​02, BFHE 204, 10, BSt­Bl II 2004, 394; und vom 18.08.2015 – V R 47/​14, BFHE 251, 287