Kapi­tal­erträ­ge – und der Alters­ent­las­tungs­be­trag

Die Nicht­ein­be­zie­hung der nach § 32d Abs. 1 EStG besteu­er­ten Kapi­tal­erträ­ge in die Bemes­sung des Alters­ent­las­tungs­be­tra­ges ist nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht grund­ge­setz­wid­rig 1.

Kapi­tal­erträ­ge – und der Alters­ent­las­tungs­be­trag

Der Gesetz­ge­ber hat im Bereich des Steu­er­rechts einen weit­rei­chen­den Ent­schei­dungs­spiel­raum, was die Aus­wahl des Steu­er­ge­gen­stan­des und die Bestim­mung des Steu­er­sat­zes betrifft; er muss sei­ne Belas­tungs­ent­schei­dung jedoch fol­ge­rich­tig im Sin­ne einer Belas­tungs­gleich­heit umset­zen 2. Das Finanz­ge­richt hat zutref­fend und aus­führ­lich begrün­det, dass danach ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken weder im Hin­blick auf Art. 14 Abs. 1 GG noch in Bezug auf den Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG bestehen.

Im Übri­gen hat der Steu­er­pflich­ti­ge die Wahl: Die Kapi­tal­erträ­ge i.S. des § 32d Abs. 1 EStG unter­lie­gen dem Steu­er­satz von 25 %; sie erhö­hen zudem auf­grund der Abgel­tungs­wir­kung auch nicht den indi­vi­du­el­len Steu­er­satz 3. Der Alters­ent­las­tungs­be­trag wird dage­gen gewährt, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge sich dafür ent­schei­det, die Kapi­tal­erträ­ge bei den Ein­künf­ten i.S. des § 2 EStG zu erfas­sen und der tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er zu unter­wer­fen (§ 32d Abs. 6 EStG).

Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tigt damit auch die finanz­ge­richt­li­che Recht­spre­chung der Finanz­ge­rich­te Müns­ter 4, Düs­sel­dorf 5, und Mün­chen 6)). Die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Nicht­ge­wäh­rung des Alters­ent­las­tungs­be­tra­ges für Kapi­tal­erträ­ge, die der Abgel­tungs­teu­er unter­le­gen haben, wird auch in der Lite­ra­tur nicht infra­ge gestellt 7. Gegen­tei­li­ge Stim­men in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur sind für den Bun­des­fi­nanz­hof nicht ersicht­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 25. April 2017 – III B 51/​16

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 21.09.2009 – VI B 31/​09, BFHE 226, 329, BSt­Bl II 2011, 382; und vom 14.04.2011 – X B 104/​10, BFH/​NV 2011, 1343, Rz 6; vom 05.12 2016 – X B 91/​16, BFH/​NV 2017, 287[]
  2. Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 29.09.2015 2 BvR 2683/​11, BSt­Bl II 2016, 310, betr. Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Neu­re­ge­lung der Ren­ten­be­steue­rung durch das Alters­ein­künf­te­ge­setz[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 06.08.1997 – VIII B 88/​96, BFH/​NV 1998, 168, betr. Min­de­rung des Alters­ent­las­tungs­be­tra­ges des einen Ehe­gat­ten durch "Ver­tei­lung" des Spa­rer­frei­be­tra­ges bei zusam­men zu ver­an­la­gen­den Ehe­gat­ten[]
  4. FG Müns­ter, Urteil vom 03.12.2015 – 6 K 875/​12 E; vom 28.03.2012 – 11 K 3383/​11 E, EFG 2012, 1464[]
  5. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 13.10.2010 – 15 K 2712/​10 E, EFG 2011, 798[]
  6. FG Mün­chen, Urteil vom 06.06.2014 – 8 K 2051/​12, EFG 2014, 2118, mit zustim­men­der Anmer­kung von Rosen­ke, EFG 2014, 2119[]
  7. z.B. Blümich/​Heuermann/​Fischer, § 24a EStG Rz 15; Ble­schick in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 24a EStG Rz 20; Schmidt/​Wacker, EStG, 36. Aufl., § 24a Rz 6; Mel­ling­hoff in Kirch­hof, EStG, 16. Aufl., § 24a Rz 6; Schnei­der in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 24a Rz 37[]