Kein Dritt­auf­wand bei Ver­mie­tungs­ge­sell­schaft

In einem aktu­ell ent­schie­de­nen Fall des Finanz­ge­richts Köln strit­ten die Betei­lig­ten dar­über, ob Zin­sen aus einem vom Nicht­ei­gen­tü­mer-Ehe­gat­ten auf­ge­nom­me­nen Dar­le­hen bei einer Fest­stel­lungs­ge­mein­schaft als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar sind, an wel­cher der Eigen­tü­mer-Ehe­gat­te hälf­tig betei­ligt ist.

Kein Dritt­auf­wand bei Ver­mie­tungs­ge­sell­schaft

Nach dem Urteil des Finanz­ge­richts Köln sind die vom Nicht­ei­gen­tü­mer-Ehe­gat­ten geschul­de­ten Zin­sen nur inso­weit als Wer­bungs­kos­ten des Eigen­tü­mer-Ehe­gat­ten abzieh­bar, als die auf das Haus­kon­to ein­ge­hen­den Mit­tel (hier: Miet­ein­nah­men) die­se Zins­auf­wen­dun­gen nach vor­ran­gi­ger Til­gung sämt­li­cher lau­fen­den Auf­wen­dun­gen für die Immo­bi­lie tat­säch­lich abde­cken, wenn die Dar­le­hen für die ver­mie­te­te Immo­bi­lie eines Ehe­gat­ten im eige­nen Namen vom Nicht­ei­gen­tü­mer-Ehe­gat­ten auf­ge­nom­men wur­den.

Da die Ein­kom­men­steu­er an die per­sön­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit anknüpft, kann Wer­bungs­kos­ten i.S. von § 9 Abs. 1 EStG grund­sätz­lich nur der­je­ni­ge abzie­hen, der sie selbst getra­gen hat. Trägt ein Drit­ter Kos­ten, die durch die Ein­kunfts­er­zie­lung des Steu­er­pflich­ti­gen ver­an­lasst sind (Dritt­auf­wand), so kön­nen die Auf­wen­dun­gen des Drit­ten im Fal­le der Abkür­zung des Zah­lungs­we­ges als Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen zu wer­ten sein, d.h. wenn der Drit­te für Rech­nung des Steu­er­pflich­ti­gen an des­sen Gläu­bi­ger leis­tet 1.

Bezah­len Ehe­leu­te Auf­wen­dun­gen für eine Immo­bi­lie, die einem von ihnen gehört, "aus einem Topf", d.h. aus Gut­ha­ben, zu denen bei­de Ehe­leu­te bei­getra­gen haben, oder aus Dar­le­hens­mit­teln, die zu Las­ten bei­der Ehe­leu­te auf­ge­nom­men wor­den sind (§ 421 BGB), so sind die­se Auf­wen­dun­gen in vol­lem Umfang als für Rech­nung des Eigen­tü­mers auf­ge­wen­det anzu­se­hen. Gleich­gül­tig ist, aus wes­sen Mit­teln die Zah­lung im Ein­zel­fall stammt. Dies gilt auch für Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen auf die Dar­le­hens­schuld 2.

Die vor­ste­hen­den Rechts­sät­ze des Bun­des­fi­nanz­hofs betref­fen indes­sen aus­drück­lich nur Schuld­zin­sen für ein zu Las­ten bei­der Ehe­leu­te auf­ge­nom­me­nes gesamt­schuld­ne­ri­sches Dar­le­hen. Sie sind nicht auf Schuld­zin­sen für ein Dar­le­hen über­trag­bar, das ein Ehe­gat­te im eige­nen Namen auf­ge­nom­men hat, um damit der Immo­bi­lie des ande­ren Ehe­gat­ten zu finan­zie­ren. Denn dann leis­tet der Nicht­ei­gen­tü­mer-Ehe­gat­te als vor­ran­gi­ger Schuld­ner der Zins­ver­pflich­tung die Zah­lun­gen für eine ihn tref­fen­de Ver­bind­lich­keit. Des­halb sind Zin­sen, die ein Ehe­gat­te für ein von ihm allein auf­ge­nom­me­nes Dar­le­hen zahlt, auch dann kei­ne Wer­bungs­kos­ten des ande­ren Ehe­gat­ten, wenn das Dar­le­hen zur Finan­zie­rung einer ver­mie­te­ten Immo­bi­lie des ande­ren Ehe­gat­ten auf­ge­nom­men und ver­wen­det wor­den ist. Dies gilt selbst dann, wenn – wie im Streit­fall – der Eigen­tü­mer-Ehe­gat­te für das Dar­le­hen eine selbst­schuld­ne­ri­sche Bürg­schaft bzw. eine gesamt­schuld­ne­ri­sche Haf­tung über­nom­men und sei­ne Immo­bi­lie mit Grund­pfand­rech­ten belas­tet hat 3. Nach die­ser Ent­schei­dung ist es auch durch die Annah­me einer "Zuwen­dung im Rah­men einer ehe­li­chen Wirt­schafts­ge­mein­schaft" nicht gerecht­fer­tigt, auch sol­che Schuld­zin­sen in vol­lem Umfang als Wer­bungs­kos­ten des Eigen­tü­mer-Ehe­gat­ten abzu­zie­hen, die sein Ehe­gat­te für von ihm in eige­nem Namen auf­ge­nom­me­ne Dar­le­hen bezahlt hat.

Nur wenn der Eigen­tü­mer-Ehe­gat­te die Zin­sen aus eige­nen Mit­teln bezahlt, bil­den sie bei ihm abzieh­ba­re Wer­bungs­kos­ten, auch wenn der Nicht­ei­gen­tü­mer-Ehe­gat­te Schuld­ner des Dar­le­hens ist (Gedan­ke der selbst getra­ge­nen Kos­ten). Dies ist etwa der Fall, wenn der Eigen­tü­mer-Ehe­gat­te sei­ne Miet­ein­nah­men zur Beglei­chung der vom Nicht­ei­gen­tü­mer-Ehe­gat­ten geschul­de­ten Schuld­zin­sen ver­wen­det. Dafür müs­sen aus den Miet­ein­nah­men des Eigen­tü­mer-Ehe­gat­ten zunächst die lau­fen­den Auf­wen­dun­gen für die Immo­bi­lie und die Schuld­zin­sen für die gemein­schaft­lich auf­ge­nom­me­nen Dar­le­hen abge­deckt wer­den. Nur soweit die ein­ge­setz­ten Eigen­mit­tel (Miet­ein­nah­men) des Eigen­tü­mer-Ehe­gat­ten dar­über hin­aus auch die vom Nicht­ei­gen­tü­mer-Ehe­gat­ten geschul­de­ten Zin­sen abzu­de­cken ver­mö­gen, sind die­se Zin­sen als Wer­bungs­kos­ten des Eigen­tü­mer-Ehe­gat­ten abzieh­bar 4.

Nach die­sen Maß­stä­ben hat der Beklag­te im Streit­fall man­gels zurei­chen­der Ein­nah­men zu Recht nur die von Frau A selbst geschul­de­ten Schuld­zin­sen und Dar­le­hens­ne­ben­kos­ten aus dem von ihr im eige­nen Namen auf­ge­nom­me­nen Dar­le­hen als Son­der­wer­bungs­kos­ten berück­sich­tigt. Die auf das Haus­kon­to bei der D‑Bank ein­ge­hen­den Miet­ein­nah­men reich­ten nicht ein­mal zur Deckung der über die Zins­auf­wen­dun­gen hin­aus­ge­hen­den lau­fen­den Kos­ten aus. Der Nicht­ei­gen­tü­mer-Ehe­gat­te war im Streit­fall viel­mehr gezwun­gen, dass durch die Buchun­gen ins Nega­ti­ve gelau­fe­ne Haus­kon­to durch Zah­lun­gen von rd. 36.000 € im Jahr 2003 und 20.900 € im Jahr 2004 selbst aus­zu­glei­chen, weil die D‑Bank ihr Enga­ge­ment im Hin­blick auf die gerin­ge Boni­tät von Frau A und Frau B sonst been­det hät­te. Damit kann kei­ne Rede davon sein, dass die Gesell­schaf­te­rin­nen A und B wirt­schaft­lich einen wei­te­ren Kre­dit gegen­über der D‑Bank E auf­ge­nom­men hät­ten, um den­je­ni­gen gegen­über der finan­zie­ren­den Bau­spar­kas­se jeweils pünkt­lich til­gen bzw. Zins­zah­lun­gen pünkt­lich leis­ten zu kön­nen. Viel­mehr hat Herr A die Dar­le­hens­zin­sen ent­ge­gen der Ansicht der Klä­ge­rin spä­tes­tens nach dem Aus­gleich des Haus­kon­tos nicht nur recht­lich son­dern auch wirt­schaft­lich getra­gen, auch wenn der Vor­trag der Klä­ge­rin zutref­fen mag, dass Herr A kei­nen Zugriff auf das Haus­kon­to hat­te.

Soweit die Klä­ge­rin vor­trägt, Frau A hät­ten neben den Ein­künf­ten aus ihrer nicht­selb­stän­di­gen Tätig­keit von etwa 10.900 € wei­te­re Ein­künf­te aus der Haus­ver­wal­tung i.H.v. 3.900 € und außer­dem das Kin­der­geld i.H.v. 3.696 € jähr­lich zur Ver­fü­gung gestan­den 5, sind die­se Beträ­ge weder auf das Kon­to der GbR bei der D‑Bank ein­ge­zahlt noch unmit­tel­bar an die Bau­spar­kas­se über­wie­sen wor­den.

Etwas ande­res ergibt sich im Streit­fall schließ­lich auch nicht aus dem nur begrenzt ver­gleich­ba­ren Fall des Bun­des­fi­nanz­hof-Urteils vom 19. August 2008 6. Zwar wer­den nach dem Leit­satz die­ser Ent­schei­dung die Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen des Nicht­ei­gen­tü­mer-Ehe­gat­ten dem Eigen­tü­mer-Ehe­gat­ten in Fäl­len einer gesamt­schuld­ne­ri­schen Haf­tung mit der Fol­ge zuge­rech­net, dass ihm auch der Wert die­ser Leis­tun­gen zufließt. Aller­dings befand sich das Grund­stück in dem die­ser Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den Fall im allei­ni­gen Eigen­tum des Ehe­gat­ten und außer­dem war der Nicht­ei­gen­tü­mer-Ehe­gat­te gleich­zei­tig Grund­stücks­mie­ter; es ging dort in 1. Linie um die Aner­ken­nung eines Miet­ver­hält­nis­ses bei Ehe­gat­ten, bei denen das Gesamt­schuld­ver­hält­nis von der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft über­la­gert wur­de. Im Streit­fall ist hin­ge­gen eine Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft mit einer drit­ten Per­son gege­ben, und der Nicht­ei­gen­tü­mer-Ehe­gat­te hat kein durch ein sol­ches Miet­ver­hält­nis begrün­de­tes eige­nes Inter­es­se an dem Grund­stück.

Die Kos­ten­ent­schei­dung beruht auf § 135 Abs. 1 FGO; soweit der Beklag­te die ange­foch­te­nen Beschei­de im Vor­feld der münd­li­chen Ver­hand­lung antrags­ge­mäß geän­dert hat, hat die Klä­ge­rin die Kos­ten des Ver­fah­rens gemäß § 137 FGO eben­falls zu tra­gen, weil die für die Bescheid­än­de­rung erfor­der­li­chen Unter­la­gen erst im Kla­ge­ver­fah­ren ein­ge­reicht wor­den sind.

Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 24. März 2011 – 10 K 397/​07

  1. BFH, Beschluss vom 23.08.1999 GrS 2/​97, BFHE 189, 160, BSt­Bl II 1999, 782, unter C. IV. 1. c aa[]
  2. BFH, Beschluss in BFHE 189, 160, BSt­Bl II 1999, 782, unter C. I. 1.[]
  3. BFH-Urteil vom 0409.2000 – IX R 22/​97, BFHE 193, 11, BSt­Bl II 2001, 785 m.w.N., bestä­tigt durch BFH-Beschluss vom 21.10.2010 – IX B 61/​10, BFH/​NV 2010, 40[]
  4. BFH-Urteil vom 04.09.2000 – IX R 22/​97, BFHE 193, 11, BSt­Bl II 2001, 785, bestä­tigt durch BFH-Beschluss vom 21.10.2010 – IX B 61/​10, BFH/​NV 2010, 40[]
  5. GA Bl. 120 ff., 149 ff.[]
  6. IX R 78/​07, BFHE 222, 489, BSt­Bl II 2009, 299[]