Kein Kin­der­geld für "Akti­on Süh­ne­zei­chen"

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof jetzt ent­schie­den hat, steht einem Vater für den Zeit­raum, in dem sei­ne Toch­ter einen durch die "Akti­on Süh­ne­zei­chen Frie­dens­diens­te e.V." orga­ni­sier­ten Dienst in Nor­we­gen leis­te­te, kein Kin­der­geld zu, da die­se nicht zum Zivil­dienst ver­pflich­tet ist.

Kein Kin­der­geld für "Akti­on Süh­ne­zei­chen"

Kin­der, die einen frei­wil­li­gen unent­gelt­li­chen Dienst leis­ten, wer­den für das Kin­der­geld berück­sich­tigt, wenn es sich um einen in § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes auf­ge­zähl­ten Frei­wil­li­gen­dienst han­delt. Dazu gehör­ten im strei­ti­gen Zeit­raum 2004/​2005 nur das frei­wil­li­ge sozia­le Jahr im Sin­ne des Geset­zes zur För­de­rung eines frei­wil­li­gen sozia­len Jah­res (FSJG), das frei­wil­li­ge öko­lo­gi­sche Jahr gemäß dem Gesetz zur För­de­rung eines frei­wil­li­gen öko­lo­gi­schen Jah­res (FÖJG), der euro­päi­sche Frei­wil­li­gen­dienst im Rah­men des Beschlus­ses Nr. 1031/​2000/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 13. April 2000 oder ein ande­rer Dienst im Aus­land i.S. von § 14b des Zivil­dienst­ge­set­zes (ZDG).

Die von der "Akti­on Süh­ne­zei­chen Frie­dens­diens­te e.V." orga­ni­sier­ten Diens­te im Aus­land erfüll­ten im strei­ti­gen Zeit­raum 2004/​2005 nicht die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen eines frei­wil­li­gen sozia­len Jah­res i.S. des FSJG, eines frei­wil­li­gen öko­lo­gi­schen Jah­res i.S. des FÖJG oder eines euro­päi­schen Frei­wil­li­gen­diens­tes. Sie konn­ten allen­falls als Dienst im Aus­land i.S. von § 14b ZDG einen Anspruch auf Kin­der­geld für wehr­pflich­ti­ge, den Kriegs­dienst ver­wei­gern­de Kin­der begrün­den, da nach § 14b Abs. 1 ZDG Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer nicht zum Zivil­dienst her­an­ge­zo­gen wer­den, wenn sie unent­gelt­lich einen Dienst im Aus­land leis­ten, der das fried­li­che Zusam­men­le­ben der Völ­ker för­dern will und der von einem nach § 14b Abs. 3 ZDG aner­kann­ten Trä­ger durch­ge­führt wird.

Nach Auf­fas­sung des BFH ver­stößt es nicht gegen Art. 3 des Grund­ge­set­zes, dass für Kin­der, die einen sol­chen Frie­dens­dienst leis­ten, Kin­der­geld nur gewährt wird, wenn sie zum Zivil­dienst ver­pflich­tet sind und den Frie­dens­dienst anstel­le des Zivil­diens­tes absol­vie­ren. Die unter­schied­li­che Behand­lung ist gerecht­fer­tigt, weil ein zum Wehr­dienst her­an­ge­zo­ge­nes Kind, das den Kriegs­dienst ver­wei­gert, zum Zivil­dienst oder an des­sen Stel­le zu einem Frie­dens­dienst im Aus­land ver­pflich­tet ist, wäh­rend Kin­der, die nicht wehr­pflich­tig sind oder trotz Wehr­pflicht nicht zum Wehr­dienst ein­be­ru­fen wer­den, die­sen Dienst frei­wil­lig erbrin­gen.

Kin­der, die einen Frei­wil­li­gen­dienst leis­ten, wer­den steu­er­recht­lich nur berück­sich­tigt, wenn der Dienst die Vor­aus­set­zun­gen des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG in Ver­bin­dung mit der jewei­li­gen Ver­wei­sungs­norm erfüllt. Die Vor­schrift ist nicht ana­log auf ande­re frei­wil­li­ge sozia­le Diens­te anwend­bar.

Diens­te i.S. des § 14b ZDG sind Diens­te im Aus­land, die das fried­li­che Zusam­men­le­ben der Völ­ker för­dern, von einem nach § 14b Abs. 3 ZDG aner­kann­ten Trä­ger durch­ge­führt wer­den und von einem aner­kann­ten Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer unent­gelt­lich anstel­le des Zivil­diens­tes geleis­tet wer­den. Es ver­stößt nicht gegen Art. 3 GG, dass ande­re Kin­der, die einen ver­gleich­ba­ren Frie­dens­dienst im Aus­land erbrin­gen, nicht berück­sich­tigt wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18.03.09 – III R 33/​07