Kein Kin­der­geld fürs Sozi­al­amt

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat jetzt noch­mals sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung [1] bestä­tigt, dass das Kin­der­geld für ein voll­jäh­ri­ges behin­der­tes Kind, das über­wie­gend auf Kos­ten des Sozi­al­leis­tungs­trä­gers in einer Pfle­ge­ein­rich­tung unter­ge­bracht ist, nicht an den Sozi­al­leis­tungs­trä­ger aus­zu­zah­len (abzu­zwei­gen) ist, wenn der Kin­der­geld­be­rech­tig­te zusätz­li­che Auf­wen­dun­gen für das Kind min­des­tens die Höhe des Kin­der­gel­des erbringt.

Kein Kin­der­geld fürs Sozi­al­amt

In dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall gewähr­te der Sozi­al­leis­tungs­trä­ger für die Unter­brin­gung des Kin­des in der Pfle­ge­ein­rich­tung Ein­glie­de­rungs­hil­fe. Die kin­der­geld­be­rech­tig­te Mut­ter wur­de nur zu einem monat­li­chen Kos­ten­bei­trag von 46 € her­an­ge­zo­gen. Außer­dem ent­stan­den ihr Auf­wen­dun­gen für ein Zim­mer, das sie in ihrem Haus für Besu­che ihrer Toch­ter vor­hielt, fer­ner Über­nach­tungs­kos­ten, wenn sie das Kind in der Pfle­ge­ein­rich­tung besuch­te, sowie Kos­ten für gele­gent­li­che Geschenk­pa­ke­te und sons­ti­ge Zuwen­dun­gen.

Kommt der Sozi­al­leis­tungs­trä­ger über­wie­gend für die Kos­ten der Unter­brin­gung des Kin­des in der Pfle­ge­ein­rich­tung auf, kann die Fami­li­en­kas­se das Kin­der­geld ganz oder teil­wei­se an ihn abzwei­gen. Die Ent­schei­dung dar­über steht in ihrem Ermes­sen („kann“). Im Streit­fall lehn­te die Fami­li­en­kas­se den Antrag des Sozi­al­leis­tungs­trä­gers auf Abzwei­gung des Kin­der­gel­des ab. Der Sozi­al­leis­tungs­trä­ger war dage­gen der Auf­fas­sung, ermes­sens­ge­recht sei allein die Ent­schei­dung, das Kin­der­geld (abzüg­lich des Kos­ten­bei­trags der Mut­ter) an ihn abzu­zwei­gen, da er mehr als die Hälf­te der Kos­ten für die Pfle­ge­ein­rich­tung tra­ge. Die frei­wil­li­gen zusätz­li­chen Betreu­ungs­auf­wen­dun­gen der Mut­ter, die nicht der Erfül­lung der gesetz­li­chen Unter­halts­pflicht dien­ten, sei­en bei der Ent­schei­dung über die Abzwei­gung nicht zu berück­sich­ti­gen.

Der BFH ent­schied wie auch zuvor erst­in­stanz­lich bereits das Finanz­ge­richt Ber­lin dage­gen, bei Auf­wen­dun­gen des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten in Höhe des Kin­der­gel­des sei allein die vol­le Aus­zah­lung des Kin­der­gel­des an ihn ermes­sens­ge­recht. Zu berück­sich­ti­gen sei­en nicht nur der Bar­un­ter­halt in Form des Kos­ten­bei­trags, son­dern auch die übri­gen tat­säch­lich für das Kind ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen. Da die­se Auf­wen­dun­gen bis­her nicht bezif­fert wor­den waren, ver­pflich­te­te der BFH die Fami­li­en­kas­se, die tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen der Mut­ter im Ein­zel­nen zu ermit­teln und erneut über den Abzwei­gungs­an­trag des Sozi­al­leis­tungs­trä­gers zu ent­schei­den.

Ent­ste­hen dem Kin­der­geld­be­rech­tig­ten für sein behin­der­tes voll­jäh­ri­ges Kind, das über­wie­gend auf Kos­ten des Sozi­al­leis­tungs­trä­gers voll­sta­tio­när in einer Pfle­ge­ein­rich­tung unter­ge­bracht ist, Auf­wen­dun­gen min­des­tens in Höhe des Kin­der­gel­des, ist das Ermes­sen der Fami­li­en­kas­se, ob und in wel­cher Höhe das Kin­der­geld an den Sozi­al­leis­tungs­trä­ger abzu­zwei­gen ist, ein­ge­schränkt; ermes­sens­ge­recht ist allein die Aus­zah­lung des vol­len Kin­der­gel­des an den Kin­der­geld­be­rech­tig­ten.

Bei der Prü­fung, ob Auf­wen­dun­gen in Höhe des Kin­der­gel­des ent­stan­den sind, dür­fen kei­ne fik­ti­ven Kos­ten für die Betreu­ung des Kin­des, son­dern nur tat­säch­lich ent­stan­de­ne Auf­wen­dun­gen für das Kind berück­sich­tigt wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Febru­ar 2009 – III R 37/​07

  1. Fort­füh­rung von BFH, Urteil vom 23. Febru­ar 2006 – III R 65/​04, BFHE 212, 481, BStBl II 2008, 753[]