Kind mit Kind und Lebens­ge­fähr­ten – und die Fra­ge des eige­nen Kin­der­gel­des

§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG setzt für einen Kin­der­geld­an­spruch der Eltern vor­aus, dass die Ein­künf­te und Bezü­ge der voll­jäh­ri­gen, stu­die­ren­den Toch­ter, die zur Bestrei­tung des Unter­halts oder der Berufs­aus­bil­dung bestimmt oder geeig­net sind, nicht mehr als 7.680 € im Kalen­der­jahr betra­gen haben.

Kind mit Kind und Lebens­ge­fähr­ten – und die Fra­ge des eige­nen Kin­der­gel­des

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits1 ent­schie­den hat, fal­len unter den Begriff der Bezü­ge alle Zuflüs­se in Geld oder Natu­ral­leis­tun­gen, die nicht im Rah­men der ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Ein­künf­teer­mitt­lung erfasst wer­den, also nicht steu­er­ba­re oder steu­er­freie Ein­nah­men. Inso­weit sind auch Unter­halts­leis­tun­gen des ande­ren Eltern­teils eines nicht­ehe­li­chen Kin­des der Toch­ter zu erfas­sen, unab­hän­gig davon, ob sie auf einer tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen Rechts­pflicht nach § 1615l BGB oder auf Frei­wil­lig­keit beru­hen. Eben­so sind auch lau­fen­de oder ein­ma­li­ge Zuwen­dun­gen von drit­ter Sei­te, die den Unter­halts­be­darf des Kin­des decken oder die Berufs­aus­bil­dung sichern und damit die Eltern bei ihren Unter­halts­leis­tun­gen ent­las­ten kön­nen, grund­sätz­lich als Bezü­ge i.S. von § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG zu erfas­sen2.

Aller­dings hat der Bun­des­fi­nanz­hof bei einem Kind, das mit dem mit ihm nicht ver­hei­ra­te­ten Eltern­teil eines gemein­sa­men Kin­des in einem Haus­halt zusam­men lebt, auf den tat­säch­li­chen Zufluss der Unter­halts­leis­tun­gen abge­stellt, sofern das Kind nicht i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 9 EStG auf die Gel­tend­ma­chung sei­nes Unter­halts­an­spruchs ver­zich­tet hat3. Die Ver­ein­fa­chungs­re­gel, wonach bei kin­der­lo­sen, in einem gemein­sa­men Haus­halt leben­den Ehe­gat­ten davon aus­ge­gan­gen wer­den kön­ne, dass dem nicht ver­die­nen­den Ehe­part­ner von einem Allein­ver­die­ner mit einem durch­schnitt­li­chen Net­to­ein­kom­men in etwa die Hälf­te des Net­to­ein­kom­mens in Form von Geld- und Sach­leis­tun­gen als Unter­halt zufließt, hat der Bun­des­fi­nanz­hof auf unver­hei­ra­te­te, in einem gemein­sa­men Haus­halt leben­de Eltern nicht ange­wandt4. Wegen der Gel­tung des Zufluss­prin­zips ist daher in Fäl­len des gemein­sa­men Haus­halts unver­hei­ra­te­ter Eltern im Ein­zel­nen zu ermit­teln, ob und ggf. in wel­chem Umfang gegen­über dem betreu­en­den Eltern­teil im jewei­li­gen Anspruchs­zeit­raum Bar- oder Natu­ral­leis­tun­gen durch den ande­ren Eltern­teil oder durch einen Drit­ten erbracht wur­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Mai 2014 – III R 50/​13

  1. BFH, Urteil in BFHE 241, 255, BSt­Bl – II 2013, 866 []
  2. BFH, Urteil in BFHE 241, 255, BSt­Bl – II 2013, 866, m.w.N. []
  3. s. hier­zu die BFH, Urtei­le in BFHE 241, 255, BSt­Bl – II 2013, 866, m.w.N.; in BFHE 243, 246, BSt­Bl – II 2014, 257, durch die von der Fami­li­en­kas­se ange­führ­ten FG, Ent­schei­dun­gen auf­ge­ho­ben wur­den []
  4. s. im Ein­zel­nen BFH, Urteil in BFHE 241, 255, BSt­Bl – II 2013, 866 []