Kin­der­gar­ten­bei­trä­ge als Son­der­aus­ga­ben – und der Arbeitgeberzuschuss

Als Son­der­aus­ga­ben abzieh­ba­re Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten sind um steu­er­freie Arbeit­ge­ber­zu­schüs­se zu kürzen.

Kin­der­gar­ten­bei­trä­ge als Son­der­aus­ga­ben – und der Arbeitgeberzuschuss

Der Abzug von Son­der­aus­ga­ben setzt Auf­wen­dun­gen vor­aus, durch die der Steu­er­pflich­ti­ge tat­säch­lich und end­gül­tig wirt­schaft­lich belas­tet wird. Der Steu­er­pflich­ti­ge wird durch Bei­trä­ge in dem Umfang nicht belas­tet, die der Arbeit­ge­ber hier­für durch einen zweck­ge­bun­de­nen Zuschuss gewährt. Eine der­ar­ti­ge Anrech­nung der steu­er­frei­en Leis­tun­gen nach § 3 Nr. 33 EStG auf die Son­der­aus­ga­ben nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG steht nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs im Ein­klang mit dem Gesetzeszweck.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall zahl­ten die ver­hei­ra­te­ten Eltern für die Betreu­ung ihrer min­der­jäh­ri­gen Toch­ter einen Kin­der­gar­ten­bei­trag in Höhe von 926 €. Zugleich erhielt der Vater von sei­nem Arbeit­ge­ber einen steu­er­frei­en Kin­der­gar­ten­zu­schuss in Höhe von 600 €. Das Finanz­amt kürz­te die von den Eltern mit ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung in vol­ler Höhe (926 €) gel­tend gemach­ten Son­der­aus­ga­ben um den steu­er­frei­en Arbeitgeberzuschuss. 

Die hier­ge­gen nach erfolg­lo­sem Ein­spruchs­ver­fah­ren erho­be­ne Kla­ge hat das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg abge­wie­sen1. Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te das finanz­ge­richt­li­che Urteil und wies auch die Revi­si­on der Eltern zurück; das Finanz­ge­richt habe die Son­der­aus­ga­ben nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG zu Recht um die steu­er­frei­en Arbeit­ge­ber­leis­tun­gen (§ 3 Nr. 33 EStG) gekürzt:

Nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 EStG kön­nen Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten und damit auch Kin­der­gar­ten­bei­trä­ge unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen als Son­der­aus­ga­ben gel­tend gemacht wer­den. Son­der­aus­ga­ben set­zen nach der gesetz­li­chen Rege­lung aber Auf­wen­dun­gen vor­aus. Der Bun­des­fi­nanz­hof ver­trat die Ansicht, dass als Son­der­aus­ga­ben daher nur sol­che Aus­ga­ben berück­sich­tigt wer­den dür­fen, durch die der Steu­er­pflich­ti­ge tat­säch­lich und end­gül­tig wirt­schaft­lich belas­tet ist. Gewährt der Arbeit­ge­ber einen steu­er­frei­en zweck­ge­bun­de­nen Arbeit­ge­ber­zu­schuss zu den Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten (§ 3 Nr. 33 EStG), wer­de die wirt­schaft­li­che Belas­tung des Steu­er­pflich­ti­gen in die­sem Umfang gemin­dert. Damit wür­den auch unbe­rech­tig­te Dop­pel­be­güns­ti­gun­gen ver­mie­den. Die Kür­zung der Son­der­aus­ga­ben um die steu­er­frei­en Arbeit­ge­ber­leis­tun­gen erfol­ge glei­cher­ma­ßen bei ver­hei­ra­te­ten als auch bei unver­hei­ra­te­ten Elternteilen.

Nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 EStG sind als Son­der­aus­ga­ben 2/​3 der Auf­wen­dun­gen, höchs­tens 4.000 € je Kind für Dienst­leis­tun­gen zur Betreu­ung eines zum Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen gehö­ren­den Kin­des i.S. des § 32 Abs. 1 EStG, wel­ches das 14. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat, abziehbar.

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Aus der Ver­wen­dung des Begriffs „Auf­wen­dun­gen“ und aus dem Zweck des § 10 EStG, bestimm­te, die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen min­dern­de Pri­vat­aus­ga­ben vom Abzugs­ver­bot des § 12 EStG aus­zu­neh­men, folgt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs, dass nur sol­che Aus­ga­ben als Son­der­aus­ga­ben berück­sich­tigt wer­den dür­fen, durch die der Steu­er­pflich­ti­ge tat­säch­lich und end­gül­tig wirt­schaft­lich belas­tet ist2.

Im Streit­fall min­dern die steu­er­frei­en Leis­tun­gen des Arbeit­ge­bers die Auf­wen­dun­gen der Klä­ger für die Kin­der­be­treu­ung und damit die für den Abzug als Son­der­aus­ga­ben not­wen­di­ge wirt­schaft­li­che Belastung.

Grund­sätz­lich ist es zwar ohne Bedeu­tung, woher der Steu­er­pflich­ti­ge die Bei­trä­ge für die Leis­tung von Son­der­aus­ga­ben genom­men hat, ob aus dem Stamm sei­nes Ver­mö­gens, aus lau­fen­den Bezü­gen oder aus ande­ren Mit­teln. Das gilt aber nicht unein­ge­schränkt dann, wenn ihm Zuwen­dun­gen von sei­nem Arbeit­ge­ber gewährt wor­den sind, die den geziel­ten Zweck haben, von dem Arbeit­neh­mer zur Erbrin­gung der dem Grun­de nach zu den Son­der­aus­ga­ben zu rech­nen­den Leis­tun­gen ver­wen­det zu wer­den3. Es macht wirt­schaft­lich kei­nen Unter­schied, ob der Arbeit­ge­ber die Bei­trä­ge für den Arbeit­neh­mer bei­spiels­wei­se an die Betreu­ungs­ein­rich­tung ent­rich­tet, ob er ihm die Bei­trä­ge ersetzt oder ob er ihm vor der Leis­tung zweck­ge­bun­de­ne steu­er­freie Leis­tun­gen gewährt. In allen drei Fäl­len ist das wirt­schaft­li­che Ergeb­nis das glei­che: Der Steu­er­pflich­ti­ge wird durch die Bei­trä­ge in dem Umfang nicht belas­tet, die der Arbeit­ge­ber hier­für durch einen zweck­ge­bun­de­nen Zuschuss gewährt. Im vor­lie­gen­den Fall dien­ten die steu­er­frei­en Leis­tun­gen nach § 3 Nr. 33 EStG genau dem Zweck, die wirt­schaft­li­che Belas­tung durch die Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten zu mindern.

Die Anrech­nung der steu­er­frei­en Leis­tun­gen nach § 3 Nr. 33 EStG auf die Son­der­aus­ga­ben nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG ent­spricht auch dem Geset­zes­zweck. Vor allem der Zusam­men­hang zu dem in § 12 Satz 1 Halb­satz 1 EStG ent­hal­te­nen Abzugs­ver­bot mit Aus­nah­me­vor­be­halt gebie­tet eine beson­ders eng am jewei­li­gen Zweck des Ver­güns­ti­gungs­tat­be­stands aus­ge­rich­te­te Geset­zes­aus­le­gung4.

§ 10 EStG betrifft ‑im Gegen­satz zu § 9 EStG- nicht die Ermitt­lung der durch Ein­satz von Arbeit und/​oder Kapi­tal erwirt­schaf­te­ten Ein­künf­te, son­dern eröff­net aus­nahms­wei­se den Abzug von Aus­ga­ben, die nicht mit der Ein­künf­te­er­zie­lung zusam­men­hän­gen5. Der rechts­sys­te­ma­ti­sche Kern der Rege­lung des § 10 EStG liegt dar­in, dass die die pri­va­te Sphä­re betref­fen­den Auf­wen­dun­gen für den Steu­er­pflich­ti­gen unver­meid­bar sein kön­nen und des­halb die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit min­dern (sog. sub­jek­ti­ves Net­to­prin­zip, vgl. BVerfG, Beschluss vom 19.11.2019 – 2 BvL 22/​14, BVerfGE 152, 274 bis 331, Rz 94). Die Recht­fer­ti­gung für den Abzug von Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten als Son­der­aus­ga­ben ist in der durch eine Beein­träch­ti­gung der Leis­tungs­fä­hig­keit her­vor­ge­ru­fe­nen wirt­schaft­li­chen Belas­tung des Steu­er­pflich­ti­gen zu sehen.
Die­ser Geset­zes­zweck erfor­dert es, Auf­wen­dun­gen vom Son­der­aus­ga­ben­ab­zug aus­zu­schlie­ßen, soweit die­se Auf­wen­dun­gen auf­grund einer zweck­ge­bun­de­nen steu­er­frei­en Leis­tung letzt­lich ersetzt wer­den und damit die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit im Ergeb­nis nicht mindern.

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Dar­über hin­aus geht es bei den nach § 3 Nr. 33 EStG zusätz­lich zum Arbeits­lohn erbrach­ten Leis­tun­gen nicht um Leis­tun­gen, die der frei­en Dis­po­si­ti­on des Emp­fän­gers über­las­sen wer­den. Viel­mehr han­delt es sich um eine zweck­ge­bun­de­ne steu­er­ba­re Leis­tung, die nur dann steu­er­frei belas­sen wird, wenn sie für den im Gesetz benann­ten Zweck „Unter­brin­gung und Betreu­ung von nicht schul­pflich­ti­gen Kin­dern der Arbeit­neh­mer in Kin­der­gär­ten oder ver­gleich­ba­ren Ein­rich­tun­gen“ ver­wen­det wird. Soweit eine steu­er­freie Leis­tung durch den Arbeit­ge­ber nach § 3 Nr. 33 EStG erfolgt, stellt die Zah­lung nach ihrem wirt­schaft­li­chen Gehalt eine den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug min­dern­de Erstat­tung der nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG genann­ten Auf­wen­dun­gen dar, weil die­se nur bei tat­säch­lich geleis­te­ten Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten erfol­gen kann und im Ergeb­nis den Auf­wand des Steu­er­pflich­ti­gen und damit des­sen wirt­schaft­li­che Belas­tung redu­ziert6. Damit wer­den auch unbe­rech­tig­te Dop­pel­be­güns­ti­gun­gen aus­ge­schlos­sen7.

Da der Son­der­aus­ga­ben­ab­zug nach § 10 EStG schon nach sei­nem Geset­zes­wort­laut „Auf­wen­dun­gen“ und damit eine wirt­schaft­li­che Belas­tung vor­aus­setzt, bedarf es auch kei­ner beson­de­ren Rege­lung, wie sie in § 3c EStG oder in § 10 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG vor­ge­se­hen ist. Der Gesetz­ge­ber hat bewusst dar­auf ver­zich­tet, die­ses Abzugs­ver­bot gene­rell auch auf Son­der­aus­ga­ben zu erstre­cken, obwohl der zugrun­de lie­gen­de Rechts­ge­dan­ke, näm­lich einen dop­pel­ten Steu­er­vor­teil zu ver­mei­den, auch bei Son­der­aus­ga­ben gel­ten soll­te8. Er hat viel­mehr über den Begriff der „Auf­wen­dun­gen“ und der damit ver­bun­de­nen wirt­schaft­li­chen Belas­tung die Beschrän­kung des Son­der­aus­ga­ben­ab­zugs selbst gere­gelt, um so letzt­lich auch Dop­pel­be­güns­ti­gun­gen zu vermeiden.

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Soweit daher aus dem Feh­len ver­gleich­ba­rer Vor­schrif­ten der Schluss gezo­gen wird, dass die Ver­wen­dung steu­er­frei­er Ein­nah­men dem Son­der­aus­ga­ben­ab­zug nicht ent­ge­gen­steht, gilt dies jeden­falls dann nicht, wenn die steu­er­frei­en Ein­nah­men gera­de für die den gel­tend gemach­ten Son­der­aus­ga­ben zugrun­de lie­gen­den Aus­ga­ben bestimmt waren9. Auch die Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 27.09.196310 steht dem vor­lie­gen­den Ergeb­nis nicht ent­ge­gen. Der Bun­des­fi­nanz­hofs hat­te dort ent­schie­den, dass Bei­hil­fen, die jemand von drit­ter Sei­te zu gezahl­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen erhält, kei­ne Erstat­tun­gen sind, die zu einer Min­de­rung der anzu Son­der­aus­ga­ben füh­ren. Der der Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­de Fall lag so, dass von drit­ter Sei­te, näm­lich von der Bun­des­ver­si­che­rungs­an­stalt für Ange­stell­te, dem Steu­er­pflich­ti­gen auf­grund der Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung neben der gezahl­ten Ren­te monat­li­che Bei­hil­fen zu sei­nen Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen geleis­tet wur­den. Die­se Bei­hil­fen waren jedoch Ein­künf­te aus Leib­ren­ten. Auch die­se Ren­ten waren gemäß § 22 EStG mit dem Ertrags­an­teil als sons­ti­ge Ein­künf­te den ande­ren Ein­künf­ten hin­zu­zu­rech­nen. Eine Kür­zung der Son­der­aus­ga­ben konn­te nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen allein aus die­sem Grun­de nicht in Betracht kom­men11.

Ent­ge­gen der Ansicht der Eltern ergibt sich auch nicht aus der Geset­zes­be­grün­dung, dass der Gesetz­ge­ber eine Dop­pel­be­güns­ti­gung bei den Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten durch steu­er­freie Leis­tun­gen und den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug beabsichtigte.

§ 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG wur­de durch das Steu­er­ver­ein­fa­chungs­ge­setz (StVer­ein­fG) 2011 vom 01.11.201112 ein­ge­führt. Zugleich wur­de die Vor­gän­ger­re­ge­lung des § 9c EStG (Gel­tung bis 2011) auf­ge­ho­ben. Soweit nach § 9c EStG Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten wie „Wer­bungs­kos­ten„13 bzw. wie „Betriebs­aus­ga­ben“ abge­zo­gen wer­den konn­ten, galt die Vor­schrift des § 3c Abs. 1 EStG, nach der Aus­ga­ben, soweit sie mit steu­er­frei­en Ein­nah­men in unmit­tel­ba­rem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang ste­hen, nicht als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den dür­fen. Zwar gilt § 3c EStG schon sei­nem Wort­laut nach nicht für den Bereich der Son­der­aus­ga­ben14. Die durch das StVer­ein­fG 2011 erfolg­te Neu­re­ge­lung der Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten als Son­der­aus­ga­ben soll­te aber nur der Erwei­te­rung des Krei­ses der Begüns­tig­ten und der Steu­er­ver­ein­fa­chung15 die­nen. Ins­be­son­de­re soll­te nicht mehr zwi­schen erwerbs­be­ding­ten und nicht erwerbs­be­ding­ten Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten unter­schie­den wer­den16. Zu dem Ver­hält­nis des § 3 Nr. 33 und § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG ent­hält die Geset­zes­be­grün­dung kei­ne Aus­füh­run­gen. Dies war nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs auch nicht erfor­der­lich, da Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten ‑wie dar­ge­stellt- nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG nur dann berück­sich­tigt wer­den kön­nen, wenn Auf­wen­dun­gen hier­für vor­lie­gen, die den Steu­er­pflich­ti­gen tat­säch­lich und end­gül­tig wirt­schaft­lich belas­ten. Einer § 3c EStG ver­gleich­ba­ren Rege­lung bedurf­te es nicht.

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Auch aus den von den Eltern ange­führ­ten Begrün­dun­gen zum Ent­wurf des StVer­ein­fG 2013 vom 14.12.201217, wel­ches nicht umge­setzt wur­de, lässt sich nicht im Nach­hin­ein die Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers her­lei­ten, eine Dop­pel­be­güns­ti­gung durch Son­der­aus­ga­ben nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG auf der einen Sei­te und den steu­er­frei­en Arbeit­ge­ber­leis­tun­gen nach § 3 Nr. 33 EStG auf der ande­ren Sei­te gewäh­ren zu wollen.

Soweit der Bun­des­rat in sei­nem Ent­wurf des StVer­ein­fG 2013 eine Ergän­zung des § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG vor­sah, nach dem ein Abzug bei den Son­der­aus­ga­ben nur erfol­gen soll­te, „soweit für das Kind im Kalen­der­jahr kei­ne nach § 3 Nr. 33 EStG steu­er­frei­en Leis­tun­gen erbracht“ wer­den17, kann aus der Weg­las­sung die­ses Sat­zes nicht der Umkehr­schluss gezo­gen wer­den, dass selbst dann eine Anrech­nung nicht zu erfol­gen hat, wenn die Auf­wen­dun­gen teil­wei­se zweck­ent­spre­chend steu­er­frei erstat­tet wer­den. Dies wür­de den Zweck der Rege­lung, die steu­er­li­che För­de­rung nur für „Auf­wen­dun­gen“ vor­zu­se­hen, die den Steu­er­pflich­ti­gen auch belas­ten, außer Betracht las­sen. Auch soweit die Eltern auf die Stel­lung­nah­me der Bun­des­re­gie­rung in der BT-Drs. 18/​3158 vom 12.11.2014, S. 81 hin­wei­sen, in der aus­ge­führt wird, dass „die Steu­er­frei­heit des § 3 Nr. 33 EStG und der Son­der­aus­ga­ben­ab­zug nach § 10 Abs. 1 Num­mer 5 … nicht in einem unmit­tel­ba­ren Sach­zu­sam­men­hang (ste­hen) und … daher nicht zwin­gend einer Ver­ein­heit­li­chung“ bedür­fen, betraf dies das Anlie­gen der Initia­ti­ve eini­ger Bun­des­län­der mit dem zunächst in den Bun­des­rat ein­ge­brach­ten Gesetz­ent­wurf des StVer­ein­fG 2013 die steu­er­frei­en Leis­tun­gen nach § 3 Nr. 33 EStG wie den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug der Höhe (4.000 €) und dem Umfang (2/​3) nach zu begren­zen18. Da dies zu mehr Büro­kra­tie für den Arbeit­ge­ber führ­te, lehn­te die Bun­des­re­gie­rung die­sen Vor­schlag ab. Eine Aus­sa­ge über die Anre­chen­bar­keit von steu­er­frei­en Arbeit­ge­ber­leis­tun­gen auf die gel­tend gemach­ten Son­der­aus­ga­ben ist die­ser Aus­sa­ge nicht zu entnehmen.

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Ent­ge­gen der Ansicht der Eltern führt die Kür­zung der Son­der­aus­ga­ben um die steu­er­frei­en Arbeit­ge­ber­leis­tun­gen auch nicht zu einer Ver­let­zung des Art. 6 GG. Die­se lei­ten die Eltern dar­aus ab, dass es für nicht ver­hei­ra­te­te Eltern ein­fach sei, durch eine wirt­schaft­li­che Zuord­nung der geleis­te­ten Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten die Kür­zung der Son­der­aus­ga­ben zu ver­mei­den, da es bei den steu­er­frei­en Zuschüs­sen des Arbeit­ge­bers (§ 3 Nr. 33 EStG) nach R 3.33 Abs. 1 Satz 2 der Lohn­steu­er-Richt­li­ni­en (LStR) nicht dar­auf ankom­me, wel­cher Eltern­teil die Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten gezahlt habe.

Hier­aus ergibt sich jedoch weder eine Ungleich­be­hand­lung noch eine Ver­let­zung des Art. 6 GG, da Unver­hei­ra­te­te nicht bes­ser­ge­stellt wer­den als Ver­hei­ra­te­te. Soweit in R 3.33 Abs. 1 Satz 2 LStR die Arbeit­ge­ber­leis­tun­gen nach § 3 Nr. 33 EStG auch dann als steu­er­frei ange­se­hen wer­den, wenn der nicht beim Arbeit­ge­ber beschäf­tig­te Eltern­teil die Auf­wen­dun­gen trägt, gilt dies sowohl für ver­hei­ra­te­te als auch für unver­hei­ra­te­te Eltern­tei­le. Aller­dings setzt die Steu­er­frei­heit in bei­den Kon­stel­la­tio­nen vor­aus, dass der Arbeit­ge­ber­zu­schuss zweck­ent­spre­chend ver­wen­det wird (so auch R 3.33 Abs. 4 Satz 2 LStR). Dies ist nur dann der Fall, wenn der Arbeit­ge­ber­zu­schuss tat­säch­lich für die Betreu­ungs­kos­ten ver­wen­det wird. Das setzt auch bei Unver­hei­ra­te­ten vor­aus, dass zwi­schen den Eltern­tei­len ein wie auch immer gear­te­ter Aus­gleich statt­fin­det, damit die zweck­ent­spre­chen­de Ver­wen­dung gewähr­leis­tet ist und die Steu­er­frei­heit in Anspruch genom­men wer­den kann. Steht fest, dass der Arbeit­ge­ber­zu­schuss für die Betreu­ungs­kos­ten zweck­ent­spre­chend ver­wen­det wur­de, dann schließt dies zwangs­läu­fig „Auf­wen­dun­gen“ i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG des zah­len­den (unver­hei­ra­te­ten) Eltern­teils in Höhe des steu­er­frei­en Zuschus­ses und damit den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug aus. Eine Dop­pel­be­güns­ti­gung wird somit sowohl bei unver­hei­ra­te­ten als auch bei ver­hei­ra­te­ten Eltern­tei­len ausgeschlossen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 14. April 2021 – III R 30/​20

  1. FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 06.05.2020 – 1 K 3359/​17[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung des BFH, vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 06.06.2018 – X R 41/​17, BFHE 261, 524, BStBl II 2018, 648, Rz 12; vom 03.08.2016 – X R 35/​15, BFH/​NV 2016, 1704, Rz 14; vom 21.07.2009 – X R 32/​07, BFHE 226, 67, BStBl II 2010, 38, Rz 20; vom 28.05.1998 – X R 7/​96, BFHE 186, 521, BStBl II 1999, 95, unter II. 3.a, m.w.N.; vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.02.1988 – 1 BvR 930/​86, HFR 1989, 271, unter 1.b[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 13.08.1971 – VI R 171/​68, BFHE 103, 350, BStBl II 1972, 57, Rz 11[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 19.04.1989 – X R 2/​84, BFHE 157, 101, BStBl II 1989, 683, Rz 13[]
  5. BFH, Urteil vom 09.02.1994 – IX R 110/​90, BFHE 175, 212, BStBl II 1995, 47, Rz 16[]
  6. vgl. so auch Schmidt/​Levedag, EStG, 40. Aufl., § 3 Rz 114; Schmidt/​Krüger, EStG, 40. Aufl., § 10 Rz 93; a.A. Kulosa in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 10 EStG Rz 148[]
  7. vgl. BFH, Urteil vom 05.07.2012 – III R 80/​09, BFHE 238, 76, BStBl II 2012, 816, Rz 38[]
  8. BFH, Urteil vom 04.03.1977 – VI R 168/​75, BFHE 122, 262, BStBl II 1977, 503, Rz 10[]
  9. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 122, 262, BStBl II 1977, 503; vom 08.12.1978 – VI R 26/​76, BFHE 126, 552, BStBl II 1979, 212; vgl. FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 28.06.1979 – X (VII) 149/​75, EFG 1979, 493[]
  10. BFH, Urteil vom 27.09.1963 – VI 123/​62 U, BFHE 77, 592[]
  11. BFH, Urteil in BFHE 103, 350, BStBl II 1972, 57[]
  12. BGBl I 2011, 2131[]
  13. vgl. BFH, Urteil vom 14.04.2016 – III R 23/​14, BFHE 253, 254, BStBl II 2017, 53, Rz 13 f.[]
  14. vgl. schon BFH, Urteil in BFHE 122, 262 bis 265, BStBl II 1977, 503[]
  15. BT-Drs. 17/​5125 vom 21.03.2011, S.20 f.[]
  16. BT-Drs. 17/​5125 vom 21.03.2011, S. 37[]
  17. BR-Drs. 684/​12[][]
  18. BT-Drs. 18/​3158 vom 12.11.2014, S. 18[]

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