Kin­der­geld für das voll­jäh­ri­ge Kind – und das ernst­haf­te Bemü­hen um einen Aus­bil­dungs­platz

Das Bemü­hen um einen Aus­bil­dungs­platz kann außer durch Mel­dung bei der Aus­bil­dungs­ver­mitt­lung auch durch schrift­li­che Bewer­bun­gen, Absa­gen – auch per eMail – oder detail­lier­te Anga­ben über Tele­fon­ge­sprä­che nach­ge­wie­sen wer­den. Die Anhö­rung des Kin­des kann Lücken der Nach­weis­ket­te schlie­ßen.

Kin­der­geld für das voll­jäh­ri­ge Kind – und das ernst­haf­te Bemü­hen um einen Aus­bil­dungs­platz

Nach § 62 Abs. 1, § 63 Abs. 1 Satz 1 i. V. m. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buch­sta­be c EStG besteht für ein über 18 Jah­re altes Kind, das das 25. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat, Anspruch auf Kin­der­geld, wenn es eine Berufs­aus­bil­dung man­gels Arbeits­plat­zes nicht begin­nen oder fort­set­zen kann. Zweck der Vor­schrift ist die Gleich­stel­lung von Kin­dern, die noch erfolg­los einen Aus­bil­dungs­platz suchen, mit sol­chen Kin­dern, die bereits einen Aus­bil­dungs­platz gefun­den haben, da in typi­sie­ren­der Betrach­tung davon aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass dem Kin­der­geld­be­rech­tig­ten auch in die­sen Fäl­len regel­mä­ßig Unter­hals­auf­wen­dun­gen für das Kind erwach­sen [1].

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung erfor­dert die Berück­sich­ti­gung eines Kin­des gem. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buch­sta­be c EStG, dass sich die­ses ernst­haft um einen Aus­bil­dungs­platz bemüht hat [2].

Das Bemü­hen um einen Aus­bil­dungs­platz ist glaub­haft zu machen. Pau­scha­le Anga­ben, das Kind sei im frag­li­chen Zeit­raum aus­bil­dungs­be­reit gewe­sen und habe sich stän­dig um einen Aus­bil­dungs­platz bemüht oder sei stets beim Arbeits­amt bzw. bei der Agen­tur für Arbeit als aus­bil­dungs­platz­su­chend gemel­det gewe­sen, rei­chen nicht aus. Die Aus­bil­dungs­be­reit­schaft des Kin­des muss sich durch beleg­ba­re Bemü­hun­gen um einen Aus­bil­dungs­platz objek­ti­viert haben [3]. Die Bei­brin­gung der Nach­wei­se für die Aus­bil­dungs­wil­lig­keit des Kin­des und für sein Bemü­hen, einen Aus­bil­dungs­platz zu suchen, obliegt dem Kin­der­geld­be­rech­tig­ten [2]. § 68 Abs. 1 EStG sieht die beson­de­re Mit­wir­kungs­pflicht unter Ein­be­zie­hung des über 18 Jah­re alten Kin­des aus­drück­lich vor. Fer­ner liegt es auch im Ein­fluss­be­reich des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten, Vor­sor­ge für die Nach­wei­se der Aus­bil­dungs­wil­lig­keit des Kin­des zu tref­fen [4].

Das ernst­haf­te Bemü­hen um einen Arbeits­platz kann z. B. durch eine Beschei­ni­gung der Agen­tur für Arbeit, dass das Kind als Bewer­ber für eine beruf­li­che Aus­bil­dungs­stel­le regis­triert ist, nach­ge­wie­sen wer­den. Die­se Mel­dung gilt aus kin­der­geld­recht­li­cher Sicht für drei Mona­te fort; danach muss sich das Kind erneut als Aus­bil­dungs­platz­su­chen­der mel­den, da sonst der Kin­der­geld­an­spruch ab dem Fol­ge­mo­nat ent­fällt.

Das Bemü­hen um einen Aus­bil­dungs­platz kann auch durch Vor­la­ge von Such­an­zei­gen in der Zei­tung, direk­te schrift­li­che Bewer­bun­gen an Aus­bil­dungs­stät­ten und ggf. dar­auf erhal­te­ne Zwi­schen­nach­rich­ten oder Absa­gen glaub­haft gemacht wer­den. Das glei­che gilt für Bewer­bun­gen oder Absa­gen durch E‑Mails; ggf. ist auch das Kind zu hören [5].

Das Kin­der­geld ent­steht monat­lich und des­halb müs­sen die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen in jedem Monat gege­ben sein. Zwar ist es nicht erfor­der­lich, dass zwin­gend für jeden Monat erneu­te Nach­wei­se vor­ge­bracht wer­den, weil das Kind wäh­rend einer bestimm­ten Zeit­span­ne die Ant­wor­ten auf sei­ne Bewer­bun­gen abwar­ten darf [6]. Jedoch muss ein kon­ti­nu­ier­li­ches Bestre­ben um den Erhalt eines Arbeits­plat­zes erkenn­bar sein.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 17. Juli 2014 – 6 K 204/​12

  1. BFH, Urteil vom 19.06.2008 – III R 66/​05, BFHE 222, 343; BStBl II 2009, 1005 m. w. N.[]
  2. BFH a. a. O.[][]
  3. BFH, Beschluss vom 24.01.2008, – III B 33/​07, BFH/​NV 2008 786 m. w. N.[]
  4. vgl. FG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 17.07.2007, 10 K 10024/​05 B; juris[]
  5. grund­sätz­lich dazu BFH Urteil vom 19.06.2008 – III R 66/​05, BFHE 222, 343, BStBl II 2009, 1005[]
  6. vgl. BFH Urteil vom 19.06.2008 – III R 66/​05 a. a. O.[]