Kin­der­geld für die Gemein­den?

Mit zwei aktu­el­len Ent­schei­dun­gen hat das Finanz­ge­richt Müns­ter Grund­sät­ze für die – zur­zeit gehäuft auf­tre­ten­den – Fäl­le der Abzwei­gung von Kin­der­geld für behin­der­te Kin­der an Sozi­al­leis­tungs­trä­ger auf­ge­stellt.

Kin­der­geld für die Gemein­den?

Hier­nach berech­tigt allein die Zah­lung von lau­fen­den Sozi­al­leis­tun­gen an das behin­der­te Kind die Kom­mu­ne nicht, selbst das Kin­der­geld zu bean­spru­chen. Viel­mehr sei, so das Finanz­ge­richt Müns­ter, den Eltern das Kin­der­geld zu belas­sen, wenn die­se aus ihrem eige­nen Ein­kom­men Unter­halt zumin­dest in Höhe des Kin­der­gelds zahl­ten. Hier­bei sei – ein­zel­fall­be­zo­gen – zu über­prü­fen, ob das behin­der­te Kind in der Lage sei, aus sei­nem Ein­kom­men ( z.B. aus Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen, Werk­statt­ein­kom­men etc.) sei­nen gesam­ten Lebens­be­darf zu finan­zie­ren. Gelin­ge dies nicht, gel­te die Ver­mu­tung, dass die Eltern die Finan­zie­rungs­lü­cke auf­füll­ten, sofern das Kind in deren Haus­halt lebe. Zum Lebens­be­darf des Kin­des gehör­ten – so das Gericht – neben den Kos­ten für Ernäh­rung, Kör­per- und Gesund­heits­pfle­ge, Beklei­dung, Haus­rat, Frei­zeit und Urlaub auch Auf­wen­dun­gen für die eige­ne Betreu­ung des Kin­des, sofern deren Not­wen­dig­keit und tat­säch­li­che Durch­füh­rung kon­kret dar­ge­legt und belegt wür­den.

In dem ers­ten vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nem Streit­fall bezog eine Mut­ter für ihren voll­jäh­ri­gen schwer­be­hin­der­ten Sohn, der in ihrem Haus­halt lebt, Kin­der­geld. Die Kom­mu­ne zahl­te an den Sohn fort­lau­fend Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen. Aus die­sem Grun­de bean­spruch­te sie die Zah­lung des Kin­der­gel­des an sich (sog. Abzwei­gung). Die Mut­ter hielt dem ent­ge­gen, dass sie selbst erheb­li­che Auf­wen­dun­gen für ihren Sohn tra­ge. Auf­grund der schwe­ren Herz­er­kran­kung des Soh­nes sei­en hier­bei neben den Kos­ten für eine Fremd­be­treu­ung auch ihre eige­nen Betreu­ungs­leis­tun­gen zu berück­sich­ti­gen.

Das Finanz­ge­richt Müns­ter gab der Mut­ter Recht und wies die Kla­ge der Kom­mu­ne auf Abzwei­gung des Kin­der­gel­des ab. Im Streit­fall kön­ne der gesam­te Lebens­be­darf des schwer­be­hin­der­ten Soh­nes nicht allein aus des­sen eige­nem Ein­kom­men erbracht wer­den, so dass davon aus­zu­ge­hen sei, dass die Lücke – die im Streit­fall monat­lich 191,00 € betra­ge – aus dem Ein­kom­men der Mut­ter gedeckt wer­de. Zum Lebens­be­darf des Soh­nes gehör­ten neben den nach­ge­wie­se­nen Kos­ten für die Fremd­be­treu­ung auch die eige­nen Betreu­ungs­leis­tun­gen der Mut­ter. Dies sei des­halb der Fall, da die Mut­ter sowohl die Not­wen­dig­keit der Betreu­ung als auch deren Durch­füh­rung nach Art und zeit­li­chem Umfang kon­kret dar­ge­legt und durch ärzt­li­che Beschei­ni­gun­gen hin­rei­chend glaub­haft gemacht habe. Maß­stab für die Bewer­tung des eige­nen Betreu­ungs­auf­wan­des sei­en die ver­gleich­ba­ren Kos­ten für eine Fremd­be­treu­ung, die im Streit­fall mit 8,00 € je Stun­de anzu­set­zen sei­en.

Rein pau­schal gel­tend gemach­te eige­ne Betreu­ungs­kos­ten der Eltern sei­en dage­gen – so das Finanz­ge­richt Müns­ter im zwei­ten jetzt vom ihm ent­schie­de­nen Fall 1 – bei der Ermitt­lung des Lebens­be­dar­fes des Kin­des nicht zu berück­sich­ti­gen.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urtei­le vom 25. März 2011 – 12 K 1891/​10 Kg und 12 K 2057/​10 Kg

  1. 12 K 1891/​10 Kg[]