Kin­der­geld für ein wegen einer AStA-Tätig­keit vom Stu­di­um beur­laub­tes Kind

Ein Kin­der­geld­an­spruch besteht grund­sätz­lich nur für min­der­jäh­ri­ge Kin­der, § 63 Abs. 1 EStG i.V.m. § 32 EStG. Für ein voll­jäh­ri­ges Kind besteht aber dann bis zum 25. Geburts­tag ein Kin­der­geld­an­spruch, wenn es für einen Beruf aus­ge­bil­det wird, vgl. § 32 Abs. 4 Nr. 2 a EStG. Dies gilt grund­sätz­lich auch für ein stu­die­ren­des Kind. Hier­von nicht mehr erfasst ist aller­dings ein Kind, das wegen einer Tätig­keit inner­halb der stu­den­ti­schen Selbst­ver­wal­tung vom Stu­di­um beur­laubt ist.

Kin­der­geld für ein wegen einer AStA-Tätig­keit vom Stu­di­um beur­laub­tes Kind

Nach dem BFH, Urteil vom 13.07.2004 1 befin­det sich ein Kind, das vom Stu­di­um beur­laubt ist, jeden­falls dann nicht in einer Berufs­aus­bil­dung, wenn ihm wäh­rend der Zeit der Beur­lau­bung nach hoch­schul­recht­li­chen Bestim­mun­gen der Besuch von Lehr­ver­an­stal­tun­gen und der Erwerb von Leis­tungs­nach­wei­sen unter­sagt ist. Trotz Beur­lau­bung kann eine Berufs­aus­bil­dung anzu­neh­men sein, wenn das Kind ein Prak­ti­kum ableis­tet, als wis­sen­schaft­li­che Hilfs­kraft arbei­tet oder im Ein­klang mit dem Hoch­schul­recht an Prü­fun­gen teil­nimmt 2. Auch bei einem Kind, das wegen Mut­ter­schaft vom Stu­di­um beur­laubt ist, kann eine Fort­set­zung der Berufs­aus­bil­dung anzu­neh­men sein, wenn es sich auf Prü­fun­gen vor­be­rei­tet und dar­an teil­ge­nom­men hat 3.

Aus den bei­den letzt­ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen geht her­vor, dass eine Beur­lau­bung dann unschäd­lich sein kann, wenn ein stu­die­ren­des Kind tat­säch­lich und in zuläs­si­ger Wei­se sei­ne uni­ver­si­tä­re Berufs­aus­bil­dung wei­ter betreibt, was aller­dings auf eine Beur­lau­bung wegen einer AStA-Tätig­keit offen­sicht­lich nicht zutrifft.

Hier­an ändert auch nichts, dass nach § 10 Abs. 1 Satz 1 des Geset­zes über die Hoch­schu­len des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len (HG NRW) die Mit­wir­kung an der Selbst­ver­wal­tung der Hoch­schu­le zu den Rech­ten und Pflich­ten der Stu­die­ren­den gehört und die Über­nah­me einer Funk­ti­on in der Selbst­ver­wal­tung nur aus wich­ti­gem Grund abge­lehnt wer­den kann. Zwar dür­fen nach § 10 Abs. 2 Satz 1 HG NRW die Mit­glie­der der Hoch­schu­le wegen ihrer Tätig­keit in der Selbst­ver­wal­tung nicht benach­tei­ligt wer­den, was nach § 53 Abs. 5 Satz 2 HG NRW ent­spre­chend für die Tätig­keit in Orga­nen der Stu­die­ren­den­schaft gilt. Denn die Tat­sa­che, dass die Stu­den­ten­schaft der Uni­ver­si­tät hoch­schul­recht­lich ver­pflich­tet ist, an den Orga­nen der Selbst­ver­wal­tung mit­zu­wir­ken und dass wegen einer Mit­wir­kung kei­ne Benach­tei­li­gun­gen ent­ste­hen dürf­ten, zwin­gen den Stu­den­ten nicht, sich wegen einer Mit­ar­beit im AStA beur­lau­ben zu las­sen und die Berufs­aus­bil­dung zu unter­bre­chen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 4. Febru­ar 2014 – III B 87/​13

  1. BFH, Urteil vom 13.07.2004 – VIII R 23/​02 ((BFHE 207, 32, BSt­Bl II 2004, 999[]
  2. BFH, Urteil vom 05.10.2004 – VIII R 77/​02, BFH/​NV 2005, 525[]
  3. BFH, Urteil vom 16.04.2002 – VIII R 89/​01, BFH/​NV 2002, 1150[]