Kin­der­geld für einen Pilo­ten

Für ein über 18 Jah­re altes Kind, das eine Berufs­aus­bil­dung man­gels Aus­bil­dungs­plat­zes nicht begin­nen oder fort­set­zen kann und das 27. –seit 2007: das 25.– Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat, besteht nach § 62 Abs. 1, § 63 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c EStG Anspruch auf Kin­der­geld, wenn die Ein­künf­te und Bezü­ge des Kin­des den maß­geb­li­chen Jah­res­grenz­be­trag (§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG) nicht über­stei­gen.

Kin­der­geld für einen Pilo­ten

Danach ist auch ein Kind kin­der­geld­be­rech­tigt, das nach sei­ner Aus­bil­dung zum Ver­kehrs­flug­zeug­füh­rer zwar die ATPL-Prü­fung (Air­line Trans­port Pilot Licen­se) bestan­den hat, das aber noch sei­ne ers­te Mus­ter­be­rech­ti­gung (Type Rating) für einen bestimm­ten Flug­zeug­typ erwer­ben muss.

In Berufs­aus­bil­dung befin­det sich, wer sein Berufs­ziel noch nicht erreicht hat, sich aber ernst­haft und nach­hal­tig dar­auf vor­be­rei­tet. Die­ser Vor­be­rei­tung die­nen alle Maß­nah­men, bei denen Kennt­nis­se, Fähig­kei­ten und Erfah­run­gen erwor­ben wer­den, die als Grund­la­gen für die Aus­übung des ange­streb­ten Berufs geeig­net sind [1].

Eine Aus­bil­dung i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG wird in der Regel mit einer Prü­fung abge­schlos­sen. Die Berufs­aus­bil­dung umfasst aber nicht nur Aus­bil­dungs­maß­nah­men, die erfor­der­lich sind, um die Min­dest­vor­aus­set­zun­gen für die Aus­übung des gewähl­ten Berufs zu erfül­len, son­dern auch sol­che, die geeig­net sind, die beruf­li­che Stel­lung des Kin­des zu ver­bes­sern [2]. Danach kann sich ein Kind auch dann in Berufs­aus­bil­dung befin­den, wenn es nach erfolg­rei­cher Absol­vie­rung einer zur Berufs­aus­übung berech­ti­gen­den Aus­bil­dung zusätz­li­che Qua­li­fi­ka­tio­nen erwirbt, sofern die­se als Grund­la­ge für die Aus­übung des ange­streb­ten Berufs geeig­net sind und das Kind sei­ne Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung ernst­haft und nach­hal­tig betreibt. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat daher ein Stu­di­um nach einer Leh­re, ein Zusatz­stu­di­um mit dem Ziel „Mas­ter of Laws (LLM)“ nach bestan­de­nem Staats­examen [3] und die gegen gerin­ge Ent­loh­nung aus­ge­üb­te Volon­tär­tä­tig­keit einer Wirt­schafts­as­sis­ten­tin [4] als Aus­bil­dung ange­se­hen. Der Begriff der Aus­bil­dung für einen Beruf im Sin­ne von § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG ist daher wei­ter als der Begriff der Berufs­aus­bil­dung im Sin­ne von § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG; die dort bedeut­sa­me Abgren­zung zwi­schen Aus­bil­dungs- und Fort­bil­dungs­kos­ten [5] ist für § 32 EStG nicht maß­geb­lich.

Der Erwerb des ers­ten Type Ratings gehör­te danach zur Aus­bil­dung des Soh­nes als Ver­kehrs­flug­zeug­füh­rer, da ohne eine Mus­ter­be­rech­ti­gung kein gän­gi­ges Ver­kehrs­flug­zeug geflo­gen wer­den darf und die Anstel­lung bei einer Luft­fahrt­ge­sell­schaft dann prak­tisch aus­ge­schlos­sen wäre. Ob die Erlan­gung der Mus­ter­be­rech­ti­gung im Streit­fall auch des­halb zur Aus­bil­dung gehör­te, weil sie im Aus­bil­dungs­ver­trag mit der Flug­ge­sell­schaft vor­ge­se­hen war und ob bzw. unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der spä­te­re Erwerb wei­te­rer Mus­ter­be­rech­ti­gun­gen für ande­re Flug­zeug­ty­pen auch als Aus­bil­dung ange­se­hen wer­den kann, braucht vor­lie­gend nicht ent­schie­den zu wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 4. März 2010 – III R 23/​08

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urtei­le vom 09.06.1999 – VI R 33/​98, BFHE 189, 88, BStBl II 1999, 701; und vom 24.06.2004 – III R 3/​03, BFHE 206, 413, BStBl II 2006, 294[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urtei­le vom 16.03.2004 – VIII R 65/​03, BFH/​NV 2004, 1522; und in BFHE 206, 413, BStBl II 2006, 294; BFH, Beschluss vom 19.09.2008 – III B 102/​07, BFH/​NV 2009, 16[]
  3. BFH, Urteil vom 14.11.2000 – VI R 128/​00, BFHE 193, 457, BStBl II 2001, 495[]
  4. BFH, Urteil vom 09.06.1999 – VI R 50/​98, BFHE 189, 98, BStBl II 1999, 706[]
  5. vgl. Schmidt/​Heinicke, EStG, 28. Aufl., § 10 Rz 122[]