Kin­der­geld für gedul­de­te Aus­län­der

Nach § 62 Abs. 2 EStG n.F. berech­tigt ein Auf­ent­halt in Deutsch­land auf­grund einer Dul­dung (§ 60a Auf­en­thG) nicht zum Bezug von Kin­der­geld.

Kin­der­geld für gedul­de­te Aus­län­der

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat sich bereits mehr­fach mit der Fra­ge befasst, ob die­se Rege­lung, auch wenn sich die gedul­de­ten Aus­län­der über einen län­ge­ren Zeit­raum in Deutsch­land auf­hal­ten, ver­fas­sungs­ge­mäß ist. Er hat ent­schie­den, dass hier­ge­gen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken bestehen (z.B. BFH, Urtei­le vom 15.03.2007 – III R 93/​03, BFHE 217, 443, BStBl II 2009, 905, und – III R 54/​05, BFH/​NV 2007, 1298; vom 22.11.2007 – III R 54/​02, BFHE 220, 45, BStBl II 2009, 913, sowie vom 21.02.2008 – III R 79/​03, BFHE 220, 439, BStBl II 2009, 916).

Die Erwä­gung des Gesetz­ge­bers, das Kin­der­geld nur Aus­län­dern zu gewäh­ren, die auf­grund eines Auf­ent­halts­ti­tels einen recht­mä­ßi­gen dau­er­haf­ten Auf­ent­halt in Deutsch­land begrün­det haben und bei denen im Unter­schied zu ledig­lich gedul­de­ten Aus­län­dern auch eine lang­fris­ti­ge Inte­gra­ti­on ihrer Fami­li­en in Deutsch­land beab­sich­tigt ist, stellt nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs einen hin­rei­chen­den sach­li­chen Grund für die vor­ge­nom­me­ne Dif­fe­ren­zie­rung dar (z.B. BFH, Urteil in BFHE 217, 443, BStBl II 2009, 905, unter II. 4.b).

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält eine erneu­te Prü­fung auch nicht im Hin­blick dar­auf für erfor­der­lich, dass nicht frei­zü­gig­keits­be­rech­tig­te Aus­län­der sich mit­un­ter über meh­re­re Jah­re im Rah­men einer Dul­dung in Deutsch­land auf­hal­ten und hier einer Erwerbs­tä­tig­keit nach­ge­hen. Die­se Umstän­de hat der Bun­des­fi­nanz­hof bereits in sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung berück­sich­tigt [1]. Er hat inso­weit jedoch dar­auf abge­stellt, dass die her­kömm­li­chen Auf­ent­halts­ti­tel im Sin­ne des Aus­lG bzw. des Auf­en­thG einen recht­mä­ßi­gen Auf­ent­halt in Deutsch­land begrün­den und regel­mä­ßig als Vor­stu­fe eines Dau­er­auf­ent­halts anzu­se­hen sind. Dies gilt hin­ge­gen nicht bei einer blo­ßen Dul­dung, wel­che die grund­sätz­lich bestehen­de Aus­rei­se­pflicht des Aus­län­ders nicht besei­tigt und gera­de nicht der Vor­be­rei­tung oder Absi­che­rung eines recht­mä­ßi­gen dau­er­haf­ten Auf­ent­halts in Deutsch­land dient. Aus dem­sel­ben Grund ergibt sich ein erneu­ter Klä­rungs­be­darf auch nicht aus dem Ein­wand des Klä­gers, wonach die Ver­sa­gung des Kin­der­geld­an­spruchs gegen­über lang­jäh­rig gedul­de­ten Aus­län­dern eine nicht gerecht­fer­tig­te Schlech­ter­stel­lung gegen­über jenen Aus­län­dern bedeu­te, die eine Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung besä­ßen und teil­wei­se wesent­lich kür­ze­re Auf­ent­halts­zei­ten und gerin­ge­re Inte­gra­ti­ons­merk­ma­le auf­wie­sen.

Über­dies ist das Kin­der­geld­recht als Mas­sen­fall­recht auf Typi­sie­run­gen ange­wie­sen, wes­halb die sach­li­che Recht­fer­ti­gung der Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, die Fra­ge des vor­aus­sicht­li­chen Dau­er­auf­ent­halts des Aus­län­ders u.a. von dem jewei­li­gen dem Aus­län­der durch die zustän­di­gen Fach­be­hör­den zuge­wie­se­nen auf­ent­halts­recht­li­chen Sta­tus abhän­gig zu machen, kei­nen Zwei­feln begeg­net [2]. Inso­weit wird aus dem Vor­trag des Klä­gers bereits nicht klar, nach wel­chen Kri­te­ri­en die Fami­li­en­kas­se als eine für auf­ent­halts­recht­li­che Fra­gen fach­frem­de Behör­de bei einer auf den rein fak­ti­schen Auf­ent­halt abstel­len­den Betrach­tungs­wei­se die vor­aus­sicht­li­che Dau­er­haf­tig­keit des Auf­ent­halts (ein­schließ­lich der Beur­tei­lung der für die Aus­set­zung der Abschie­bung maß­geb­li­chen Grün­de) und die beab­sich­tig­te lang­fris­ti­ge Inte­gra­ti­on der betrof­fe­nen Fami­li­en in Deutsch­land beur­tei­len soll­te.

In der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hof ist in die­sem Zusam­men­hang fer­ner geklärt, dass für die Kin­der­geld­be­rech­ti­gung der „Besitz“ einer aus­rei­chen­den aus­län­der­recht­li­chen Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung nach dem Aus­lG 1990 oder eines auf­ent­halts­recht­li­chen Titels nach dem Auf­en­thG ent­schei­dend ist und es nicht dar­auf ankommt, ob ein Anspruch auf eine ent­spre­chen­de Geneh­mi­gung bzw. einen ent­spre­chen­den Titel besteht (z.B. BFH, Beschluss vom 31.07.2009 – III B 152/​08, BFH/​NV 2009, 1811). Daher ist es für die Fra­ge der Kin­der­geld­be­rech­ti­gung uner­heb­lich, ob den Eltern auf­grund einer gelun­ge­nen Inte­gra­ti­on mög­li­cher­wei­se in Zukunft ein die Kin­der­geld­be­rech­ti­gung eröff­nen­der Auf­ent­halts­ti­tel erteilt wer­den könn­te.

Bun­des­fi­nanz­hof – Beschluss vom 23. Dezem­ber 2013 – III B 88/​13

  1. vgl. etwa BFH, Urteil in BFHE 217, 443, BStBl II 2009, 905[]
  2. vgl. zur Fra­ge der Typi­sie­rung etwa auch das zur Vor­schrift des § 62 Abs. 2 Nr. 3 Buchst. a EStG ergan­ge­ne BFH, Urteil vom 24.05.2012 – III R 20/​10, BFHE 238, 334[]