Kin­der­geld oder Arbeit­ge­ber­spar­zu­la­ge?

Für voll­jäh­ri­ge Kin­der wird noch bis zum 25. Geburts­tag Kin­der­geld gewährt, wenn sich das Kind noch in der Berufs­aus­bil­dung befin­det. Vor­aus­set­zung hier­für ist jedoch u.a., dass das Kind eige­ne Ein­künf­te und Bezü­ge, die zur Bestrei­tung des Unter­halts oder der Berufs­aus­bil­dung bestimmt oder geeig­net sind, von nicht mehr als 8 004 € im Kalen­der­jahr hat, § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG.

Kin­der­geld oder Arbeit­ge­ber­spar­zu­la­ge?

Über­schrei­tung des Grenz­be­tra­ges gemäß § 32 Abs 4 Satz 2 EStG durch Arbeit­ge­ber­zu­la­ge

In einem jetzt vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Streit­fall war strei­tig, ob die Ein­künf­te und Bezü­ge der Toch­ter der Klä­ge­rin die­sen Grenz­be­trag (der im Streit­jahr 2006 noch bei 7.680 € lag) über­schrit­ten. Die Toch­ter befand sich in einer drei­jäh­ri­gen Aus­bil­dung zur Kran­ken­schwes­ter. Ihre Aus­bil­dungs­ver­gü­tung für das Streit­jahr 2006 belief sich nach der Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung auf 11.129,58 €. Davon ein­be­hal­ten wur­den Arbeit­neh­mer­an­tei­le zur Sozi­al­ver­si­che­rung in Höhe von 2.387,28 €. Die Kin­der­geld­stel­le lehn­te durch Bescheid vom 24. Juli 2006 die Fest­set­zung von Kin­der­geld für das Jahr 2006 mit der Begrün­dung ab, dass die Ein­künf­te der Toch­ter über dem Grenz­be­trag gele­gen hät­ten. Die Klä­ge­rin leg­te dage­gen Ein­spruch ein, mit dem sie gel­tend mach­te, der monat­li­che Net­to­be­zug i.H. von 641,65 Euro min­de­re sich durch den Abzug ver­mö­gens­wirk­sa­mer Leis­tun­gen in Höhe von 39,88 Euro auf 601,77 Euro. In die­sen Leis­tun­gen sei eine Zula­ge des Arbeit­ge­bers in Höhe von 13,29 Euro monat­lich ent­hal­ten. Der Staat wer­be für den Abschluss von Ver­trä­gen über ver­mö­gens­wirk­sa­me Leis­tun­gen mit Vor­tei­len, die dem Arbeit­neh­mer dadurch ent­stün­den. Wür­den die­se Leis­tun­gen bei den Ein­künf­ten und Bezü­gen berück­sich­tigt und ver­lie­re der Kin­der­geld­be­rech­tig­te dadurch sei­nen Kin­der­geld­an­spruch für das Kind, so ste­he die­ses schlech­ter da als ohne den Bezug der ver­mö­gens­wirk­sa­men Leis­tun­gen, dafür aber mit der Zuwen­dung des Kin­der­gel­des.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ist die­sem Kla­ge­be­geh­ren jedoch nicht gefolgt und ver­wies dazu auf die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hof und ande­rer Finanz­ge­rich­te, wonach ver­mö­gens­wirk­sa­me Leis­tun­gen zu den Ein­künf­ten gehö­ren. Es ste­he dem Kind frei, Ver­trä­ge über ver­mö­gens­wirk­sa­me Leis­tun­gen abzu­schlie­ßen. Das Kind neh­me durch Inan­spruch­nah­me der Arbeit­ge­ber-Zula­gen in Kauf, dass der Grenz­be­trag über­schrit­ten wer­de. Aus Sicht des Gesetz­ge­bers sei ein Kind bei Ein­künf­ten und Bezü­gen, die den Grenz­be­trag über­schrei­ten, selbst in der Lage, sein Exis­tenz­mi­ni­mum sicher­zu­stel­len.

Die­ses Düs­sel­dor­fer Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig. Das Finanz­ge­richt hat zwar die Revi­si­on gegen Urteil nicht zuge­las­sen, wohl aber auf die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de der Klä­ge­rin hin der Bun­des­fi­nanz­hof.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 22. Dezem­ber 2008 – 10 K 3694/​06 Kg (Revi­si­on beim BFH anhän­gig – III R 57/​09)