Kin­der­geld fürs Pfle­ge­kind – und die Haus­halts­auf­nah­me

Die Berück­sich­ti­gung als Pfle­ge­kind (§ 32 Abs. 1 Nr. 2 EStG) setzt eine Haus­halts­auf­nah­me vor­aus.

Kin­der­geld fürs Pfle­ge­kind – und die Haus­halts­auf­nah­me

§ 32 Abs. 1 Nr. 2 EStG lau­tet seit der Ände­rung durch das Zwei­te Gesetz zur Ände­rung steu­er­li­cher Vor­schrif­ten (Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 2003) 1 ‑ab Okto­ber 2014- wie folgt:

"Kin­der sind …
2. Pfle­ge­kin­der (Per­so­nen, mit denen der Steu­er­pflich­ti­ge durch ein fami­li­en­ähn­li­ches, auf län­ge­re Dau­er berech­ne­tes Band ver­bun­den ist, sofern er sie nicht zu Erwerbs­zwe­cken in sei­nen Haus­halt auf­ge­nom­men hat und das Obhuts- und Pfle­ge­ver­hält­nis zu den Eltern nicht mehr besteht)."

§ 32 Abs. 1 Nr. 2 EStG lau­te­te zuvor:

"Kin­der sind …
Pfle­ge­kin­der (Per­so­nen, mit denen der Steu­er­pflich­ti­ge durch ein fami­li­en­ähn­li­ches, auf län­ge­re Dau­er berech­ne­tes Band ver­bun­den ist, sofern er sie in sei­nen Haus­halt auf­ge­nom­men hat und das Obhuts- und Pfle­ge­ver­hält­nis zu den Eltern nicht mehr besteht und der Steu­er­pflich­ti­ge sie min­des­tens zu einem nicht unwe­sent­li­chen Teil auf sei­ne Kos­ten unter­hält)."

Sowohl nach altem wie nach neu­em Recht setzt dies gemäß der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 2 u.a. vor­aus, dass der Steu­er­pflich­ti­ge das Kind in sei­nen Haus­halt auf­ge­nom­men hat. Die Finanz­ver­wal­tung 3 und die Lite­ra­tur 4 tei­len die­se Auf­fas­sung.

Der Ein­wand, nach dem Geset­zes­wort­laut sei eine Haus­halts­auf­nah­me nicht mehr erfor­der­lich, greift nicht durch. Die For­mu­lie­rung in § 32 Abs. 1 Nr. 2 EStG "sofern er sie nicht zu Erwerbs­zwe­cken in sei­nen Haus­halt auf­ge­nom­men hat" setzt viel­mehr wei­ter­hin (posi­tiv) eine Haus­halts­auf­nah­me des Pfle­ge­kin­des vor­aus, die (nega­tiv) nicht zu Erwerbs­zwe­cken erfolgt sein darf. Die­se Aus­le­gung wird durch die Geset­zes­ma­te­ria­li­en bestä­tigt, wonach mit der Geset­zes­än­de­rung "Pfle­ge­kin­der, die der Steu­er­pflich­ti­ge bzw. Kin­der­geld­be­rech­tig­te in sei­nen Haus­halt auf­ge­nom­men hat, berück­sich­tigt [wer­den], ohne dass es eines Nach­wei­ses der tat­säch­li­chen Unter­halts­auf­wen­dun­gen bedarf" 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. Okto­ber 2016 – XI R 1/​16

  1. vom 15.12 2003, BGBl I 2003, 2645[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 19.04.2007 – III R 85/​03, BFH/​NV 2007, 1855, Rz 25; vom 22.12 2011 – III R 70/​09, BFH/​NV 2012, 1446, Rz 13; BFH, Beschlüs­se vom 14.01.2011 – III B 96/​09, BFH/​NV 2011, 788, Rz 7; vom 02.07.2012 – VI B 13/​12, Zeit­schrift für Steu­ern & Recht ‑ZSteu- 2012, R1161, Rz 2; vom 13.01.2015 – III B 18/​14, BFH/​NV 2015, 701, Rz 12[]
  3. A 11.1 Abs. 1 Satz 1 der Dienst­an­wei­sung zum Kin­der­geld nach dem Ein­kom­men­steu­er­ge­setz, BSt­Bl I 2016, 826, 854[]
  4. z.B. Felix in Kirch­hof, EStG, 15. Aufl., § 63 Rz 2; Grön­ke-Rei­mann in Herrmann/​Heuer/​Raupach ‑HHR‑, § 32 EStG Rz 47; Schmidt/​Loschelder, EStG, 35. Aufl., § 32 Rz 15; Pust in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 32 Rz 230 f.; Blümich/​Selder, § 32 EStG Rz 19; HHR/​Wendl, § 63 EStG Rz 6 "Haus­halts­auf­nah­me"[]
  5. so BT-Drs. 15/​1945, S. 9[]