Kin­der­geld zwi­schen Examen und Refe­ren­dar­zeit

Kin­der­geld für den Zeit­raum nach der Prü­fung bis Beginn der Refe­ren­dar­zeit kann, wie ein aktu­el­les Urteil des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz zeigt, unter Umstän­den auch dann bean­sprucht wer­den, wenn sich der Ein­tritt in den Refe­ren­dar­dienst ver­zö­gert.

Kin­der­geld zwi­schen Examen und Refe­ren­dar­zeit

Das FG Rhein­land-Pfalz hat­te sich jetzt mit der Fra­ge zu befas­sen, ob Kin­der­geld gewährt wer­den kann, wenn nach der ers­ten Staats­prü­fung die Refe­ren­da­ri­ats­stel­le – wegen hoher Bewer­ber­zah­len – nicht sogleich, son­dern erst zu einem spä­te­ren Zeit­punkt ange­tre­ten wer­den kann.

Im Streit­fall hat­te die Toch­ter des Klä­gers im März 2006 die ers­te Staats­prü­fung erfolg­reich abge­legt. Der Klä­ger teil­te der Fami­li­en­kas­se mit, dass die Toch­ter ihre Refe­ren­dar­zeit erst im Febru­ar 2007 begin­nen kön­ne. Dar­auf hin hob die Fami­li­en­kas­se die Kin­der­geld­fest­set­zung ab April 2006 auf und begrün­de­te das damit, dass das Kind das Stu­di­um been­det habe und sich nicht mehr in Aus­bil­dung befin­de.

Im Ein­spruchs­ver­fah­ren hat­te der Klä­ger vor­ge­tra­gen, dass nach einer Bestä­ti­gung der für den Vor­be­rei­tungs­dienst (Refe­ren­da­ri­at) zustän­di­gen Behör­de wegen der hohen Bewer­ber­zahl ein Beginn der Refe­ren­dars­zeit zum nächs­ten Ter­min, dem ers­ten August 2006, nicht mög­lich gewe­sen sei, der nächs­te Vor­be­rei­tungs­dienst begin­ne am ers­ten Febru­ar 2007. Daher habe sei­ne Toch­ter die Aus­bil­dung man­gels Aus­bil­dungs­plat­zes nicht fort­set­zen kön­nen und es sei Kin­der­geld für den Zeit­raum bis zum Beginn der Refe­ren­dars­zeit zu gewäh­ren. Der Ein­spruch hat­te aller­dings kei­nen Erfolg.

Die anschlie­ßen­de Kla­ge vor dem FG Rhein­land-Pfalz war jedoch erfolg­reich. Der Ansicht der Fami­li­en­kas­se, das Kind hät­te sich zunächst um eine Refe­ren­dar­stel­le zum Ein­stel­lungs­ter­min ers­ter August 2006 bewer­ben müs­sen, erst mit der Ent­schei­dung der Behör­de, dass die gewünsch­te Refe­ren­dar­stel­le nicht ver­ge­ben wer­den kön­ne, hät­te fest­ge­stan­den, dass das Kind sei­ne Aus­bil­dung man­gels Aus­bil­dungs­plat­zes nicht habe fort­set­zen kön­nen, ver­moch­te sich das FG Rhein­land-Pfalz nicht anzu­schlie­ßen. Im Streit­fall ste­he auf­grund des Schrei­bens der für den Vor­be­rei­tungs­dienst zustän­di­gen Behör­de fest, dass die Toch­ter wegen der hohen Bewer­ber­zahl zum ers­ten August 2006 eine Refe­ren­dar­stel­le nicht erhal­ten hät­te. Inso­weit erschei­ne die For­de­rung der Fami­li­en­kas­se, das Kind hät­te sich zum Ein­stel­lungs­ter­min im August 2006 bewer­ben müs­sen, obwohl schon klar gewe­sen sei, dass es die Refe­ren­dar­stel­le nicht bekom­me, als For­ma­lis­mus. Daher rei­che das ange­spro­che­ne Schrei­ben der Behör­de als Nach­weis dafür aus, dass die Toch­ter die Aus­bil­dung zum ers­ten August 2006 nicht habe fort­set­zen kön­nen. Inzwi­schen habe das Kind die Refe­ren­da­ri­ats­stel­le auch am 1. Febru­ar 2007 erhal­ten. Damit war wei­ter­hin Kin­der­geld bis zum Beginn der Refe­ren­dars­zeit zu gewäh­ren.

Das Urteil ist mitt­ler­wei­le rechts­kräf­tig gewor­den.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 16. August 2007 – 1 K 2123/​06