Kin­der­geld­an­spruch für ein ver­hei­ra­te­tes voll­jäh­ri­ges Kind

Nach der ab Janu­ar 2012 gel­ten­den Rechts­la­ge steht die Hei­rat des Kin­des dem Anspruch auf Kin­der­geld unab­hän­gig davon, ob ein sog. Man­gel­fall vor­liegt, nicht ent­ge­gen 1.

Kin­der­geld­an­spruch für ein ver­hei­ra­te­tes voll­jäh­ri­ges Kind

Ein Kin­der­geld­an­spruch ist nicht allein bei einer typi­schen Unter­halts­si­tua­ti­on sei­tens der Eltern gerecht­fer­tigt.

Zwar setz­te nach frü­he­rer Recht­spre­chung des BFH der Kin­der­geld­an­spruch für über 18 Jah­re alte Kin­der eine typi­sche Unter­halts­si­tua­ti­on sei­tens der Eltern vor­aus 2. Die­se Recht­spre­chung wur­de jedoch inzwi­schen auf­ge­ge­ben 3. Das Erfor­der­nis einer typi­schen Unter­halts­si­tua­ti­on für den Kin­der­geld­an­spruch bei voll­jäh­ri­gen Kin­dern ist seit­her voll­stän­dig ent­fal­len 4.

Einen der frü­he­ren Recht­spre­chung des BFH ent­spre­chen­den (Aus­schluss-)Tat­be­stand hat der Gesetz­ge­ber mit der durch das Steu­er­ver­ein­fa­chungs­ge­setz 2011 geschaf­fe­nen, ab 1.01.2012 gel­ten­den Rechts­la­ge ‑trotz Weg­falls des Grenz­be­trags i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG a.F.- nicht vor­ge­se­hen. Abwei­chen­des folgt ‑ent­ge­gen dem Vor­brin­gen der Fami­li­en­kas­se- eben­so wenig aus § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG n.F., wonach nach Abschluss einer erst­ma­li­gen Berufs­aus­bil­dung und eines Erst­stu­di­ums ein Kind in den Fäl­len des Sat­zes 1 Nr. 2 nur berück­sich­tigt wird, wenn es kei­ner Erwerbs­tä­tig­keit nach­geht. Denn nach § 32 Abs. 4 Satz 3 EStG n.F. sind ‑was einer typi­schen Unter­halts­si­tua­ti­on sei­tens der Eltern ent­ge­gen­steht- eine Erwerbs­tä­tig­keit mit bis zu 20 Stun­den regel­mä­ßi­ger wöchent­li­cher Arbeits­zeit, ein Aus­bil­dungs­dienst­ver­hält­nis oder ein gering­fü­gi­ges Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis unschäd­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 5. März 2014 – XI R 32/​13

  1. so bereits BFH, Urteil vom 17.10.2013 – III R 22/​13, BFH/​NV 2014, 402, Rz 10 f.[]
  2. vgl. dazu z.B. BFH, Urtei­le vom 02.03.2000 – VI R 13/​99, BFHE 191, 69, BSt­Bl II 2000, 522; vom 19.04.2007 – III R 65/​06, BFHE 218, 70, BSt­Bl II 2008, 756; BFH, Beschluss vom 22.12 2011 – III R 8/​08, BFHE 236, 155, BSt­Bl II 2012, 340[]
  3. vgl. dazu BFH, Urteil vom 17.06.2010 – III R 34/​09, BFHE 230, 61, BSt­Bl II 2010, 982[]
  4. vgl. dazu BFH, Urteil in BFH/​NV 2014, 402, Rz 15[]