Kin­der­geld­an­spruch – und die Mel­dung als Arbeit­su­chen­der

Gemäß § 62 Abs. 1, § 63 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 EStG 2010 wird ein Kind, das das 18. Lebens­jahr voll­endet hat, beim Kin­der­geld berück­sich­tigt, wenn es noch nicht das 21. Lebens­jahr voll­endet hat, nicht in einem Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis steht und bei einer Agen­tur für Arbeit im Inland als Arbeit­su­chen­der gemel­det ist.

Kin­der­geld­an­spruch – und die Mel­dung als Arbeit­su­chen­der

Seit der Neu­fas­sung des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 EStG durch Art. 8 Nr. 5 des Zwei­ten Geset­zes für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt vom 23.12 2002 1 genügt die Mel­dung als Arbeit­su­chen­der bei einer Agen­tur für Arbeit.

Gemäß § 32 Abs. 4 EStG in der bis 31.12 2002 gel­ten­den Fas­sung wur­de ein Kind, das das 18. Lebens­jahr, aber noch nicht das 21. Lebens­jahr voll­endet hat, berück­sich­tigt, wenn es arbeits­los i.S. des Drit­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch war. Gemäß § 119 SGB III in der bis 31.03.2012 gel­ten­den Fas­sung vom 23.12 2003 war ein Arbeit­neh­mer arbeits­los, der

  • nicht in einem Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis steht (Beschäf­ti­gungs­lo­sig­keit),
  • sich bemüht, sei­ne Beschäf­ti­gungs­lo­sig­keit zu been­den (Eigen­be­mü­hun­gen) und
  • den Ver­mitt­lungs­be­mü­hun­gen der Agen­tur für Arbeit zur Ver­fü­gung steht (Ver­füg­bar­keit).
  • Die­se Vor­aus­set­zun­gen waren vom Kin­der­geld­be­rech­tig­ten nach­zu­wei­sen.

    Nach der ab 1.01.2003 gel­ten­den Neu­re­ge­lung müs­sen die sozi­al­recht­li­chen Merk­ma­le der Arbeits­lo­sig­keit i.S. des § 119 Abs. 1 SGB III, wie Eigen­be­mü­hun­gen und Ver­füg­bar­keit, nicht mehr nach­ge­wie­sen wer­den 2. Viel­mehr unter­stellt das Gesetz typi­sie­rend, dass die Vor­aus­set­zun­gen der §§ 118 ff. SGB III vor­lie­gen. Dabei kommt der Regis­trie­rung des arbeit­su­chen­den Kin­des bzw. der dar­an anknüp­fen­den Beschei­ni­gung kei­ne ech­te Tat­be­stands­wir­kung für den Kin­der­geld­an­spruch zu. Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob sich das Kind im kon­kre­ten Fall tat­säch­lich bei der Arbeits­ver­mitt­lung als arbeit­su­chend gemel­det hat 3.

    Als Arbeit­su­chen­der gemel­det ist, wer gegen­über der zustän­di­gen Agen­tur für Arbeit oder der Arbeits­ge­mein­schaft für die Grund­si­che­rung Arbeit­su­chen­der per­sön­lich die Tat­sa­che einer künf­ti­gen oder gegen­wär­ti­gen Arbeits­lo­sig­keit anzeigt 4.

    Die typi­sie­ren­de Unter­stel­lung des Vor­lie­gens der Vor­aus­set­zun­gen der §§ 118 ff. SGB III durch das Gesetz umfasst auch das Zur­ver­fü­gung­s­te­hen für Ver­mitt­lungs­be­mü­hun­gen der Arbeits­agen­tur. Der Nach­weis, dass tat­säch­lich eine Arbeit gesucht wird, ist danach nicht erfor­der­lich. Vor­lie­gend hat die voll­jäh­ri­ge Toch­ter ihre Arbeits­lo­sig­keit vom 01.02.bis 31.03.2010 der Agen­tur für Arbeit mit­ge­teilt. Das genügt für eine Mel­dung als arbeit­su­chend i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 EStG.

    Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. Febru­ar 2016 – V R 22/​15

  1. BGBl I 2002, 4621, BSt­Bl I 2003, 3[]
  2. BFH, Urtei­le vom 26.07.2012 – VI R 98/​10, BFHE 238, 126, BSt­Bl II 2013, 443, Rz 10; vom 19.06.2008 – III R 68/​05, BFHE 222, 349, BSt­Bl II 2009, 1008[]
  3. BFH, Urtei­le in BFHE 238, 126, BSt­Bl II 2013, 443, Rz 10; vom 25.09.2008 – III R 91/​07, BFHE 223, 354, BSt­Bl II 2010, 47, Rz 16[]
  4. BFH, Urtei­le vom 18.06.2015 – VI R 10/​14, BFHE 250, 145, BSt­Bl II 2015, 940, und in BFHE 238, 126, BSt­Bl II 2013, 443[]