Kin­der­geld­an­spruch, Urteil – und die Zah­lungs­pflicht der Fami­li­en­kas­se

Ver­pflich­tet das Finanz­ge­richt die Fami­li­en­kas­se dazu, dem Kin­der­geld­be­rech­tig­ten Kin­der­geld zu "gewäh­ren", so bedeu­tet dies nicht, dass die Fami­li­en­kas­se damit ver­pflich­tet wer­den soll, das Kin­der­geld trotz eines gel­tend gemach­ten Erstat­tungs­an­spruchs des Sozi­al­leis­tungs­trä­gers tat­säch­lich an den Kin­der­geld­be­rech­tig­ten aus­zu­zah­len.

Kin­der­geld­an­spruch, Urteil – und die Zah­lungs­pflicht der Fami­li­en­kas­se

Das Finanz­ge­richt hat die Fami­li­en­kas­se in die­sem Fall gera­de nicht zur Aus­zah­lung des Kin­der­gel­des an die Kin­der­geld­be­rech­tig­te trotz des vom Sozi­al­leis­tungs­trä­ger gel­tend gemach­ten Erstat­tungs­an­spruchs ver­pflich­tet. Es hat die Fami­li­en­kas­se im Urteils­te­nor dazu ver­pflich­tet, der Mut­ter Kin­der­geld zu "gewäh­ren". Damit ist bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung gemeint, dass die Fami­li­en­kas­se ver­pflich­tet wer­den soll, das Kin­der­geld fest­zu­set­zen.

Bei der Aus­le­gung der Urteils­for­mel (§ 105 Abs. 2 Nr. 3 FGO) kann auch auf den Inhalt des Urteils zurück­ge­grif­fen wer­den 1. Aus dem ange­foch­te­nen Urteil ergibt sich, dass dem Finanz­ge­richt bewusst war, dass das Kin­der­geld trotz der Ver­pflich­tung der Fami­li­en­kas­se zur Gewäh­rung von Kin­der­geld mög­li­cher­wei­se an den Sozi­al­leis­tungs­trä­ger aus­zu­zah­len sein wird.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 5. Novem­ber 2015 – III R 57/​13

  1. BFH, Urteil vom 25.09.2014 – III R 56/​13, BFH/​NV 2015, 206[]