Kin­der­geld­an­spruch wäh­rend eines dua­len Stu­di­ums

Ein dua­les Stu­di­um ist als Erst­aus­bil­dung bzw. Erst­stu­di­um anzu­se­hen, so dass die Erwerbs­tä­tig­keit des Kin­des für den Kin­der­geld­an­spruch unschäd­lich ist (vgl. § 32 Abs. 4 Satz 3 EStG).

Kin­der­geld­an­spruch wäh­rend eines dua­len Stu­di­ums

In dem jetzt vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Streit­fall begann der Sohn der Klä­ge­rin nach dem Abitur ein dua­les Stu­di­um zum Bache­lor im Stu­di­en­gang Steu­er­recht. Neben dem Stu­di­um absol­vier­te er eine stu­di­en­in­te­grier­te prak­ti­sche Aus­bil­dung zum Steu­er­fach­an­ge­stell­ten. Bei­des schloss er erfolg­reich ab: Die Prü­fung zum Steu­er­fach­an­ge­stell­ten leg­te der Sohn bereits im Jahr 2011 ab, der "Bache­lor" wur­de ihm im März 2013 – noch vor Voll­endung des 25. Lebens­jah­res – ver­lie­hen. Die Fami­li­en­kas­se hob die Kin­der­geld­fest­set­zung ab Janu­ar 2012 auf, weil sie der Auf­fas­sung war, dass die Erst­aus­bil­dung des Soh­nes der Klä­ge­rin bereits mit der Prü­fung zum Steue rfach­an­ge­stell­ten im Jahr 2011 been­det gewe­sen sei. Das (erst spä­ter been­de­te) Stu­di­um stel­le eine Zweit­aus­bil­dung dar.

Dem ist das Finanz­ge­richt Müns­ter ent­ge­gen getre­ten: Nach Ansicht des Finanz­ge­richts habe sich der Sohn der Klä­ge­rin noch bis zum Abschluss sei­nes Stu­di­ums in einer Berufs­aus­bil­dung im Sin­ne von § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2a EStG befun­den. Die seit 2012 gel­ten­de gesetz­li­che Neu­re­ge­lung des § 32 Abs. 4 Satz 3 EStG, die den Anspruch auf Kin­der­geld ein­schrän­ke, wenn das Kind sei­ne erst­ma­li­ge Berufs­aus­bil­dung oder ein Erst­stu­di­um abge­schlos­sen habe, ste­he dem Anspruch der Klä­ge­rin nicht ent­ge­gen. Ein aus­bil­dungs- und pra­xis­in­te­grie­ren­der Stu­di­en­gang (Dua­les Stu­di­um) sei als Erst­aus­bil­dung bzw. Erst­stu­di­um anzu­se­hen. Die­ser sei erst abge­schlos­sen, wenn der ange­streb­te aka­de­mi­sche Grad erreicht sei bzw. das Stu­di­um aus ande­ren Grün­den ende.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 15. Mai 2013 – 2 K 2949/​12 Kg
[nicht rechts­kräf­tig, Beschwer­de ein­ge­legt zum Bun­des­fi­nanz­hof – III B 63/​13]