Kin­der­geld­be­rech­ti­gung von Orts­kräf­ten einer Deut­schen Bot­schaft in der Kari­bik

Da die in dem Kari­bik­staat leben­den Kin­der der Orts­kraft weder einen Wohn­sitz noch ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt im Inland, in einem Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on oder in einem Staat haben, auf den das Abkom­men über den Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum Anwen­dung fin­det, kann für jene Kin­der nach § 63 Abs. 1 Satz 3 EStG nur dann ein Kin­der­geld­an­spruch bestehen, wenn sie im Haus­halt eines Berech­tig­ten i.S. des § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG leben.

Kin­der­geld­be­rech­ti­gung von Orts­kräf­ten einer Deut­schen Bot­schaft in der Kari­bik

Nach § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG ist kin­der­geld­be­rech­tigt, wer nach § 1 Abs. 2 EStG unbe­schränkt ein­kom­men­steu­er­pflich­tig ist.

Nach § 1 Abs. 2 Satz 1 EStG sind auch deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge unbe­schränkt ein­kom­men­steu­er­pflich­tig, die im Inland weder einen Wohn­sitz noch ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt haben und zu einer inlän­di­schen juris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts in einem Dienst­ver­hält­nis ste­hen und dafür Arbeits­lohn aus einer inlän­di­schen Kas­se bezie­hen. Da § 1 Abs. 2 Satz 1 EStG kei­ne wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen nennt, ist inso­weit auch uner­heb­lich, ob das Kin­der­geld bean­tra­gen­de Eltern­teil eine sog. Orts­kraft ist oder einen bestimm­ten völ­ker­recht­li­chen Sta­tus besitzt.

Nach § 1 Abs. 2 Satz 2 EStG gilt die erwei­ter­te unbe­schränk­te Ein­kom­men­steu­er­pflicht jedoch nur für natür­li­che Per­so­nen, die in dem Staat, in dem sie ihren Wohn­sitz oder ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt haben, ledig­lich in einem der beschränk­ten Ein­kom­men­steu­er­pflicht ähn­li­chem Umfang zu einer Steu­er vom Ein­kom­men her­an­ge­zo­gen wer­den.

Sinn und Zweck von § 1 Abs. 2 Satz 2 EStG ist es, den Aus­lands­be­diens­te­ten deut­scher staat­li­cher Stel­len die per­so­nen­be­zo­ge­nen Vor­tei­le der unbe­schränk­ten Steu­er­pflicht für sich und ihre Haus­halts­an­ge­hö­ri­ge zu erhal­ten. Umge­kehrt soll ver­hin­dert wer­den, dass ein Steu­er­pflich­ti­ger sowohl in sei­nem Wohn­sitz­staat als auch über § 1 Abs. 2 EStG in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die­se Vor­tei­le mehr­fach in Anspruch neh­men kann [1]. Dem­nach bedarf es die­ser erwei­ter­ten unbe­schränk­ten Ein­kom­men­steu­er­pflicht dann nicht, wenn die Per­son nach den Regeln des maß­geb­li­chen aus­län­di­schen Steu­er­rechts unbe­schränkt ein­kom­men­steu­er­pflich­tig ist und dadurch im Aus­land die Berück­sich­ti­gung der per­sön­li­chen Merk­ma­le gesi­chert ist [2].

Ob eine Per­son in dem Staat, in dem sie ihren Wohn­sitz oder gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat, ledig­lich in einem der beschränk­ten Ein­kom­men­steu­er­pflicht ähn­li­chen Umfang zu einer Steu­er vom Ein­kom­men her­an­ge­zo­gen wird (§ 1 Abs. 2 Satz 2 EStG), ist nach den Vor­schrif­ten des maß­ge­ben­den aus­län­di­schen Steu­er­rechts zu prü­fen [3]. Dabei sind aller­dings die nach dem deut­schen Ein­kom­men­steu­er­recht prä­gen­den Merk­ma­le der beschränk­ten Steu­er­pflicht zu beach­ten [4]. Bei die­ser Prü­fung ist daher ins­be­son­de­re zu berück­sich­ti­gen, ob im Wohn­sitz- oder Auf­ent­halts­staat nur die inlän­di­schen Ein­künf­te (nicht das Welt­ein­kom­men) erfasst wer­den [5] und per­sön­li­che Ver­hält­nis­se weit­ge­hend außer Betracht blei­ben [6]. Allein der Bezug steu­er­frei­er Ein­künf­te ist dem nicht gleich zu stel­len, weil dies eine unbe­schränk­te Steu­er­pflicht im Wohn­sitz- oder Auf­ent­halts­staat nicht aus­schließt [7]. Im Übri­gen ist uner­heb­lich, ob der Steu­er­pflich­ti­ge in sei­nem Wohn­sitz- oder Auf­ent­halts­staat tat­säch­lich besteu­ert wird. Maß­geb­lich ist allein die objek­ti­ve Rechts­la­ge [8].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. Dezem­ber 2013 – III R 20/​12

  1. Lehner/​Waldhoff, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 1 Rz C 61[]
  2. BFH, Urteil vom 05.09.2001 – I R 88/​00, BFH/​NV 2002, 623, unter II. 1.a; Schmidt/​Heinicke, EStG, 32. Aufl., § 1 Rz 35 f.[]
  3. BFH, Urteil vom 09.10.1985 – I R 271/​81, BFHE 145, 44[]
  4. Gosch in Kirch­hof, EStG, 12. Aufl., § 1 Rz 11[]
  5. vgl. BFH, Urteil vom 22.02.2006 – I R 60/​05, BFHE 212, 468, BStBl II 2007, 106[]
  6. zum Gan­zen Lehner/​Waldhoff, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 1 Rz C 67; Stap­per­fend in Herrmann/​Heuer/​Raupach ‑HHR‑, § 1 EStG Rz 175[]
  7. BFH, Urteil vom 19.09.2013 – V R 9/​12, BFH/​NV 2014, 90, Rz 19 ff.; Schmidt/​Heinicke, a.a.O., § 1 Rz 36[]
  8. BFH, Urteil in BFHE 212, 468, BStBl II 2007, 106, m.w.N.[]