Kryp­towäh­rung – ist die­se steu­er­pflich­tig?

Ein gesetz­li­ches Zah­lungs­mit­tel sind Bit­coin, Ripp­le, Lite­coin und ande­re Kryp­towäh­run­gen nicht. Somit ist im Gegen­satz zum Euro nie­mand dazu ver­pflich­tet, die­se als Bezah­lung anzu­neh­men. Eine gesetz­li­che Rege­lung besteht hier­bei nur im Kon­text des klas­si­schen Gel­des. Also liegt es beim Dienst­leis­ter oder dem Ver­käu­fer von Waren selbst, ob er eine digi­ta­le Wäh­rung annimmt oder nicht. Inso­fern geht es in die­sem Bereich um eine rein pri­vat­recht­li­che Geschich­te. Jeder muss daher für sich selbst ent­schei­den, ob Bit­coin und Co. für ihn akzep­ta­bel sind.

Kryp­towäh­rung – ist die­se steu­er­pflich­tig?

Den­noch locken die popu­lä­ren Kryp­towäh­run­gen, zu wel­chen auch NEO, EOS, Mone­ro oder IOTA zäh­len, immer mehr Anle­ger an. Die­sen ist das Risi­ko bewusst und so gibt es nicht weni­ge Spe­ku­lan­ten, die in den ver­gan­ge­nen Mona­ten mit dem Han­del von digi­ta­ler Wäh­rung Gewin­ne erzie­len konn­ten. Denn gera­de wer Zeit hat und einen schwa­chen Kurs aus­sitzt, hat gute Chan­cen beim nächs­ten Höhen­flug beacht­li­che Beträ­ge zu erhal­ten. Jedoch gilt es, die­se in jedem Fall dem zustän­di­gen Finanz­amt mit­zu­tei­len. Hin­ter­grund ist schlicht die Ver­mei­dung des Tat­be­stands der Steu­er­hin­ter­zie­hung. Um die­se in der Steu­er­erklä­rung zu ver­mer­ken, ist weder beson­ders umfang­rei­ches Wis­sen not­wen­dig, noch ist dies schwie­rig. Ledig­lich ein wenig Zeit muss dafür in Anspruch genom­men wer­den.

Steu­er­li­cher Hin­ter­grund der Kryp­towäh­rung

Grund­sätz­lich könn­te man ver­mu­ten, dass die Gewin­ne aus dem Han­del mit der Kryp­towäh­rung ähn­lich wie die Akti­en besteu­ert wird. Die­se Auf­fas­sung ist jedoch falsch. Denn die digi­ta­le Wäh­rung erwirt­schaf­tet aus steu­er­li­cher Sicht kei­ne Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen. Eine Abgel­tungs­steu­er fällt somit beim Tra­den nicht an.

Beim Minen von Bit­coin kommt hin­zu, dass es sich dabei nicht um E‑Geld han­delt, da es an einem Emit­ten­ten fehlt. So ent­schied der Euro­päi­sche Gerichts­hof 2015, das die erwirt­schaf­te­ten Umsät­ze mit der Kryp­towäh­rung unter den Aspekt der Steu­er­be­frei­ung für Devi­sen fal­len. Jedoch gilt die­ses EU-Recht nicht für alle steu­er­li­chen Belan­ge, wie etwa bei Fiat-Wäh­run­gen. Somit wer­den sie wie imma­te­ri­el­le Wirt­schafts­gü­ter behan­delt, die unter das Ertrags­steu­er­recht fal­len.

Inso­fern hat auch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Finan­zen die Kryp­towäh­rung als pri­va­tes Geld klas­si­fi­ziert. Damit sind sie im steu­er­li­chen Kon­text mit her­kömm­li­chen Wirt­schafts­gü­tern gleich­ge­stellt. Somit ist klar, dass der Ver­kauf von Bit­coin und ande­ren digi­ta­len Wäh­run­gen nach § 23 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes eben­so behan­delt wird, wie die Ver­äu­ße­rung von Gold, Kunst oder Old­ti­mern. Somit müs­sen die Ein­künf­te aus die­sem Geschäft unter der Anla­ge SO in der Steu­er­erklä­rung ange­führt wer­den.

Was fällt unter steu­er­pflich­ti­ge Ver­äu­ße­rung von Bit­coin und Co.?

Ein Han­del von digi­ta­ler Wäh­rung liegt vor, wenn die­se in etwas ande­res getauscht wird. Steu­er­pflich­tig sind dabei Fol­gen­de:

  • Bezah­lung von Waren und Dienst­leis­tun­gen mit der Kryp­towäh­rung
  • Ver­kauf der Kryp­towäh­rung oder der Rück­tausch in ein gesetz­li­ches Zah­lungs­mit­tel
  • Das Umtau­schen von Kryp­towäh­rung in ande­re digi­ta­le Wäh­run­gen

Wer zum Bei­spiel mit Bit­coins Lite­coin kau­fen geht, muss die­sen Tausch als Ver­kauf steu­er­lich auch an ent­spre­chen­der Stel­le ver­mer­ken. Zudem gilt es den Ankauf der neu­en Kryp­towäh­rung genau zu doku­men­tie­ren. Bei einem spä­te­ren Ver­kauf kann dann anhand der Spe­ku­la­ti­ons­frist der Gewinn ermit­telt wer­den. Ob sich der Kauf von Lite­coin, einer Open Source-Kryp­towäh­rung, aktu­ell ren­tiert, zeigt das Por­tal Bit­wi­ki. Hier gibt es alle wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen rund um die digi­ta­len Wäh­run­gen. Unter ande­rem, wie mit ihnen Gewin­ne erwirt­schaf­tet wer­den oder wo sie gekauft wer­den kön­nen.

Gewinn­ermitt­lung der Kryp­towäh­rung und anschlie­ßen­der Ver­lust­ab­zug

Wer jemals selbst Kryp­towäh­run­gen gekauft hat, weiß, dass man sich als Anle­ger zu den unter­schied­lichs­ten Kur­sen und Zei­ten eine digi­ta­le Wäh­rung anschafft. Zudem wer­den die­se übli­cher­wei­se zusam­men ver­wal­tet und unab­hän­gig von­ein­an­der, anstatt auf ein­mal, ver­kauft. Für die Gewinn­ermitt­lung ist daher die Spe­ku­la­ti­ons­frist aus­schlag­ge­bend. Denn die­se ist für alle Men­schen, die Steu­ern bezah­len, ein­heit­lich gere­gelt. Bei der Kryp­towäh­rung kommt daher das Prin­zip des „First In – First Out“ (FIFO) zum Tra­gen. Damit ist fest­ge­legt, dass bei einem Ver­kauf immer die digi­ta­le Wäh­rung genutzt wird, die zuerst ange­schafft wur­de.

Inso­fern ist es für jeden Anle­ger wich­tig, ein Trans­ak­ti­ons­ta­ge­buch zu füh­ren. Mit die­sem lässt sich die Spe­ku­la­ti­ons­fris­ten prü­fen und die­se im Zwei­fels­fall auch bele­gen. Dar­in ver­merkt wer­den soll­ten fol­gen­de Punk­te:

Des Wei­te­ren ist es wich­tig, alle ana­lo­gen Anschaf­fun­gen, die in Bezug zum Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft ste­hen, zu doku­men­tie­ren. Die­se Nach­wei­se gel­ten als Beleg für das Finanz­amt und hel­fen, im pri­va­ten, die eige­nen Geschäf­te trans­pa­rent zu hal­ten und nach­voll­zieh­bar zu machen.

Um nun den Gewinn zu berech­nen, wird die Dif­fe­renz zwi­schen Ein­kaufs- und Ver­kaufs­preis ermit­telt. Hier­von wer­den zudem noch die Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen. Inso­fern sind beim Tra­den nicht nur Gewin­ne, son­dern eben auch Ver­lus­te mög­lich. Daher ist eine Vari­an­te, Letz­te­ren mit ande­ren Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten im pri­va­ten Bereich zu ver­rech­nen. Dies ist jedoch nicht mit unter­schied­li­chen Ein­kunfts­ar­ten mög­lich. Den Ver­lust­ab­zug als sol­ches kann der Inves­tor noch im sel­ben Jahr machen. Eben­so ist eine Opti­on, die­sen erst im Fol­ge­jahr auf künf­ti­ge Erträ­ge anzu­wen­den oder alter­na­tiv dazu, auf die Gewin­ne im ver­gan­ge­nen Kalen­der­jahr.

Wie hoch wer­den die Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne von Kryp­towäh­rung ver­steu­ert?

Als Grund­la­ge zur Berech­nung dient zum einen die Höhe des erwirt­schaf­te­ten Gewinns aus der Ver­äu­ße­rung und zum ande­ren, die Hal­te­dau­er. Denn so wie bei dem Umsatz von pri­va­ten Gegen­stän­den, gilt bei der digi­ta­len Wäh­rung eine Spe­ku­la­ti­ons­frist von einem Jahr. Eben­so kann eine Frei­gren­ze von 600 Euro steu­er­lich gel­tend gemacht wer­den.

Zudem gilt, dass eine Kryp­towäh­rung, die bin­nen eines Jah­res ver­äu­ßert wird und bei des­sen Gewinn mehr als 600 Euro abfal­len, Steu­ern bezahlt wer­den müs­sen.

Wich­tig:
Beim Über­schrei­ten der Frei­gren­ze wird der Gesamt­ge­winn steu­er­pflich­tig.

Zudem ist die Frei­gren­ze nicht nur für die digi­ta­le Wäh­rung reser­viert. Auch ande­re pri­va­te Ver­äu­ße­run­gen fal­len in die­sen. Anschlie­ßend wird, wie für das Regel­ein­kom­men, der per­sön­li­che Ein­kom­mens­steu­er­satz zuzüg­lich Kir­chen­steu­er und Soli fäl­lig. Inso­fern ist eben­falls klar, das, wenn kei­ne Steu­ern auf den Han­del mit der Kryp­towäh­rung erho­ben wer­den, sich Gebüh­ren und Ver­lus­te steu­er­lich nicht aus­wir­ken.

Wer also inner­halb der Spe­ku­la­ti­ons­frist von einem Jahr maxi­mal 599,99 Euro an Erträ­gen ein­fährt, bleibt kom­plett steu­er­frei. Wird pri­vat dann noch etwas ande­res ver­kauft und sei es nur für einen Euro, müs­sen sämt­li­che Gewin­ne steu­er­lich erfasst wer­den. Wird die Kryp­towäh­rung jedoch erst nach der Hal­te­dau­er von einem Jahr ver­äu­ßert, blei­ben sämt­li­che damit erwirt­schaf­te­ten Ein­nah­men steu­er­frei. Somit ist es wich­tig, die Coins min­des­tens 12 Mona­te zu hal­ten, bevor sie get­ra­det wer­den.

Jedoch gibt es auch hier von der Regel Aus­nah­men. Die­se hei­ßen Len­ding Bots und Par­ti­zi­pa­ti­ons­zer­ti­fi­ka­te. Doch auch das Mining ist anders gere­gelt. So kann die Spe­ku­la­ti­ons­frist für Len­ding Bots zum Bei­spiel bis auf zehn Jah­re anstei­gen.