Kurzarbeit – und die Pflicht zur Steuererklärung

Im Arbeitsalltag führt jeder von uns seine Einkommensteuer monatlich an das Finanzamt ab. Die automatisch abgeführte Summe ermittelt sich aus der jeweiligen Steuerklasse sowie aus dem Bruttoverdienst und falls vorhanden, dem Kinderfreibetrag. Wenn keine Besonderheiten auftreten, betrachtet der Fiskus die Steuerschuld des Angestellten damit als beglichen.

Kurzarbeit – und die Pflicht zur Steuererklärung

Anders sieht es aus, wenn der Arbeitnehmer nach § 46 EStG zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet wird. Dieser Fall tritt ein, wenn das Finanzamt vermutet, dass Gründe für eine Steuernachzahlung vorliegen – so wie bei der Zahlung von Kurzarbeitergeld im Jahr 2020. Die Pflicht zur Steuererklärung ergibt sich dann, wenn im Vorjahr mehr als 410 € in Form von Kurzarbeitergeld eingenommen wurden.

Deshalb ist die Steuererklärung Pflicht

Um zu verstehen, weshalb der Fiskus eine Steuererklärung von Kurzarbeitern verlangt, empfiehlt es sich, sich das Konzept der Kurzarbeit genauer anzusehen.

So funktioniert Kurzarbeitergeld

Schickt ein Unternehmen Mitarbeiter in die Kurzarbeit, reduziert sich deren Arbeitszeit. Anstatt der Lohn- oder Gehaltszahlung erhalten Arbeitnehmer dann das sogenannte Kurzarbeitergeld von der Agentur für Arbeit. Bevor die Kurzarbeit überhaupt gewährt wird, muss das Unternehmen glaubhaft machen, dass die Reduzierung der Stunden und damit der Zahlungen zwingend erforderlich für den Fortbestand des Unternehmens ist.

Auch wenn Arbeitnehmer mit den 60% oder 67 % ihres Nettoeinkommens meist unzufrieden sind, ist das Konzept der Kurzarbeit ehrenhaft: Durch das Kurzarbeiter-Gesetz schaffen es zahlreiche Unternehmen, Krisen durch Konjunkturschwankungen oder wie zuletzt durch Corona ohne Entlassungen zu überstehen. Die Kurzarbeit dient also der Erhaltung von Arbeitsplätzen und sorgt gleichzeitig dafür, dass der betroffene Betrieb die Produktion nach der Krise schnellstmöglich wieder hochfahren kann.

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Steuerfreiheit oder Nachzahlungspflicht?

So ehrenhaft die Kurzarbeit auch sein mag – in der Praxis ist sie für Arbeitnehmer eine Belastung, denn ihnen fehlen bis zu 40 % ihres Einkommens. Da sich das Kurzarbeitergeld am durchschnittlichen Netto von Arbeitnehmern orientiert, wird dieses auch als Nettobetrag – und somit eigentlich steuerfrei – ausbezahlt. Laut Einkommensteuergesetz handelt es sich beim Kurzarbeitergeld nämlich um eine Lohnersatzleistung – und Lohnersatzleistungen müssen nicht versteuert werden.

So viel zur Theorie. In der Realität ist es aber so, dass die Zahlung von Kurzarbeitergeld auf das Jahreseinkommen angerechnet wird. Dies führt dazu, dass sich für andere in diesem Jahr regulär erarbeitete Löhne und Gehälter eine höhere Steuerlast ergibt. Über Umwege führt das Kurzarbeitergeld in vielen Fällen also wirklich zu einer Steuernachzahlung. Arbeitnehmer, die aus diesem Grund eine Steuererklärung abgeben müssen, sollten diese online abgeben und eine zuverlässige Steuersoftware nutzen, um das Maximum aus ihrem Einkommen herausholen.

Weitere Gründe, die für die Online-Steuererklärung sprechen

Das Erledigen der Steuer ist komplex, weshalb Hilfestellungen wichtig sind. Gute Software-Programme für die Steuererklärung führen einen Schritt für Schritt durch das Formular und weisen einen auf alle wichtigen Absetzungsmöglichkeiten hin. So kann man die Nachzahlung meist reduzieren oder sich sogar über eine Rückerstattung freuen – und das haben sich vor allem diejenigen verdient, die im Vorjahr durch Kurzarbeit ohnehin zurückstecken mussten.

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Plausibilitätsprüfung

Während des Ausfüllens läuft in der Software eine Prüfung auf Plausibilität mit. Scheinen Angaben unschlüssig oder falsch zu sein, weist einen das Programm darauf hin. So kann man die Angabe korrigieren, bevor man die Steuererklärung einreicht.

Schnelles Ausfüllen

Durch Hilfestellungen, automatische Summierung von Beträgen und Tippen am PC geht das Ausfüllen besonders schnell. Ein weiterer Vorteil ist es, dass die Software Angaben aus vorhergehenden Steuererklärungen für das Folgejahr speichern und wiederverwenden kann. So spart man sich ab dem zweiten Jahr noch mehr Zeit.

Online-Übertragung an das Finanzamt

Das Ausfüllen geht bereits schnell, doch auch beim Übersenden spart man sich Zeit. Die meisten Programme ermöglichen es einem, die Steuererklärung mit elektronischer Unterschrift entweder per Elster oder direkt online an das Finanzamt zu übermitteln. Auch die Möglichkeit, die Steuererklärung auszudrucken und auf dem Postweg zu übersenden, gibt es.

Blick in die Glaskugel

Wer seine Steuererklärung mit einem hochwertigen Programm ausfüllt, sieht jederzeit, wie hoch die Nach- oder Rückzahlung ausfallen wird. Tatsächlich betragen Abweichungen des prognostizierten Betrages in der Regel nur wenige Cent, was sich mit Rundungsfehlern begründen lässt. So kann man sich bereits bei Abgabe auf die Forderung oder Rückerstattung durch das Finanzamt vorbereiten.

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