Lohn­steu­er und Ver­si­che­rungs­prä­mi­en min­dern nicht kin­der­geld­schäd­li­che Ein­künf­te des Kin­des

Bei der Prü­fung, ob die Ein­künf­te und Bezü­ge des Kin­des den Jah­res­grenz­be­trag über­schrei­ten, sind nach einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs die Ein­künf­te weder um die ein­be­hal­te­ne Lohn- und Kir­chen­steu­er noch um die Bei­trä­ge zu einer pri­va­ten Zusatz­kran­ken­ver­si­che­rung oder einer Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung zu kür­zen. Das Glei­che gilt für Bei­trä­ge zu einer pri­va­ten Ren­ten­ver­si­che­rung, wenn sich das Kind in Aus­bil­dung befin­det und in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung pflicht­ver­si­chert ist.

Lohn­steu­er und Ver­si­che­rungs­prä­mi­en min­dern nicht kin­der­geld­schäd­li­che Ein­künf­te des Kin­des

Abzüg­lich der Wer­bungs­kos­ten und des Arbeit­neh­mer­an­teils am Gesamt­so­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag betru­gen die Ein­künf­te und Bezü­ge der Toch­ter der Klä­ge­rin im Streit­jahr 2005 7 979,33 € und über­stie­gen damit den Jah­res­grenz­be­trag von 7 680 €. Die Klä­ge­rin war der Auf­fas­sung, neben den Wer­bungskos­ten und den Bei­trä­gen zur Sozi­al­ver­si­che­rung sei­en auch die Bei­trä­ge der Toch­ter zu ihrer pri­va­ten Zusatz­kran­ken­ver­si­che­rung (ca. 71 €), ihrer pri­va­ten Ren­ten­ver­si­che­rung (540 €) und ihrer Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung (ca. 394 €) sowie ihre Auf­wen­dun­gen für Kon­takt­lin­sen (ca. 214 €) abzu­zie­hen, so dass der Jah­res­grenz­be­trag unter­schrit­ten sei. Die Fami­li­en­kas­se lehn­te den Abzug ab. Die Kla­ge hat­te kei­nen Erfolg.

Der BFH wies die Revi­si­on der Klä­ge­rin gegen das finanz­ge­richt­li­che Urteil als unbe­grün­det zurück. Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur gebo­te­nen Kür­zung der Ein­künf­te des Kin­des um die Arbeit­neh­mer­an­tei­le zur Sozi­al­ver­si­che­rung sei jeweils im Ein­zel­fall zu prü­fen, ob ein Gleich­heits­ver­stoß gegen­über ande­ren Eltern vor­lie­ge, deren Kin­der die betref­fen­den Auf­wen­dun­gen nicht hät­ten. Der BFH habe des­halb in sei­ner Ent­schei­dung vom 14. Dezem­ber 2006 III R 24/​06 (BFHE 216, 225, BStBl II 2007, 530) nur unver­meid­ba­re Bei­trä­ge für eine pri­va­te Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung den Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen gleich­ge­stellt. Bei­trä­ge für eine pri­va­te Zusatz­kran­ken­ver­si­che­rung sei­en aber nicht unver­meid­bar, da sie über die Min­dest­vor­sor­ge hin­aus­gin­gen, die der Toch­ter bereits als Mit­glied in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung zukom­me. Eben­so wenig sei­en die Ein­künf­te eines Kin­des um die Bei­trä­ge zur pri­va­ten Ren­ten­ver­si­che­rung zu min­dern, wenn es sich – wie im Streit­fall – in Berufs­aus­bil­dung befin­de und bereits in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung pflicht­ver­si­chert sei. Denn auch die­se Bei­trä­ge sei­en für die aktu­el­le Exis­tenz­si­che­rung des Kin­des nicht erfor­der­lich. Glei­ches gel­te für die Bei­trä­ge zur Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung, denn das Hal­ten eines Kfz gehö­re nicht zum lebens­not­wen­di­gen Bedarf.

Auch die vom Arbeits­lohn ein­be­hal­te­ne Lohn- und Kir­chen­steu­er (zusam­men ca. 147 €) sei­en nicht von den Ein­künf­ten abzu­set­zen. Der Ansatz der Ein­künf­te des Kin­des ohne die Lohn- und Kir­chen­steu­er ver­sto­ße nicht gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz. Denn auch Kin­der mit nicht lohn­steu­er­pflich­ti­gen Ein­künf­ten hät­ten Ein­kom­men­steu­er zu bezah­len. Zwar füh­re der Lohn­steu­erabzug dazu, dass die Ein­kom­men­steu­er frü­her erho­ben wer­de; das sei aber bei typi­sie­ren­der Betrach­tung hin­zu­neh­men. Anders als die Bei­trä­ge zur Sozi­al­ver­si­che­rung wer­de die ein­be­hal­te­ne Lohn­steu­er spä­ter wie­der erstat­tet, wenn das zu ver­steu­ern­de Ein­kom­men den Grund­frei­be­trag nicht über­stei­ge. Schließ­lich sprä­chen auch Grün­de der Ver­wal­tungsver­einfachung für die Nicht­be­rück­sich­ti­gung von Lohn- und Kir­chen­steu­er, weil andern­falls die ein­be­hal­te­ne Lohn­steu­er im Jahr der Erstat­tung als Bezü­ge des Kin­des erfasst wer­den müss­te. Nicht zu ent­schei­den brauch­te der BFH im Streit­fall, ob die Auf­wen­dun­gen für die Kon­takt­lin­sen des Kin­des sei­ne Ein­künf­te min­dern.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2007 – III R 4/​07